Sonntag, 8. Januar 2012

Die erste Stufe der Demut II

Fahren wir nach einem Tag Pause mit usnerer Betrachtung der ersten Stufe der Demut fort:
"Den Eigenwillen zu tun, verwehrt uns die Schrift, wenn sie sagt: "Von deinem Willen wende dich ab!" Dass aber Gottes Wille in uns geschehe, darum bitten wir ihn im Gebet.  
Mit Recht werden wir also belehrt, nicht unseren Willen zu tun, sondern zu beachten, was die Schrift sagt: "Es gibt Wege, die den Menschen richtig erscheinen, die aber am Ende in die Tiefe der Hölle hinabführen." Ebenso zittern wir vor dem Wort, das von den Nachlässigen gesagt ist: "Verdorben sind sie und abscheulich geworden in ihren Gelüsten." 
Selbst bei den Begierden des Fleisches ist uns Gott, so glauben wir, immer gegenwärtig. Sagt doch der Prophet zum Herrn: "All mein Begehren liegt offen vor dir." Nehmen wir uns also vor jeder bösen Begierde in acht; denn der Tod steht an der Schwelle der Lust. Darum gebietet die Schrift: "Lauf deinen Begierden nicht nach!" 
Wenn also die Augen des Herrn über Gute und Böse wachen und der Herr immer vom Himmel auf die Menschenkinder blickt, um zu sehen, ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht, und wenn die Engel, die uns zugewiesen sind, täglich bei Tag und bei Nacht dem Herrn über unsere Taten und Werke berichten, dann, Brüder, müssen wir uns zu jeder Stunde in acht nehmen, damit Gott uns nicht irgendwann einmal als abtrünnig und verdorben ansehen muss, wie der Prophet im Psalm sagt.  
Weil er gütig ist, schont er uns in dieser Zeit und erwartet unsere Bekehrung zum Besseren, damit er uns dereinst nicht sagen muss: "Das hast du getan, und ich habe geschwiegen."
In diesem langen Abschnitt wollen wir uns zwei Stellen besonders bewusst machen:
1. "Dass aber Gottes Wille in uns geschehe, darum bitten wir ihn im Gebet."
2. "Lauf deinen Begierden nicht nach!"

Für den ersten Punkt wird in einer kommentierten Auflage das Matthäusevangelium als Referenzpunkt angegeben, genauer das Vater-Unser. Erinnern wir uns, wie wir beten "Dein Wille geschehe", nicht nur im Himmel und auf der Erde, sondern auch gerade an uns selbst. Das kommt uns in der heutigen Zeit, die die Selbstbestimmung des souveränen Menschen ausgerufen hat, irgendwie merkwürdig und wenn wir ehrlich sind, auch sehr schwer. Denn wir wollen ja, das gerade unser Wille an uns geschieht. Wir planen unser Leben, wir wünschen, wir wollen ein gutes und erfülltes Leben, ein glückliches Leben. Und wir meinen, wir wüssten was gut für uns ist.
Doch Benedikt mahnt uns, das wir uns da auch ganz gewaltig irren können. Denn der Mensch ist nach wie vor von der Sünde betroffen, ist nicht frei von den Einflüsterungen des Teufels, auch wenn sie im Gewande eines Engels einherkommen. Bei Gott hingegen ist das anders. Er ist nicht durch den Teufel zu korrumpieren und er überschaut unser Leben. Und er kennt noch unsere wahre Natur, auch wenn wir sie vergessen haben: Der Mensch ist auf Gott hin geschaffen und alles, was ihn zu Gott hinführt, ist daher für ihn gut. Niemand anderes als Gott aber weiss so sehr, wie man zu ihm kommen kann und niemand will so sehr, dass wir zu ihm kommen. daran kann kein Zweifel bestehen, seit er seinen Sohn für uns am Kreuz hingegeben hat.
Daher ist es gut für uns, wenn Gottes Wille an uns geschehe. Wir meinen oft nur, es sei schlecht, weil wir nach wie vor dem von der Sünde beeinflussten Eigenwillen anhängen. Daher mahnt uns der Hl. Benedikt, wir müssten zugleich den Eigenwillen ablegen und uns ganz dem göttlichen Willen unterwerfen. Denn nur dann können wir voll Inbrunst beten und wahrhaft annehmen, dass der Wille Gottes geschieht.

Der zweite Punkt ist ein Zitat aus Jesus Sirach. Wir wollen es uns in ganzer Länge ansehen:

Jesus Sirach 18,30ff: Folge nicht deinen Begierden, von deinen Gelüsten halte dich fern! Denn du erfüllst, was deine Seele begehrt, erfüllst du das Begehren deines Feindes. Freu dich nicht über ein wenig Lust; doppelt so schwer wird dann die Armut sein.
Jesus Sirach weist uns hier auf die Konsequenzen unserer Taten hin. Zwar mögen wir, wenn wir unseren Begierden folgen, einen kurzfristigen Gewinn erzielen, doch wird die Strafe hierfür umso größer sein. Denn damit folgst du nicht dem Willen Gottes, dem du dich angleichen sollst, sondern dem seines und deines Feindes, der dich in die Hölle hinabziehen will. Daher sollen wir uns, wann immer sich uns die Verlockungen des Fleisches und der Welt darbieten, uns von ihnen abwenden, damit wir ihnen nicht nachlaufen. Vielmehr wenden wir uns dem Kreuz auf Golgatha zu und werfen uns in die arme des Erlösers, der uns entgegenkommt.
Vor allem aber dürfen wir nicht meinen, dass unsere Sünden, da wir keine Sanktion spüren, nichtig sind. Ein solcher Schlendrian stellt sich ja schnell ein. Denn wir sind es gewohnt, dass auf ein Vergehen eine angemessene Strafe folgt. Kommt sie nicht, so meinen wir, wir könnten es munter weiter betreiben. Doch damit verkennen wir Gott. Das wir nicht gleich in die Hölle oder in das Purgatorium gelangen, hat nichts mit der Nachlässigkeit Gottes zu tun, wie uns Benedikt versichert. Sondern vielmehr mit seiner Güte. Gott wünscht nicht, dass wir Strafe erfahren, sondern wünscht sich die freiwillige Besserung des Menschen, sodass er ihn baldigst im Himmel willkommen heißen kann. Daraus entsteht die Schonung, die wir erfahren, daraus speisen sich aber auch die Mahnworte, die der Herr uns sendet: Kehre um, tue nicht deinen, sondern meinen Willen, denn ich führe dich zum wahren Guten, zur ewigen Glückseligkeit.

Diesen Weg zu beschreiten bedarf es besonders der Demut, deren ersten Schritt wir hiermit beschließen.

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