Samstag, 10. März 2012

Basilius von Caesarea über die Demut

Nach einer kurzen Pause fahren wir mit Basilius von Caesarea und seiner Predigt über die Demut fort; heute Kapitel 5:
"Glaubst du etwas getan zu haben, so danke Gott! Erheb dich aber nicht über den Nächsten! „Ein jeder”, mahnt Paulus, „prüfe sein eigenes Werk; dann wird er den Ruhm bei sich behalten und andere damit verschonen.” Was hast du denn dem Nächsten genützt, wenn du den Glauben bekannt oder um des Namens Christi willen Verbannung erduldet oder die Beschwerden des Fastens auf dich genommen hast? Keinem andern wurde der Nutzen, sondern dir. Fürchte dich davor, ähnlich zu fallen wie der Teufel, der sich stolz gegen den Menschen erhob, aber vom Menschen gestürzt und dem zum Fußschemel gegeben wurde, den er sich zum Fußschemel machen wollte. - Ähnlich verhielt es sich mit dem Fall der Israeliten. Sie erhoben sich stolz gegen die Heiden als Unreine, wurden dann aber in Wirklichkeit unrein; die Heiden aber rein. „Ihre Gerechtigkeit wurde wie das Tuch einer Blutflüssigen.” Die Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit der Heiden aber wurde durch den Glauben getilgt. Kurz: denk an den wahren Spruch: „Gott widersteht den Hoffärtigen, den Demütigen aber gibt er seine Gnade.” Halte bereit das Wort des Herrn: „Jeder, der sich selbst erniedrigt, wird erhöht, und wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden.” Werde nicht dein eigener ungerechter Richter, und richte nicht nach Gunst! Meinst du etwas Gutes getan zu haben, und willst du das aufzählen und geflissentlich die (einstigen) Fehler vergessen, werde ja nicht stolz auf deine guten Handlungen von heute, und vergib dir nicht, was du gestern und längst vorher gesündigt, vielmehr ruf dir die Vergangenheit ins Gedächtnis, wenn die Gegenwart dich stolz macht, und dein törichter Stolz wird sich legen. - Und siehst du den Nebenmenschen sündigen, so sieh nicht nur dies an ihm, sondern denk' auch an das Gute, das er getan oder vollbringt, und du wirst nach allseitiger, reiflicher Prüfung ihn oft besser einschätzen als dich selbst. Gott prüft ja den Menschen nicht einseitig. - „Ich komme,” heißt es, „ihre Werke und Gedanken zu sammeln.” Als er einst den Josaphat wegen seiner Sünden tadelte, gedachte er auch seiner guten Werke, da er sprach: „Doch es sind auch gute Werke an dir gefunden worden.”

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