Dienstag, 10. Januar 2012

Dritte Stufe der Demut

Heute wollen wir uns mit der dritten Stufe der Demut beschäftigen, die nur in einem kurzen Text beschrieben wird:
"Die dritte Stufe der Demut: Aus Liebe zu Gott unterwirft sich der Mönch dem Oberen in vollem Gehorsam. So ahmt er den Herrn nach, von dem der Apostel sagt: "Er war gehorsam bis zum Tod."
Mit der dritten Stufe der Demut leitet der Hl. Benedikt zum Thema Gehorsam über. Zugleich beginnt mit dieser Stufe der Mönchs-Teil des Kapitels. Während die beiden vorhergehenden Stufen grundsätzlich auf jeden anwendbar war, so gewinnt hier die Regel einen entschieden monastischen Charakter. Denn der Wille Gottes wird hier durch den Willen bzw. den Befehl des Oberen ergänzt. Dabei handelt es sich um ein klassisches Merkmal einer Ordensgemeinschaft, in der der Mönch dem Vorsteher der Gemeinschaft Gehorsam gelobt. Dessen ungeachtet bedeutet heisst das nicht, dass der normale Mensch nur die ersten beiden Stufen erklimmen müsste, während dem Ordensmann 10 weitere aufgegeben sind. Aber es wird doch nun schwieriger, einige Stufen auf die konkrete Situation eines Laien in der Welt abzuleiten.

Betrachten wir aber die Kernbotschaft des Kapitels, so wird uns augenfällig, dass Benedikt auch hier etwas für alle aussagt: "So ahmt er den Herrn nach" Nachdem wir in den ersten beiden Stufen wesentlich auf Gott-Vater geblickt haben und wie wir uns seinem Willen angleichen können, so wird unser Augenmerk nun auf Gott-Sohn, Jesus Christus, gelenkt. Er wird uns als Beispiel präsentiert für eine Person, die den Willen des Vaters ganz erfüllt hat. Den Willen des Vaters zu erfüllen heisst demanch, wie Christus zu sein, sich Christus anzugleichen. Damit beschreibt Benedikt den Wesenskern der christlichen Heiligung. Denn Jesus war der "Heilige Gottes" und heilig zu sein bedeutet, wie Christus zu sein.

Was heisst aber, wie Christus zu sein?
Hierauf gibt uns der Apostel Paulus Antwort, wenn er in Phil 2,6f schreibt:
"Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen"
Paulus weist uns hier auf zwei Aspekte der Christusnachfolge hin:
1. Jesus ward Mensch und führte das Leben eines Menschen
2. Jesus war Diener, ja Sklave der Menschen

Weil es schon spät ist und ich heute noch anderweitig zu tun habe, will ich nur kurz auf diese beiden Aspekte eingehen:

1. Indem Jesus wurde Mensch und er lebte das Leben eines Menschen. Das ist die zentrale, lebensbejahende Aussage des Christentums. Mit Jesu Menschsein wurde der Mensch im ganzen geheiligt, wurde die Menschennatur nach ihrem Sündenfall als gut und von Gott gewollt wieder eingesetzt. Zwar ist der Mensch immer noch sündhaft, ist immer noch von der Sünde betroffen, aber seine Natur ist nicht in sich schlecht, sondenr gut. Denn wenn Christus wahrer Mensch war und das Leben eines Menschen geführt hat und wenn Christus außschließlich gut war, dann kann die Natur des Menschen nicht ihrem Wesen nach schlecht, sondern nur ihrem Wesen nach gut sein. Das bedeutet für uns, dass wir uns in unserem Lebensvollzug als Menschen von Gott sanktioniert begreifen dürfen. Der Christ muss sich nicht zu Tode hungern oder über glühende Kohlen gehen, um zum Heil zu gelangen. Im Gegenteil. Er soll tun, was der Natur des Menschen entspricht. Alle körperlichen, natürlichen Vollzüge des Menschen sind als gut ausgewiesen, solange sie mit Blick auf Gott getan werden.

2. Jesus war Diener der Menschen. Zu dienen bedeutet, sein Leben nicht für sich selbst zu leben, sondern für anderen. Wenn wir in der Bibel das Wirken Jesu verfolgen, werden wir schnell bemerken, wie wenig Zeit Jesus sich für sich selbst nimmt. Immer ist er rastlos unterwegs um zu Predigen, zu heilen und seine Jünger zu lehren. Sein ganzes Leben stellt er in den Dienst der Menschen. Selbst seinen Tod noch. Damit sind auch wir aufgefordert, unser Leben in den Dienst der Menschen zu stellen. Allerdings nicht genauso wie Jesus. Denn er hatte alle Gaben in Fülle, wir hingegen nur einige wenige Beschränkte. Die aber sollen wir im Dienst am Volk Gottes einsetzen, zum wirken bringen. Welchen Dienst wir dabei ausfüllen sollen bzw. welche Gaben wir haben, das ist die wichtigste Erkenntnis unseres Lebens. Wenn wir hier die richtige, Gott gefällige Entscheidung treffen, haben wir den besten Weg für ein heiligmäßiges Leben beschritten. Einige mögliche Indiaktoren, die auf diese Entscheidung erleichtern, habe ich im letzten Kapitel behandelt. Andere zu nennen wäre möglich, alle zu nennen mir zumindest nicht, deswegen wollen wir es an hier dabei belassen.

Kommen wir zuletzt noch kurz auf Benedikt zurück. Zu dienen bedeutet vor allem, Gehorsam zu sein. Dabei sind die Möglichkeiten, wem gegenüber Gehorsam so zahlreich wie die Menschen selber. Für alle ist es Gott, für die Kinder die Eltern, für die Christen die Kirche bzw. das Lehramt derselben, für den Ordensmann der Obere, etc. Gerade der dritte Punkt gerät heute gerne in Vergessenheit. Widerstand gegen die bösen Bischöfe und den noch böseren Papst ist in den letzten Jahrzehnten in gewesen. Gerade das letzte Jahr war noch mal ein großes aufbäumen des progressiven Ungehorsams. Doch der Wind dreht sich langsam. Gehorsam kommt wieder in Mode. Auch und gerade Gehorsam in schwierigen Zeiten.
Doch hiervon handelt schon die nächste Stufe.

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