Mittwoch, 1. Februar 2012

Was passiert, wenn ...

In einem Interview hat sich Kardinal Marx dazu geäußert, dass die Kirche ohne Kirchensteuer natürlich nicht untergehen würde. Dennoch müsste sie sich dann überlegen, welche Aufgaben sie nicht mehr für das Gemeinwesen schultern solle. Über die Frage, was die Kirche ausmacht und sie daher unbedingt beibehalten muss reden wir mit der Expertin für Kirche in der Gesellschaft, der Professorin für praktische Theologie Frau Prof. Dr. Dr. Wilhelmine Küsselbecker.

Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, was muss unbedingt beibehalten werden, wenn die Kirchensteuer auf einmal wegbrechen sollte?

Wissen sie, über diese Frage habe ich mir schon viele Gedanken gemacht. Denn wir können es ja leider nicht leugnen, dass die Umtriebe gewisser neokonservativer Kreise das Ansehen der Kirche in der Gesellschaft stark geschädigt haben. Entsprechend ist es notwenig, gerade jene Aspekte des Kircheseins beizubehalten und zu fördern, die der Kirche in der Gesellschaft Wirkmacht verleihen, während andere, unakzeptierte, abgeschafft werden müssten.

Können sie das präzisieren?

Natürlich kann ich das. In einem ersten Schritt müssen wir uns fragen, ob wir wirklich so viele Kirchen brauchen. Als Gebäude, meine ich. Die kann doch ohnehin niemand mehr bezahlen. Allein die Heizkosten. Es wäre daher sinnvoll, die Kirchen abgesehen von einigen wenigen zu verkaufen und in praktischere Räumlichkeiten umzuziehen. Das ermöglicht auch, das Bild des Messvorstehers neu zu definieren. Wenn wir z.B. die Gemeinden so verkleinern, dass sie in ein größeres Wohnzimmer passen oder meinetwegen in eine mietbare Dorfhalle, dann können wir auch gleich aus praktischen Gründen mit den soutanierten Weihepriestern aufräumen und sie im Sinne Jesu durch bewährte Gottesdienstvorsteher_innen ersetzen. Da das ein Ehrenamt sein könnte oder nur halbtags, wäre auch schon mal Geld bei den Priestergehältern gespart. Das kann man dann teilweise zur Förderung weiterer Ämter wie Lektor_in oder Kommunionhelfer_in etc._in stecken. Weitere Sparmöglichkeiten sind an der Spitze. Die Bischöfe und ihr Fuhrpark gehören ebenso gestrichen wie ihre Residenzen. Wenn man im Sinne einer gewissen Anhänglichkeit an alte Zeiten unbedíngt ein bischofähnliches Amt beibehalten möchte, dann ist das auch mit weniger Geld möglich. Desgleichen kann man fragen, ob die ganzen Kunstschätze und die Kirchengeräte nicht besser in staatlichen Museen aufgehoben wären. Hier kann man auch Geld sparen. Und die Gottesdienste, ein normales  Weinglas tut's auch.

Sehr interessant Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker. Und was meinen sie was man unbedingt beibehalten sollte?

Auch auf diese Frage kann ich eine dezidierte Antwort geben. Ich denke am wichtigsten ist es, dass weiterhin Fortbildungsmaßnahmen in den Gemeindehäusern stattfinden, z.B. Meditationtrainings, Rhetorikseminare, Kochkurse, Töpfern für Anfänger und andere Programme, die den modernen Menschen an die Kirche bindet. Ein weiterer Punkt, der unbedingt beibehalten werden muss ist natürlich auch der akademische Bereich. Gerade hier, in der Ausbildung des zukünftigen Führungspersonals, muss noch mehr Einsatz gezeigt werden. So bin ich gerade dabei, beim Bistum ein Förderprogramm für interreligiösen Dialog und Horizonterweiterung einzustreiten. Ich plane nämlich mit meinen Studenten ein Praxissemsester in Tibet zu verbringen, außerdem sind Indien und Japan im Gespräch. Ein weiterer wichtiger Punkt sind natürlich die Pastoralteams. Gerade sie müssen nicht nur beibehalten, sondern auch erweitert werden um die Betreuung der Mitglieder zu gewährleisten. Ich denke auch an eine Zeitschriftenreihe, die solche Teams unterstützt und möchte an dieser Stelle schon einmal erwähnen, dass ich als Chefredakteurin hervorragend geeignet wäre. Wobei das jedem klar sein dürfte.

Selbstverständlich. Frau Prof. Dr. Dr. Küsselbecker, wir danken ihnen für das Gespräch.

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