Donnerstag, 2. Februar 2012

Warten auf Gott lohnt sich

Wie bewegend sind die Worte des greisen Simeon, der beim Anblick des Jesuskindes eines der schönsten Lieder der Kirche anstimmt:   
"Nun lässt du, Herr, deinen Knecht,  wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen,  das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."
Es sind die Worte eines Mannes, der nie aufgegeben hat. Eines Mannes, der Gott immer vertraut hat. Eines Mannes, der über alle Widrigkeiten hinweg auf die Offenbarung wartete.

Ich höre öfters, dass mir Menschen sagen, sie würden ja an Gott glauben, wenn der sich ihnen nur deutlich genug offenbaren würde. Gott solle sich doch zeigen, dann würden sie auch an ihn glauben und ihr Leben an ihm ausrichten.

Simeon hingegen ist das genaue Gegenteil. Er erwartet nicht, dass Gott sich ihm zeigt, um dann sein Leben auf Gott hin auszurichten. Vielmehr richtet er sich auf Gott aus wegen der Erwartung, ihm eines Tages zu begegnen. Simeon tritt sozusagen in Vorleistung, weil er darauf vertraut, dass Gott am Ende seines Wartens, am Ende seines Weges in Erscheinung treten wird.

Es war mit Sicherheit kein einfacher Weg, kein einfaches Warten das alten Mannes. Wir können nicht ermessen, über wie viele Jahre er jeden Tag in den Tempel strebte, immer darauf wartend, endlich dem Heil der Welt zu begegnen. Vielleicht hat er sein ganzes Leben darüber verbracht. Wie viel hat er dafür aufgegeben, wieviel unterlassen, auf wieviel verzichtet. Es war ein Leben auf Gott hin.

Wir können uns auch nicht ausmalen, wieviel Schmach der arme Mann erleiden musste. Sicher, es war ein guter Brauch unter frommen Juden, oft den Tempel aufzusuchen und dort zu beten. Vom Herrenbruder Jakobus wird gesagt, er sei dort so häufig gewesen, dass seine Knie schon Hornhaut entwickelt hatten. Aber Simeon, ganz von seiner Erwartung durchdrungen, wird es wohl wesentlich exzessiver betrieben haben. Wir würden ihn heute für einen armen Irren halten, der den ganzen Tag durch den Tempel streift, auf der Suche nach etwas, was es gar nicht gibt.

Simeon ließ sich davon nicht abschrecken. Trotz der Zweifel, die ihn über die Jahre sicherlich befallen haben. Trotz der Sorgen, die er sich wohl über ein Leben machte, das auf einen finalen, unsichtbaren Punkt ausgerichtet war. Trotz eines mitunter wohl lächerlichen Auftretens. Simeon hielt durch und erfüllte damit im Voraus das Wort des Herrn: "Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen." (Joh 8,31f)

Simeon war wirklich ein Jünger des Herrn. Wirklich ein Knecht Gottes. Und Gott honorierte es. Er blieb, wenn man so will, Simeon den Lohn nicht schuldig. Mehr noch. Er überschüttete den armen alten Mann am Ende seiner Tage mit Gnade. Simeon war einer der wenigen, die des Herrn gegenwartig wurden, noch bevor er sich der Welt offenbarte, bevor er begann, zu wirken und die Botschaft zu verkünden. Gott selbst in den Armen zu halten war das Geschenk Gottes an seinen treuen Knecht. Ein ganzes Leben, auf Gott hin ausgerichtet, gipfelt in diesem finalen Punkt der irdischen Existenz. Gott schenkt sich selbst dem Simeon. Und Simeon weiss, das sein Leben nun erfüllt ist. Sein Warten, sein Streben hat ein Ende. In Gott hat er mehr erlangt, als er sich je wünschen konnte. Überreich ist der Lohn des Allmächtigen, größer als sich der kleine Knecht je erträumt hatte.

Das ist die Botschaft des greisen Simeon: Warten auf Gott lohnt sich! Gott verschließt sich nicht den Seinen, er gibt ihnen seine Gnade in Fülle. Wer als Knecht Gottes sein Leben auf Gott ausrichtet, wird es nicht bereuen. Schwierigkeiten, ja, die gibt es. Probleme, ja die gibt es. Leicht, nein, leicht ist es nicht. Gott gehorcht nicht unserer Eitelkeit und unseren Wünschen wie ein Diener. Er kommt nicht vorbei, wie wir es wollen, wann wir es wollen. Aber wenn wir auf sein Wort hören, zu Knechten Gottes werden und Knechte Gottes bleiben, dann wird er zu uns kommen in Herrlichkeit.

Darauf hoffen wir, darauf vertrauen wird. Lasst es mich am Ende sagen:
Simeon, bitte für mich, damit ich werde wie du und nicht irre werde an mir.

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