Donnerstag, 5. Januar 2012

Die 12 Stufen der Demut - Prolog II

Lesen wir weiter, was der Hl. Benedikt einführend über die Demut schreibt:
"Wenn ich nicht demütig gesinnt bin und mich selbst erhöhe, was dann? Du behandelst mich wie ein Kind, das die Mutter nicht mehr an die Brust nimmt." Brüder, wenn wir also den höchsten Gipfel der Demut erreichen und rasch zu jener Erhöhung im Himmel gelangen wollen, zu der wir durch die Demut in diesem Leben aufsteigen, dann ist durch Taten, die uns nach oben führen, jene Leiter zu errichten, die Jakob im Traum erschienen ist. Auf ihr sah er Engel herab und hinaufsteigen.
Ganz sicher haben wir dieses Herab und Hinaufsteigen so zu verstehen: Durch Selbsterhöhung steigen wir hinab und durch Demut hinauf. Die so errichtete Leiter ist unser irdisches Leben. Der Herr richtet sie zum Himmel auf, wenn unser Herz demütig geworden ist. Als Holme der Leiter bezeichnen wir unseren Leib und unsere Seele. In diese Holme hat Gottes Anruf verschiedene Sprossen der Demut und der Zucht eingefügt, die wir hinaufsteigen sollen."

Gestern haben wir darüber gesprochen, welche Grundvoraussetzung der Weg der Demut hat, nämlich eine Haltung des Misstrauens gegen sich selbst und des Vertrauens auf Gott einzunehmen.
Doch natürlich ist es mit einer reinen Haltung nicht getan. Denn was in unserem inneren ist, will und soll sich ausdrücken, damit es geübt und verfestigt werden kann. Dementsprechend ist der zweite Schritt nach der Erkenntnis die Umsetzung in der demütigen Tat, wie der Herr gesagt hat: "An ihren Fürchten werdet ihr sie erkennen" (Mt 7,16) Je mehr Frucht wir bringen, je mehr üben wir die Demut, je mehr verinnerlichen wir sie und steigen sie immer mehr auf der Leiter hinauf, die in den Himmel führt. Doch ist es kein Prozess, der nur in die eine Richtung funktionieren würde. So wie wir mit der Hilfe Gottes hinaufsteigen können, so ist es doch viel leichter durch Selbsterhöhung wieder zu fallen und den Fortschritt in der Demut und damit in der Heiligung wieder zu verlieren. Unser ganzes Leben, mahnt uns Benedikt, ist ein solches Herauf- und Hinabsteigen auf der Leiter. Daher müssen sich unserere Bestrebungen darauf richten, durch beständige Übung im Beistand Gottes ein demütiges Herz zu erlangen. Um uns hierin eine Hilfestellung zu geben, hat Benedikt die wichtigsten Stufen, die wir besteigen sollten, dargelegt.
Bevor wir jedoch hiermit beginnen, wollen wir noch des Wortes eines alten Benediktiners bedenken, der sagte, er sei sein ganzes Leben auf dieser Leiter herumgestiegen und zahllose male sei er die gewonnene Strecke wieder herunter gefallen. Auch das sehen ist ein Zeichen der Demut. Denn es zeigt uns unsere eigene Schwäche und mahnt uns, nicht darauf zu vertrauen, dass wir die Leiter selbst hinaufsteigen könnten. Vertrauen wir also auf Gott, das er uns beisteht und am Ende unserer Tage die Leiter in den Himmel aufrichtet, auch wenn wir noch nicht ganz oben angekommen sind.

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