Freitag, 6. Januar 2012

Die erste Stufe der Demut I

Nachdem wir gestern den Prolog des siebten Kapitels der Benediktregel "Die Demut" abgeschlossen haben, wollen wir nun mit der ersten Stufe fortfahren:
"Die erste Stufe der Demut: Der Mensch achte stets auf die Gottesfurcht und hüte sich, Gott je zu vergessen. Stets denke er an alles, was Gott geboten hat, und erwäge immer bei sich, wie das Feuer der Hölle der Sünden wegen jene brennt, die Gott verachten, und wie das ewige Leben jenen bereitet ist, die Gott fürchten. Zu jeder Stunde sei er auf der Hut vor Sünden und Fehlern, die im Denken, Reden, Tun und Wandel durch Eigenwillen, aber auch durch Begierden des Fleisches geschehen.

Der Mensch erwäge: Gott blickt vom Himmel zu jeder Stunde auf ihn und sieht an jedem Ort sein Tun; die Engel berichten ihm jederzeit davon. Der Prophet weist uns darauf hin, dass Gott unserem Denken immer gegenwärtig ist, wenn er sagt: "Gott prüft auf Herz und Nieren." "Der Herr kennt die Gedanken der Menschen." Ebenso sagt er: "Von fern erkennst du meine Gedanken." "Das Denken des Menschen liegt offen vor dir."

Vor seinen verkehrten Gedanken auf der Hut, spreche der Bruder, der etwas taugt, ständig in seinem Herzen: "Dann bin ich makellos vor ihm, wenn ich mich vor meiner Bosheit in acht nehme."
In der ersten Stufe der Demut beginnt der Hl. Benedikt mit der Mahnung, auf unsere Gedanken acht zu geben. Das ist von großer Bedeutung. Zwar kommen unseren Taten im Hinblick auf deren Sündenhaftigkeit eine größere Bedeutung zu, nicht aber in Bezug auf das Sündenpotential. Hier sind die Gedanken ebenso gefährlich, wie auch der Hl. Pfarrer von Ars wusste. Er mahnt uns, das wir wie Reisig sind. Sind wir zu nahe am Feuer (der Sünde), so dürfen wir uns nicht wurdern, wenn wir in Flammen aufgehen würden. Wir nähern uns aber der Sünde, indem wir an sie denken. Wie leicht zerfällt ein guter Vorsatz durch die gedankliche Beschäftigung mit dem Verstoß gegen ihn.

Daher darf schon in unserem Denken unsere Sünde nicht gegenwärtig sein. Vielmehr soll Gott an die Stelle der Sünde treten, indem wir uns beständig bewusst machen, das alles, was wir denken und tun, ihm zur Kenntnis kommt. Dabei ist es durchaus hilfreich, auf zweierlei Weise an Gott zu denken:

1. Indem wir der Heilstat Christi gedenken. Wer sich beständig bewusst macht, was Christus für uns aus Liebe erlitten hat, der kann gar nicht anders, als seinerseits diese Liebe zu erwidern. Wer aber seine Liebe auf Christus hin ausrichtet, dem wird die Sünde schal werden und er wird den Teufel, der sich zwischen dich und den Geliebten drängen will wegstoßen.

2. Indem wir des ewigen Feuers und des Purgatoriums gedenken. Denn welchen Gewinn ziehen wir aus unseren Sünden, wenn wir dafür den Preis des einen oder anderen Ortes zahlen müssen? Wer das bedenkt, dem wird es leicht einsichtig werden, das hier Genuss und Kosten in einem krassen Missverhältnis stehen. Man mag auch nicht denken, dass eine lässliche Sünde schon nicht schlimm sein werde. Auch solche sind eine Beleidigung Gottes und fügen uns so großen geistlichen Schaden zu, dass Jesus erklärte, es wäre für uns besser, wir würden einen Fuss oder eine Auge verlieren als zu sündigen.

Dessen sollen wir uns also stets bewusst machen, damit sogleich, wenn der sündige Gedanke sich unser bemächtigen will, sich ihm die Wachen der Liebe und der Gottesfurcht entgegenstellen und ihn vertreiben. Das wird uns umso besser gelingen, wenn wir den reichen Gewinn bedenken, der uns hierfür zuteil wird. Denn wenn wir so uns beständig in Acht und Zucht nehmen, können wir hoffen, sagen zu können, das wir Freiheit haben vom Makel. Wer aber hat, dem wird gegeben und er wird in Überfluss haben. (Mt 25,29).


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