Dienstag, 7. Februar 2012

Newman und die Altkatholiken

Neulich habe ich bereits über eine Unterhaltung mit einer Kommilitonin zum Thema Altkatholiken gepostet.
Jetzt habe ich hierzu etwas bei Newman gefunden.

Wie mir meine Kommilitonin berichtet hat, trat eine bekannte zur altkatholischen Kirche über, um ihrer Berufung zur Priesterin zu folgen, da man das dort werden kann. Diesen Schritt begründete sie, weil sie 1. dem Ruf Gottes folgen würde, 2. ja nicht wirklich übertreten würde, denn die Altkatholiken seien ja auch katholisch, 3. im Herzen römisch-katholisch bleiben würde.
Nun will ich mich nicht dazu erheben, den ersten Punkt beurteilen zu können. Auch will ich nicht fragen, wie man im Herzen römisch-katholisch sein kann aber faktisch bei einem anderen Verein ist. Zumden zweiten Punkt aber will ich die Gedanken Newmans anführen:

"Wenn ich auseinandersetzen müsste, was ich unter anglikanischen Prinzipien verstehe, so würde ich u.a. nennen: die Annahme, das Altertum, nicht die bestehende Kirche sei die Verkünderin der Wahrheit, und die apostolische Sukzession sei eine hinreichende Sicherheit für die sakramentale Gnade, auch ohne die Einheit mit der christlichen Weltkirche."

Newman verneinte das für die anglikanische Kirche. Da diese nun mit den Altkatholiken in voller Ökumene steht, können wir davon ausgehen, für die altkatholische Kirche gelten die gleichen Prinzipien. Und wer sich kurz mit dieser Gemeinschaft beschäftigt, der wird das schnell bestätigt finden.

Nun ist hierzu meiner Meinung nach folgendes kurz zu sagen:

1. zur Frage des Altertums. Die Altkatholiken erkennen alle Konzilien an bis zum Nizäum II.
Wenngleich ich natürlich die Hochachtung vor dem Altertum und die Tradition gut finde, so muss ich doch sagen, dass ich es ein bisschen willkürlich finde zu meinen, der Hl. Geist hätte seine Kirche gegen 787 bzgl. seiner dogmatischen Prägekraft verlassen. Warum nicht später, warum nicht früher? Da bin ich doch ganz schnell bei den Protestanten, bei denen der Hl. Geist nach der Kanonisierung der Schrift Urlaub macht, um im 16. Jh. noch mal bei Luther vorbeizuschauen, um diesem einen korrigierten Kanon zu ermöglichen.

2. Nun sind zwar die Altkatholiken in der apostolischen Sukzession, irgendein Bischof war übergelaufen, aber das muss nun nicht notwendigerweise was heißen. Denn das einzige Sakrament, das sicher nicht an die Konfession, ja nichtmal an den Glauben des Spendenden gebunden ist, ist die Taufe. Bei allem anderen gilt meines Kenntnisstandes nach, das Gültigkeit vorraussetzt, das man tut, was die ganze Kirche tut, wie sie es tut. Und da die Altkatholiken die Transsubstantiation (wie sie im Dekret über die Eucharistie des Konzils von Trient bestimmt wurde) ablehnen, tun sie ja nicht, was die ganze Kirche tut, sondern was anderes. Ist also kein Sakrament. Und wo das Allerheiligste Altarsakrament nicht besteht, da kann man auch getrost draußen bleiben. Das ne Frau am Altar steht macht's da auch nicht mehr besser.

Quelle: John Henry Kardinal Newman: Apologia pro vita sua, Wiesbaden 1922, S. 172f

Kommentare :

  1. Ja, tragikomisch zu sehen, was mit denen passiert, die sich für so schlau halten und sich vom Papst trennen...da gibt es dann die bizarrsten Dinge: tridentinische Messe im Vereinsheim der Salvation Army (gelesen hier: http://thatthebonesyouhavecrushedmaythrill.blogspot.com/2011/05/day-i-met-priest-of-old-catholic-church.html).

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  2. Es ist wichtig, zwischen Begriffen und ihrem Inhalt zu unterscheiden: Die Orthodoxen Christen lehnen den Begriff "Transsubstantiation" (wie er erst mit Trient dogmatisch festgeschrieben wurde) auch ab, aber meinen das Gleiche.
    Die Messe der Altkatholiken ist gültig (aber unerlaubt). Sie (wollen) tun, was die Kirche tut (ebenso wie die Orthodoxen), sie bezeichnen es nur nicht so.

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  3. an sophophilo
    Eine interessante These. Damit ich dich richtig verstanden habe: Eine Wandlung in einer altkatholischen Messe, von einer Priesterin durchgeführt, wäre gültig?

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  4. Wenn eine PriesterIN zelebriert, ist das eine andere Situation (vgl. das Apostolische Schreiben Ordinatio Sacerdotalis). Ob eine Messe dann gültig ist, ist nicht zu eruieren. Im Zweifel sollte man dabei im Lichte der Tradition urteilen, die eine Frauenordination an keiner Stelle kennt.
    Ich sprach allgemein von den Altkatholiken und bezog mich auf die Aussage in Punkt 2, wonach die Altkatholiken die Transsubstantiation ablehnen und darum etwas anderes tun würden als das, was die Kirche tut. Was aus genanntem Grund m.E. nicht korrekt ist.

    btw: Nettes Blog! :)

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