Montag, 9. Januar 2012

Die zweite Stufe der Demut

Heute wollen wir uns der zweiten Stufe der Demut widmen:
"Die zweite Stufe der Demut: Der Mönch liebt nicht den eigenen Willen und hat deshalb keine Freude daran, sein Begehren zu erfüllen. Vielmehr folgt er in seinen Taten dem Wort des Herrn, der sagt: "Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat." Ebenso steht geschrieben: "Eigensinn führt zur Strafe, Bindung erwirbt die Krone."
Benedikt greift noch einmal das Thema der ersten Stufe der Demut auf und verdeutlicht damit dessen große Bedeutung. Das wichtigste an einer demütigen Haltung ist die Frage nach dem eigenen Willen. Nur wer nicht mehr danach strebt, den eigenen Willen zu erfüllen, der kann den Weg der Demut gehen. Doch dieses mal geht er noch eine Stufe weiter. Nun soll nicht nur der Wille beherrscht werden, sondern auch das Verhältnis zum Willen. Den eigenen Willen sollen wir nicht lieben und wir sollen keine Freude daran finden, ihn umzusetzen. Das wäre so, als würde uns jemand sagen, wir sollten uns nicht darüber freuen, wenn etwas gelingt, was wir gewollt haben. Eine Haltung, die uns merkwürdig erscheint. Denn auf wen trifft das denn zu? Wir alle sind doch stolz, wenn uns etwas gelingt. Nun bedenken wir aber, was wir zuvor gesagt haben. Denn wir sollen zwar keine Freude an unserem Willen haben, wohl aber an dem Gottes. Daran erinnert uns Benedikt, wenn er die Schrift zitiert. Fragen wir aber, was der Wille Gottes ist, so erfahren wir es, wenn wir in Joh 6,39f weiterlesen: "Es ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Letzten Tag. Denn es ist der Wille meines Vaters, dass alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben und dass ich sie auferwecke am Letzten Tag."
Gott will, das wir das ewige Leben haben!
Was wollen wir?
Geld, ein schönes Haus, Erfolg an der Uni, ein nette Freundin, vulgo Lebensabschnittspartnerin?
Ist Gottes Wille nicht unendlich erhabener und für uns auch besser als unser eigener Wille? Von daher ist es doch nur vernünftig, logisch, dass wir unseren eigenen Willen aufgeben und lieber Gottes Willen erfüllt sehen als unseren eigenen. Es ist ein Gebot der Selbstliebe, dass wir den Willen Gottes mehr lieben als unseren eigenen.
Lieben wir aber Gottes Willen mehr als den eigenen, ja verachten wir den eigenen Willen, dann binden wir uns an Gott und legen den Eigensinn ab. Damit erwerben wir nach den Worten Benedikts die Krone.

Doch ist das, wenn wir ehrlich sind, noch schlaues Geschwätz. Sicherlich mag das richtig sein, aber wer hält sich denn daran? Es gibt doch nur sehr wenige, die wirklich den Eigenwillen verachten und lieber dem Willen Gottes folgen. Zumal es ja oft außerordentlich schwer ist, den genau zu ermitteln. Wie leicht schleicht sich unser eigener Wille in unsere Meinung nach dem Willen Gottes ein.
Die Kirche bietet uns hierfür verschiedene Möglichkeiten an. Vom Hl. Ignazius und seinen Exerzitien bis zu Josemaría Escrivá und seiner Heiligung der Arbeit. Doch will ich das hier nicht thematisieren.
Ich möchte vielmehr auf eine Möglichkeit hinweisen, die zumindest ein Indikator sein kann, ob wir Gottes Willen erfüllen: Die Heiligung, denn der Herr sagt: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." (Mt 7,16). Lesen wir hierzu den Geistlichen Kampf von Scupoli (Kapitel 25):
"Führen sie dich nämlich zur Demut und wirken sie dahin, dass du eifrig im Guten bist und nehmen sie dir das Vertrauen auf Gott nicht, so empfange sie von Gott kommend mit Dank. Verwirren sie dich aber und machen dich kleinmütig, misstrauisch, träge und langsam im Guten, so sei überzeugt, dass sie vom Feind Gottes kommen und setze deine Übung fort, ohne ihnen Gehör zu schenken.
Prüfen wir also, ob der Wille bzw. die Erfüllung des Willens uns in der Heiligung weiter bringen, also gute Ergebnisse hervorbringen. In dem Falle können wir davon ausgehen, dass es dem Willen Gottes entspricht bzw. von ihm konnotiert wird. Bringt uns der Wille und sein Erfüllung hingegen Unruhe, macht er uns lau in der Erfüllung der Dienste gegenüber Gott und den Menschen, so halten wir uns besser davon ferne.
Wie uns aber das gelingen kann, davon berichtet uns der Hl. Benedikt beim nächsten mal.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...