Donnerstag, 9. Februar 2012

Unterschied zwischen Katholizismus und Protestantismus

Manchmal werde ich gefragt, wo denn der Unterschied zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus liege?

Das ist eigentlich eine gute Frage und sie kann sehr lang und sehr ausführlich beantwortet werden.
Das machen wir hier aber nicht.

Ich denke, wenn man es zugespitzt sagen wollte, kann man sagen:
Der Katholizismus ist die Religion der Wirklichkeit, der Protestantismus ist die Religion des Bewusstseins.

Das ist jetzt natürlich ziemlich vereinfacht und ziemlich radikal. Aber ich denke, man kann es durchaus so sagen.

Betrachten wir z.B. das Allerheiligste Altarsakrament:
Für die Protestanten ist das nur symbolisch oder zwar real, aber nicht im Sinne einer wirklichen Veränderung, als mehr einer veränderten Identifikation. Für den Katholiken hingegen ist das gewandelte Brot wirklich der Leib Christi, unabhängig davon, ob ich daran glaube oder in welchem Umfeld es sich befindet.

Oder betrachten wir die Taufe:
Für die Protestanten ist sie wieder nur symbolisch, ein Akt, den man zwar durchführt, der auch wichtig ist weil er von Jesus befohlen wurde, aber ohne Taufe ginge es theoretisch auch. Sie ist nicht heilsnotwendig, in ihr fließen uns keine wirklichen Gnaden zu. Für die Katholiken hingegen ist die Taufe ein wirkliches Geschehen am Menschen, hier wirkt Gottes Gnade wirklich und ganz real.

Ein weiteres Beispiel ist die Frage der Rechtfertigung:
Für die Protestanten handelt es sich hierbei um einen Rechtsprechungsakt. Gott übersieht die Sünden des Menschen und erklärt, die Gnade Christi werde auch dem Menschen zuteil werden. Am Menschen selber geschieht keine Veränderung an sich. Zwar steht er fortan unter der Leitung des Hl. Geistes, aber das ist sozusagen ein Zusatzdienst. Der Akt also solcher ändert den Menschen nicht. Für den Katholiken hingegen ist es eine Gerechtmachung. Die Gnade Gottes verändert den Menschen wirklich durch die Reinwaschung von der Erbsünde, ihm werden wirklich Tugenden gnadenhaft eingegossen und fortan in ihm wirken.

Und ein Letztes:
Der größte Theologe des Protestantismus, Luther, war ein Bewusstseinsmensch. Er lebte nur von Bewusstsein, seine ganze Theologie war davon durchtränkt. Luthers "Leistung" bestand darin, dass er sein Bewusstsein, also was er meinte als richtig erkannt zu haben, über die Lehrmeinung der Kirche stellte. Das erklärt auch den Umstand, das Luther derart unstringend war. Denn sein Bewusstsein änderte sich ja dauernd, wie das bei den meisten Menschen ja der Fall ist. Vergleich wir hingegen Thomas von Aquin. Chesterton nennt ihn "Thomas vom Schöpfer". Sein ganzes Denken richtet sich an der Wirklichkeit aus. Er weiss, das Gott die Natur geschaffen hat und er glaubt daher, dass die Natur zum Guten, auf seinen Schöpfer hingeordnet ist. Betrachten wir des Thomas' Werk, dann fällt uns seine große Einheitlichkeit und seine innere Schlüssigkeit auf. Hier tanzt nichts aus der Reihe wie bei Luther, hier ist alles an der Wirklichkeit orientiert und auf ihren Urgrund, Gott, ausgerichtet.

Man könnte das noch weiter ausführen und meine Aussagen treffen sicher auch nicht auf alle Protestanten zu - es gibt einfach zu viele Meinungen, wenn jeder sein eigener Papst ist. Aber ich hoffe doch, das die Grundintention klar geworden ist. Beim Protestantismus geschieht (fast) alles nicht wirklich, sondern im Bewusstsein der Person. Der Katholik hingegen weiss wirklich, dass etwas geschieht, dass etwas an ihm getan wird.

Kommentare :

  1. Vielleicht ein bisschen simplistisch, aber sinnvoll.
    Eine Ungenauigkeit bezüglich der Taufe sei angemerkt: Der evangelische Theologe Adolf Schlatter († 1938) beschreibt in seiner Dogmatik die Taufe als "die Gewährung alles dessen, was der Christus gibt, an den, den er durch die Taufe zu sich beruft und mit sich vereint. Er empfängt darum durch die Taufe den Anteil am Tod des Christus, das Mitbegrabensein in seinem Tod, somit die Erlösung von der Sünde und vom Fleisch, die Gewährung der Rechtfertigung, darum auch den Anteil am Leben des Christus und am Geist, [...]". (Stuttgart 1977, 419)
    Was du geschrieben hast ist gewissermaßen der Rahmen für das, was ich eben von Schlatter zitierte. Aber nur ein Rahmen ist noch unvollständig. Johann Adam Möhler († 1838) brachte es in seiner Symbolik unvergleichlich exakt zusammen und auf den Punkt: "Durch den vor der Taufe bei Erwachsenen empfangenen Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, dieser Glaube aber durch die Taufe, in welcher uns alles, was Christus für uns getan hat, zugewendet und der Heilige Geist mit allen seinen Gaben mitgeteilt wird, besiegelt." (Köln 1958, 327)

    AntwortenLöschen
  2. Danke an sophophilo für diese fachkundigen Ergänzungen.

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...