Montag, 12. März 2012

Basilius der Große über die Demut: Zum letzten

Ein letztes mal, denn wir sind mitlerweile beim siebten und letzten Kapitel abgekommen, lesen wir den Hl. Basilius in seiner Predigt über die Demut:
"Wie werden wir nun die giftige Schwulst des Hochmutes los werden und zur heilsamen Demut gelangen? Wenn unser ganzes Tun und Lassen darauf gerichtet ist und wir nichts übersehen - im Wahn, ein Versehen könnte uns nicht schaden. Denn die Seele gleicht sich ihren Bestrebungen an, bildet und gestaltet sich nach dem, was sie tut. Deine Haltung, Kleidung, dein Gehen und Sitzen, deine Lebensweise, Lagerstätte, Wohnung, all dein Hausrat sei einfach; auch in Rede, Gesang, im Verkehre mit dem Nächsten zeige dich mehr bescheiden als stolz! Deine Rede verrate nicht eine Allerweltsweisheit, dein Gesang keinen übertriebenen Wohllaut, dein Gespräch keine hochmütige, spitzfindige Dialektik; halte dich von aller Großtuerei frei! Sei gefällig gegen den Freund, mild gegen den Diener, nachsichtig mit den Ausgelassenen, leutselig gegen die Niedrigen; tröste die Betrübten, besuche die Leidenden, verachte auch nicht einen ausnahmsweise! Sei freundlich in der Anrede, gefällig in der Antwort, artig, allen leicht zugänglich! Verkündige nicht dein eigenes Lob, noch bestelle andere, es zu verkünden; dulde keine ungeziemende Rede, verbirg soviel als möglich deine eigenen Vorzüge! Dagegen klage dich selbst deiner Sünden an, und warte nicht erst die Vorwürfe anderer ab, damit du jenem Gerechten gleichst, der sich im Eingange seiner Rede selbst anklagt, damit du dem Job gleichst, der sich nicht abhalten ließ, vor einer großen Menge Volkes aus der Stadt seinen Fehler zu bekennen. Sei nicht hart im Tadeln; sei nicht rasch und leidenschaftlich im Zurechtweisen, das verrät Anmaßung. Verdamme auch nicht wegen Kleinigkeiten, wie wenn du die Gerechtigkeit selbst wärest! Nimm dich der Fehlenden an und weise sie geistig zurecht, wie der Apostel uns mahnt, „auf dich selbst sehend, damit nicht auch du versucht werdest”. Wende ebenso großen Fleiß auf, bei den Menschen nicht gerühmt zu werden, als andere aufwenden, um gerühmt zu werden! Du brauchst ja nur an Christus zu denken, der da sagt, daß man seinen Lohn bei Gott verliere, wenn man geflissentlich Ruhm und Ehre bei den Menschen suche, und wenn man das Gute tue, um von den Menschen gesehen zu werden. Denn „sie haben”, sagt er, „ihren Lohn schon empfangen.” Schade dir also nicht selbst dadurch, daß du dich bei den Menschen in Ansehen setzen willst! Da Gott der große Zeuge ist, so suche Ruhm bei Gott; er gibt ja herrlichen Lohn. - Wurdest du aber eines Vorganges gewürdigt und ehren und rühmen dich die Menschen, so mache dich den Untergebenen gleich, und „behandle die Anbefohlenen nicht von oben herab”, wie es heißt, oder nach Art der weltlichen Herrscher! „wer der erste sein will, sei der Diener von allen”, hat der Herr befohlen. - Kurz gesagt: Strebe so nach Demut, wie einer, der sie liebt! Liebe sie und sie wird dich ehren. So wirst du herrlich die Bahn zur wahren Ruhme wandeln, der bei den Engeln und bei Gott ist. Christus aber wird dich vor den Engeln als seinen Jünger anerkennen und dich verherrlichen, wenn du Nachahmer seiner Demut wirst. Er sagt ja: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen: Und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.” Ihm sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen."

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...