Sonntag, 22. Januar 2012

Demut, Ackermann und die katholische Identität

Passend zum Diskurs über die Frage, ob man den Gläubigen einen besonderen Ablass verweigern sollte, damit sich die in Trier anwesenden Protestanten nicht gestört fühlen, hat Johannes etwas über die richtige und die falsche Demut geschrieben.

Natürlich freuen wir uns, wenn ein katholischer Bischof Demut und Einsicht zeigt. Aber wir würden es bevorzugen, wenn er in diesem Rahmen sein Lehramt wahrnimmt und z.B. gewissen Personen auf ihre Wir-haben-uns-alle-Lieb-und-hassen-Dogmen-Finger klopft. Ganz väterlich natürlich.
Hingegen fällt es nicht unbedingt unter einen demütigen Sinneswandel, sich mehr für die Protestanten bzw. die Ökumene verantwortlich zu fühlen als für die eigenen Gläubigen.

Die Frage, welches Verständnis von Ablass Bischof Ackermann hat, stelle ich in diesem Zusammenhang nicht, da ich davon ausgehe, das er grundsätzlich auf dem Boden der katholischen Lehre steht, die er bestimmt besser kennt als ich.

Die Frage aber, ob er vielleicht ein allzu modernes Bild von dem hat, was katholisch sein darf, doch eher schon - wie bildhaft illustriert wurde. Denn die Heilig-Rock-Wallfahrt ist in Deutschland durch die Legende korrumpiert worden, hier hätte sich eine verschworene Gemeinschaft der Katholiken gebildet, die alles ausgrenzten, was den Papst nicht als Vizegott angebetet hätte. Natürlich ist das blanker Unsinn. Die Heilig-Rock-Wallfahrt und ihre Popularität im 19. Jh. steht im Zusammenhang mit einem allgemein sehr religiösen Jahrhundert und einem Aufschwung traditioneller Frömmigkeitsformen in der Romantik, die durch einen spezifisch katholischen Aufbruch in den 40er Jahren verstetigt wurde. Das der Protestantismus das an vielen Stellen nicht mitvollzog und auch etwas gegen Wallfahrten hatte, kann man der Kirche nicht zum Vorwurf machen. Zwar stimmt es auch, dass sich viele Katholiken während dieser Wallfahrt als Gemeinschaft erfahren haben, aber auch dagegen ist nichts zu sagen. Das sich Gemeinschaft, besonders wenn sie Minorität ist, immer gegen die Mehrheitsgesellschaft abgrenzt, ist ein normaler Prozess. Dem liegt aber kein unökumenisches Verständnis zugrunde, sondern einfach das Bedürfnis, seine eigenen Traditionen zu pflegen und Identität zu stiften.

Und hier denke ich ist des Pudels Kern. Zusammen mit dem Präses der evangelischen Kirchen bemüht sich Ackermann um die Stiftung einer neuen ökumenischen Identität. Das dabei katholische Formen auf der Strecke bleiben, nimmt er offenbar billigend in Kauf. Es darf aber gefragt werden, ob die Umwandlung des katholischen in ein ökumenisches Verständnis ein Fortschritt ist. Unsere katholische Identität verbindet uns mit einer Milliarde Menschen, während eine ökumenische Identität lediglich im deutschen Dunstkreis von Interesse wäre und keine 60 Millionen mehr berührt. Natürlich bin ich dafür, das wir mit unseren Brüdern und Schwestern gemeinsam für Christus einstehen. Aber doch zusätzlich, und nicht ersatzweise zu unserem katholischen Handeln und Denken. Natürlich freue ich mich, wenn auch Protestanten die Wallfahrt besuchen. Aber warum soll ich auf den Ablass verzichten, der doch üblich ist? Wenn der protestantische Kollege ihn nicht will, dann nimmt er ihn halt nicht wahr. Genauso wie ich spätestens beim protetanischen Abendmahl aus der Kirche gehen würde. Das geht mich nichts mehr an, dann bis später.

Darum schließe ich mich dem Aufruf der deutschen-katholischen Blogozene an:
Hochwürdigster Bischof Ackermann, überlegen sie es sich doch noch mal. Man kann auch ökumenisch sein und katholisch bleiben.

Kommentare :

  1. Oh, vielen Dank für die freundliche Erwähnung! Werde mich, frisch ermutigt, gern weiter mühen. Einen lieben Gruß hier! Jo

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  2. Diese Seite sehe ich heute zum ersten Mal und bin doch sehr verwundert.
    Soll das Gewand, was Bischof Ackermann da trägt ein Messgewand sein oder bereitet er sich gerade auf die Teilnahme an der Sitzung "Mainz bleibt Mainz - wie es singt und lacht" vor???????????

    Das sind die Mainzer Faßnachtsfaben und er wäre damit sehr passend für diese Veranstaltung gekleidet.

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