Dienstag, 28. Februar 2012

Johannes Cassian über die Demut

Zweite Unterredung des Abtes Moyses über die Klugheit.
"Darauf sprach Moyses: Die wahre Klugheit wird nur durch wahre Demuth erlangt. Die erste Probe dieser Demuth ist, wenn nicht nur alle Handlungen, sondern auch alle Gedanken der Prüfung der Väter vorbehalten werden, so daß Keiner Etwas seinem Urtheile glaube, sondern in Allem sich bei den Aussprüchen Jener beruhige und durch ihre Lehre erkenne, was er für gut oder bös halten solle. Diese Anleitung wird einen Jüngling nicht nur lehren, auf dem wahren Pfade der Klugheit geraden Weges einherzugehen, sondern ihn auch unverletzt bewahren bei allem Trug und Hinterhalt des Feindes. Denn es wird Einer durchaus nicht getäuscht werden können, wenn er nicht nach seinem Urtheile, sondern nach dem Beispiele der Vorfahren lebt – und es wird der schlaue Feind nicht Denjenigen als Unwissenden täuschen können, der Nichts davon weiß, alle im Herzen entstehenden Gedanken mit verderblicher Scham zu verbergen, sondern sie nach der reifen Prüfung der Väter entweder verwirft oder zuläßt. Sobald nemlich ein böser Gedanke geoffenbart ist, verliert er seine Kraft, und noch ehe das Urtheil der Klugheit ausgesprochen ist, wird die scheußliche Schlange aus ihrem finstern unterirdischen Schlupfwinkel ans Licht hervorgezogen durch die Kraft deines Bekenntnisses und weicht überführt und mit Schande bedeckt von dannen. Denn so lange herrschen ihre schädlichen Einflüsterungen in uns, als sie im Herzen verborgen werden."

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