Freitag, 2. März 2012

Der Hierarch Basilius über die Demut

Schreiten wir weiter mit dem großen Basilius in seiner Predigt über die Demut. Heute Kapitel 4
"Warum nun, sag' es mir, erhebst du dich, als wären es deine Güter, anstatt dem Geber für die Gaben zu danken? „Denn was hast du, das du nicht empfangen hast? Hast du es aber empfangen, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?” Nicht du hast Gott erkannt durch deine Gerechtigkeit, sondern Gott erkannte dich durch seine Güte. „Da ihr Gott erkannt habt,” sagt Paulus, „oder vielmehr von Gott erkannt wurdet.” Nicht du hast Christus durch deine Tugend ergriffen, sondern Christus hat dich durch seine Ankunft ergriffen. „Ich strebe darnach,” heißt es, „ob ich es wohl ergreife, worin ich auch von Christus ergriffen worden bin.” „Nicht ihr habt mich erwählt,” spricht der Herr, „sondern ich habe euch erwählt.” - Doch, weil du geehrt worden, bist du stolz darauf und machst die Barmherzigkeit zum Anlaß deiner Hoffart? Dann brauchst du nur dich selbst zu erkennen, wer du bist! Ein aus dem Paradies verstoßener Adam ein vom Geiste Gottes verlassener Saul,ein von der hl. Wurzel abgeschnittenes Israel. „Durch den Glauben”, heißt es, „stehst du; sei nicht hoffärtig, sondern fürchte!” Ein Gericht folgt der Gnade, und der Richter wird prüfen, wie du die Gnadengaben ausgenutzt hast. ...
Jener strenge und ungemein hochmütige Pharisäer aber, der nicht nur kühn auf sich selbst vertraute, sondern auch den Zöllner vor Gott schmähte, verlor ob seines verdammenswerten Übermutes den Ruhm der Gerechtigkeit. Und der Zöllner ging statt seiner gerechtfertigt nach Hause, weil er dem hl. Gott die Ehre gab und nicht einmal aufzublicken wagte, sondern nur Verzeihung suchte, durch seine Haltung und sein Klopfen an die Brust dich als Schuldigen bekannte und nichts anderes als Barmherzigkeit begehrte. - Sieh dich also vor und laß dich gewarnt sein durch das Beispiel einer schweren Bestrafung des Hochmuts! Der Übermütige büßte seine Gerechtigkeit ein; der Selbstbewußte verlor den Lohn, wurde dem Demütigen und Sünder nachgesetzt, weil er sich über letzteren erhob, nicht das Urteil Gottes abwartete, sondern sein eigenes fällte.
Du erhebe dich nie über jemand, nicht einmal über den größten Sünder! Oft rettet die Demut den, der viele große Sünden begangen hat. Halte dich nicht für gerechter als den Nebenmenschen, damit du nicht einmal mit deiner Rechtfertigung aus eigenem Munde durch Gottes Urteil verdammt wirst! „Ich richte mich nicht selbst”, sagt Paulus. „Ich bin mir ja nichts bewußt, aber deshalb noch nichts gerechtfertigt; der mich richtet, ist der Herr”

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