Freitag, 16. März 2012

Die vierte Stufe der Demut III

Heute wollen wir die vierte Stufe der Demut abschließen.
"Um zu zeigen, dass wir unter einem Oberen stehen müssen, sagt sie weiter: "Du hast Menschen über unser Haupt gesetzt."Selbst bei Widrigkeiten und Unrecht erfüllen die Mönche in Geduld die Weisung des Herrn: Auf die eine Wange geschlagen, halten sie auch die andere hin; des Hemdes beraubt, lassen sie auch den Mantel; zu einer Meile gezwungen, gehen sie zwei. Wie der Apostel Paulus halten sie falsche Brüder aus und segnen jene, die ihnen fluchen."
Nachdem Benedikt uns im vorhergehenden Teil gemahnt hat, auch in den Widrigkeiten treu zu bleiben, setzt er noch einmal einen drauf. Er erinnert uns daran, das Jesus selber nicht zur Einhaltung der Gesetze aufgefordert hat - was ja schon schwierig genug war - sondern die Latte sogar noch höher gehängt hat. Während im mosaischen Gesetz das Opfer seinem Angreifer nur soviel nehmen durfte, wie ihm selber genommen wurde, so soll man jetzt freiwillig noch größeres Unrecht ertragen. Selber hat Jesus uns hierfür zahlreiche Beispiele gegeben. So hat er noch am Ende seines irdischen Lebens für jene um erbarmen gebeten, die ihn ans Kreuz brachten. Dem Beispiel seines Herrn folgte Stephanus, der um Vergebung für seine Steiniger bat. Man könnte diese Liste beliebig verlängern.

Doch man muss nicht einmal so radikal sein um mit den Worten Jesu seine Probleme zu haben. Fällt es uns schon schwer genug, Unrecht zu ertragen, wie viel schwerer fällt es uns, dieses Unrecht auch noch zu vergeben. Aber gerade diese Vergebung, dieses mehr geben ist ein wesentlicher Akt der Bewältigung. Denn wenn wir nur ertragen würden, blieben wir an uns selbst haften. Ich ertrage etwas, ich erleide, ich erdulde, ich armes armes Opfer und ganz zuletzt ich toller toller Kerl, der ich das alles erdulde ohne dem anderen zu schaden. Merkt ihr was? Selbstmitleid führt zu Selbsterhöhung führt zu Hochmut. Und genau davor warnt uns der Hl. Benedikt. Denn wie wir schon wissen ist der Hochmut der Anbeginn der Sünde. Wenn wir mit Hochmütiger Haltung etwas über uns ergehen lassen, erreichen wir nicht nur nichts, wir fallen sogar noch weiter zurück, obwohl wir scheinbar den Anforderungen Christi entsprechen.

Doch diesen Hochmut können wir nur überwinden, indem wir nicht in den Spiegel schauen, sondern unseren Blick auf den anderen richten. Blicken wir auf ihn, dann sehen wir mehr als nur einen Angreifer, einen Gegner. Wir sehen einen Menschen, der in die Sünde ebenso verstrickt ist wie wir. Wir haben ihm nichts voraus, beide sind wir der Liebe Christi und der Gnade Gottes bedürftig. In diesem ersten Schritt verdemütigen wir uns selbst.

In einem zweiten Schritt gilt es, diese demütige Haltung noch zu stärken und zu festigen. Denn dieser Mensch, der uns als Gegner gegenüber tritt, ist ja in den meisten Punkten wie wir und sozusagen unser Bruder. Unser Bruder in der Sünde, unser Bruder in der Bedürftigkeit und unser Bruder als von Gott geliebtes Kind. Zürnen wir aber unserem Bruder und wollen unsere Rache an ihm stillen? Nein. Vielmehr wünschen wir ihm das gleiche, was wir auch uns wünschen: Gottes Gnade und die Überwindung unser Fehler. Haben wir diesen zweiten Schritt der Verdemütigung getan, folgt der dritte, die aktive, ausgerichtete Handlung.

Entreißt uns jemand unseren Besitz, so überlassen wir es ihm. Denn dafür gibt es viele gute Gründe: Zum einen werden wir uns der Vergänglichkeit unserer Besitzes bewusst und erfahren, über wie wenig wir doch wirklich verfügen. Wir werden damit freier und demütiger. Zugleich gibst du damit deinem Bruder ein Beispiel, wie man handeln sollte. Denn wie der Hl. Johannes Chrysostomos sagt:
"Denn Zorn wird durch Zorn nicht gezähmt, sondern noch mehr gereizt"
Ersticken wir aber den Zorn unseres Bruders wie unseren eigenen, haben wir die überhaupt die Chance, die Probleme die uns beide umtreiben und in diese Situation geführt haben, zu lösen. Freilich dürfen wir nicht erwarten, dass sich der anderen wegen unserer Haltung bessert. Denn damit treten wir ihm wieder Hochmütig entgegen. Vielmehr dürfen wir nichts erwarten und sollen uns unserer eigenen Schwachheit bewusst sein. Wie immer der Gegenüber dann reagieren wird, ob im guten oder im schlechten, werden wir es in demütiger Haltung erfahren.

Unbestreitbar klingt das, was ich geschrieben habe, eher wie eine fromme Luftnummer. Wer macht denn auch sowas? Nun, einige wurden bereits oben genannt. Zwar sind das wirklich außergewöhnliche Fälle, aber sich am Mittelmaß zu orientieren, an den Lauen und Feigen war zu keinem Zeitpunkt eine Tugend.
Daran erinnert uns auch der Hl. Hieronymus, wenn er schreibt:
"Viele schätzen die Gebote Gottes nach ihrer eigenen Schwachheit ein, nicht nach den Kräften der Heiligen, und deshalb glauben sie, daß diese Vorschriften unerfüllbar seien. Und sie sagen, daß es für die Tugend ausreiche, seine Feinde nicht zu hassen; sie darüber hinaus auch noch zu lieben, dies sei für die menschliche Natur eine zu schwere Vorschrift. Man muß aber wissen, daß Christus nicht etwas Unmögliches vorschreibt, sondern Vollkommenes."
Und Remigius lehrt:
"Weil aber die vollkommene Liebe über die Feindesliebe nicht hinausgehen kann, fügt der Herr also hinzu, nachdem er vorgeschrieben hat, die Feinde zu lieben: Wie auch euer himmlischer Vater vollkommen ist. Er selbst freilich ist vollkommen wie auch allmächtig, der Mensch aber ist vom Allmächtigen unterstützt."

1 Kommentar :

  1. Danke fürs Einstellen, du hast mir damit einen großen geistlichen Dienst erwiesen. Vergelts Gott mit seinem Segen!

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