Donnerstag, 23. Februar 2012

Über die äußeren Übungen zur Erlangung der christlichen Vollkommenheit

Mahnungen Lorenzo Scupolis zu die äußeren Übungen, aus: Der geistliche Kampf, S. 20-26

"Ohne reiflich darüber nachgedacht zu haben, glauben viele, dass die Vollkommenheit in einer strengen Lebensweise bestehe, in der Abtötung der Sinnlichkeit, in Geißelung und Bußübungen, in Fasten, langen Nachtwachen und anderen körperlichen Bußwerken.
Andere, und namentlich Frauen, meinen, einen hohen Grad an Vollkommenheit erreicht zu haben, wenn sie viele mündliche Gebete verrichten, oft der heiligen Messe und dem Gottesdienst beiwohnen, häufig die Kirche besuchen und die heiligen Sakramente empfangen.
Wieder andere, und unter diesen hie und da auch Ordenspersonen, reden sich ein, dass die Vollkommenheit hauptsächlich vom eifrigen Besuch des Chorgebetes, dem Stillschweigen, der Zurückgezogenheit und einer genauen Beachtung der Regel abhänge.
Auf diese Weise verlegen die einen die Vollkommenheit in diese, andere wieder in jene äußere Übung. …
Ohne Zweifel sind sie für diejenigen, die sie recht zu gebrauchen wissen, äußerst wirksame Mittel, um sich den wahren Geist anzueignen, durch den sie Kraft und Stärke gegen ihre eigene Bosheit und Schwäche erlangen, gegen die Anfechtungen und Nachstellungen des höllischen Feindes gesichert werden und schließlich in den Besitz jener geistlichen Hilfsmittel gelangen, die allen Dienern Gottes und insbesondere den Unerfahrenen im geistlichen Kampf so notwendig sind. …
Jenen aber, welche die vorgenannten äußeren Werke zur alleinigen Grundlage ihrer Vollkommenheit machen, können diese oft mehr als selbst wirkliche Sünden eine Ursache zum Falle sein; nicht deshalb, weil diese Übungen etwa nicht gut wären, sondern ihrer fehlerhaften Einstellung wegen. …
Sei überzeugt: Die wahre Vollkommenheit besteht in nichts anderem als in der Erkenntnis der Größe und Güte Gottes, wie auch in der Erkenntnis unserer eigenen Nichtigkeit und unserer Hinneigung zum Bösen; in der Liebe zu Gott und dem Haß gegen uns selbst; in bereitwilliger Unterwürfigkeit nicht allein Gott gegenüber, sondern auch gegen jedes Geschöpf; im gänzlichen Verzicht auf unseren eigenen Willen und der vollständigen Hingabe in den Willen Gottes, und zwar so, dass der alleinige Beweggrund all unseres Wollens und Handelns einzig Gottes Ehre, seine Verherrlichung und sein Wohlgefallen sein darf, weil er es so will und weil er es verdient, dass er von allen Geschöpfen geliebt werde."

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