Montag, 27. Februar 2012

Die Vierte Stufe der Demut

Heute wollen wir uns der vierten Stufe der Demut widmen:
"Die vierte Stufe der Demut: Der Mönch übt diesen Gehorsam auch dann, wenn es hart und widrig zugeht. Sogar wenn ihm dabei noch so viel Unrecht geschieht, schweigt er und umarmt gleichsam bewusst die Geduld. Er hält aus, ohne müde zu werden oder davonzulaufen, sagt doch die Schrift: "Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet" Ferner: "Dein Herz sei stark und halte den Herrn aus."
"Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet."
Da hab ich mir gedacht: Dann hast du aber ein Problem. Denn standhaft sein ist ja meine Stärke nicht unbedingt. Sicher, ich nehme mir oft vor, dieses oder jenes zu tun oder zu lassen; z.B. geduldig sein, Unrecht leicht und gern zu ertragen. Oder auch mal mehr in der Bibel zu lesen oder endlich die Reihe der 12 Stufen der Demut abzuschließen. Aber klappt das? Nee.

Man kennt das ja. Man lädt sich etwas auf, weil es neu, gut oder nützlich ist, Vielleicht sogar weil es der Heiligung dient. Man geht mit Elan rein und denkt: So, das ziehst du jetzt durch. Und dann kommen die Schwierigkeiten, die Probleme, die Sorge, der Widerstand. Nach den Gesetzen der Welt entscheidet sich dann, ob man in etwas scheitert oder Erfolg hat. Die Großen dieser Welt zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei Widerständen nicht eingeknickt sind, sondern weitergemacht haben. Die Widerstände wurden überwunden, man hat sich freigeschwommen und schließlich die Lorbeeren eingefahren. Erfolg will hart verdient werden. Und so ist es ja in gewisser Weise auch mit dem Glauben. Auch hier muss Erfolg mühsam errungen werden.

Von alten Mönchen hört man gerne das Wort: "Das Schwierigste ist der Gehorsam" Recht haben sie. Gerade im Kloster, aber auch in der Welt ist kaum etwas schwieriger als Gehorsam zu sein. Es ist sogar noch etwa schwieriger als in anderen Dingen Erfolg zu haben. Denn da ist man ja selbst der der Aktive, der Kreative, der Macher. Man legt sich selbst für die eigenen Ideen in's Zeug und hat dann, optimalerweise, Erfolg. Mit dem Gehorsam verhält es sich anders. Hier ist man nicht selbst der Macher, hier setzt man nicht selbst seinen Willen um, hier hat man den Willen eines anderen umzusetzen. Und anstatt Widerstände einer als ungerecht empfundenen Welt erfolgreich zu überwinden, liegt der Erfolg gerade daran, dass man sich den Widerständen beugt, sie erträgt. Ja mehr noch, man soll die Widerstände sogar umarmen als das Kreuz, das man von Gott zur Heiligung erhalten hat.

Was sagt uns das: Christ sein ist kein Spass.
Und das ist, wenn man so will, der Beginn und die größte Beschwernis, die wir auf uns nehmen müssen. Die Grundvoraussetzung: Nicht Christ sein, weil es so toll und lustig ist. Manchmal denke ich mir, es wäre alles doch viel leichter, wenn ich kein Christ wäre, sondern Agnostiker. Dann müsste ich mich nicht an den Werten der Kirche und der Bibel ausrichten, sondern könnte mir meine eigenen Basteln, in Übereinstimmungen mit den Normen der Gesellschaft. Mein Leben würde deutlich ruhiger verlaufen. Vom Gründungsgedanken durchaus verständlich, ist das Vorbild des Christen doch jemand, der ans Kreuz geschlagen wurde. Leicht und easy kann Christentum da nicht sein und wo es das ist, macht man sicherlich was falsch.

Doch sind es gerade solche Gedanken, die gefährlich sind und vor denen uns Benedikt eindringlich warnt. Denn der Kern, die Ultima Ratio, die Frage aller Fragen ist ja nicht, ob ich jetzt dieses oder jenes mache. Sondern ob ich daran festhalte, Christ zu sein. Wie viele haben sich dafür entschieden, es nicht mehr zu sein, weil sie eben nicht mehr dieses oder jenes machen wollten. Weil sie meinten, es sei einfacher, es einfach sein zu lassen. Und hiervor warnt Benedikt uns eindringlich. Wenn wir es nicht mal mehr schaffen, am bloßen Christsein festzuhalten, können wir auch nicht dieses oder jenes tun. Halten wir aber an Christus fest, auch und gerade wenn wir dafür unser Kreuz tragen müssen, dann können wir auch noch mehr tun, dann können wir noch mehr sein. Dann ist Christus unser Anspruch und nicht wir selbst. Und dann hab ich auch kein Problem mehr, wenn der Evangelist schreibt: "Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet". Denn dann ist das primär keine Drohung mehr, keine Warnung, sondern eine Verheißung. "Wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet"

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