Mittwoch, 22. Februar 2012

Hurra, es ist Fastenzeit!

Wenn ich mir in den letzten Tagen und Wochen nach einem reichlichen Essen meinen Ranzen gehalten habe, so meinte ich gerne, es sei gut, dass bald die Fastenzetit anfangen würde.

Das ist natürlich auf zweierlei Weise Unsinn:
1. Geht es bei der Fastenzeit nicht ums abnehmen.
2. Könnte ich auch ohne Fastenzeit weniger essen.

Dennoch liegt in diesem Ausspruch durchaus etwas zutreffendes, wie ich finde. Denn es ist gut, dass jetzt Fastenzeit ist.
Hierzu noch eine kleine Geschichte:
Ich unterhielt mich mit ein paar Kommilitonen besonders christlicher Prägung und wir kamen auf's Fasten. Eine orthodoxe Russin berichtete von den russischen Fastengewohnheiten. Darauf meinten anderen am Tisch, sie müssten nicht fasten bzw. es sei unnötig, das vorzuschreiben. Denn man täte es ja individuell je nach Eingebung des Hl. Geistes. Darauf meinte ich zu der orthodoxen Kommilitonin, dass wir uns darüber nicht wundern sollten, immerhin hätten wir hier eine christliche Elite bei uns sitzen. Das war durchaus ernst gemeint. Denn es handelte sich dabei wirklich um ganz besonders fromme, ganz besonders heilige und ganz besonders eifrige Christen. Und ich füge hinzu, dass sie vermutlich bessere Christen sind als ich und ich will nicht über sie richten. Nun ist es aber so, dass wir es hier aber wirklich mit Ausnahmen zu tun hatten. Die meisten Christen sind so wie ich: Verfressen und stinke faul.

Wir fasten halt nicht nach der Eingabe des Hl. Geistes - nämlich gar nicht - und wir sitzen auch nicht zweieinhalb Stunden täglich über der lectio divina. Deswegen ist es eine gute Idee, wenn wir zu bestimmten Zeiten darauf hingewiesen werden, dass wir unseren Alltag mehr auf Gott ausrichten sollen: Weniger essen, mehr beten, die nächsten 40 Tage. Ob man sich dann dran hält, ist wieder ne andere Schiene, aber zumindest denkt man mal darüber nach, macht sich Vorsätze und hält sich - meistens - auch daran. Und man kann sich darauf einstellen, denn es ist jedes Jahr etwa zur selben Zeit. Zudem ist es nicht nur ne Privatveranstaltung, man fastet nicht alleine. Sondern man tut es mit der ganzen Kirche. Am Aschermittoch kriegt man das Aschekreuz und der Priester steigt von Grün oder dunkles Violett um. Außerdem fällt das Gloria und der Halleluja-Ruf vor dem Evangelium weg. Die Messe wird also stiller - wenn nicht irgendein liturgisches Genie ein Elektro-Gitarrensolo einschiebt.

Die Fastenzeit ist also eine besondere Kampfzeit. Zwar ist jeder Tag im Leben des Christen ein Kampf, aber in der Fastenzeit soll man sich dieses Kampfes besonders bewusst werden. Die Verlockungen des Weltlichen, sei es in Form von Kuchen, Kaffee oder Aufzügen, sollen zurückgewiesen werden, um sich der Vergänglichkeit der Welt bewusst zu werden. Zugleich soll das Gebet besonders intensiv gepflegt werden, um unsere Kommunikation mit der Kommandostelle zu verbessern und daraus Kraft zu tanken. Zugleich erweist sich in der Fastenzeit ein schöner Grundsatz: Nur wer im Kleinen standhaft ist, kann es auch im Großen sein. Wir können nicht glauben, wir würden schon mortz heroisch und christlich handeln, wenn der Berg nur groß genug wäre, wenn wir schon den kleinen Berg nicht tragen wollen. 

Tragen wir also unseren kleinen Berg mit der Hilfe Gottes in dieser besonderen Zeit, über die wir uns freuen können, da sie uns zu reicher Gnade führen kann.

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