Sonntag, 4. März 2012

Die Wagnisse des Glaubens

Predigt des Seligen John Henry Newman vom 21.2.1836:
"Jeder meiner Hörer möge sich die Frage vorlegen, was er auf die Wahrheit der Verheißung Christi eingesetzt hat. Wir wissen, was es heißt, in irgendein Unternehmen dieser Welt zu investieren. Wir riskieren unseren Reichtum bei Projekten, die Erfolg versprechen. ...
Was haben wir für Christus gewagt? Ich hege die tatsächliche Befürchtung, bei einer etwaigen Überprüfung stellt sich heraus, daß es nichts gibt, wozu wir uns entschließen, nichts, was wir unterlassen, nichts, was wir meiden, nichts, was wir wählen, nichts, was wir aufgeben, nichts, was wir unternehmen, nichts, wozu wir uns entschließen würden, was wir nicht täten, nicht unterließen, vermieden, wählten, aufgäben und unternähmen, wenn Christus nicht gestorben und der Himmel uns verheißen wäre. Ich fürchte wirklich, daß die meisten sogenannten Christen, wie immer ihr Bekenntnis sein mag, was sie immer an Gefühlen zu haben glauben, was sie immer an Wärme und Erleuchtung und Liebe für sich in Anspruch nehmen mögen, dennoch so leben, fast wie sie leben würden, weder viel besser noch viel schlechter, wenn sie das Christentum für eine Fabel hielten.
In jungen Jahren überlassen sie sich dem Trieb oder jagen wenigstens weltlichen Vergnügen nach; mit fortschreitenden Jahren arbeiten sie sich in das Geschäftsleben ein oder betreten einen anderen Weg, um Geld zu verdienen; dann heiraten sie und gründen eine Familie; und da sich bei ihnen Interesse und Pflicht paaren, scheinen sie ehrsame und religiöse Menschen zu sein und halten sich auch dafür. Sie lieben die Verhältnisse wie sie sind; sie beginnen, Eifer gegen Laster und Irrtum zu entwickeln, und bestreben sich, mit allen Menschen in Frieden zu leben. Solches Verhalten ist insoweit recht lobenswert. Nur behaupte ich, hat es mit Religion nicht notwendigerweise etwas zu tun. Es enthält nichts, was in seinen Trägern irgendwie vom Vorhandensein religiöser Grundsätze zeugte. Es gibt nichts, was sie nicht weiterhin täten, obwohl sie nichts anderes davon profitieren, als was sie jetzt auch gewinnen. Etwas springt auch jetzt für sie heraus. Sie befriedigen ihre Wünsche, sie führen ein ruhiges und geordnetes Leben, denn das ist ihr Interesse und ihr Geschmack. Aber sie wagen nichts, riskieren nichts, opfern nichts, geben nichts auf um des Glaubens willen an Christi Wort."  
Quelle: Biemer: John Henry Newman, S. 47f:

1 Kommentar :

  1. Der ist weise, der sich auf John Henry Newman bezieht. Aber Kardinal Newman war zu Lebzeiten bei "konservativen Heißspornen" innerhalb der Katholischen Kirche nicht unumstritten. Und bei dem Betreiber dieses Blogs scheint es sich auch um einen "religiösen Heißsporn" zu handeln.

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