Samstag, 31. Dezember 2011

Alles ist wie immer, nur schlimmer - Ein ernster Jahresrückblick

Meine Lieben,
hinter uns liegt ein erfolgreiches Jahr 2011. Und wir freuen uns auf ein weiteres gutes Jahr. So wollen wir es in bereits guter Tradition nicht verabsäumen, das vergangene Jahr zu rekapitulieren. Leider ist die ganze Redaktion in den Weihnachtsurlaub gefahren. Daher greifen wir wie schon im letzten Jahr auf unsere beliebte Gast-Beitragsautorin Sherona zurück. Bühne frei.
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Was war das für ein Jahr?
Die Frage ist ernst gemeint. Wisst ihr noch, was 2011 alles so passiert ist? Wenn nicht, dann seid ihr genau an der richtigen Stelle. Denn heute gibts den Jahresrückblick 2011.
Zeit-Online titelt zu diesem Thema: Arabischer Frühling, Fukushima, Euro-Krise, Guttenberg-Affäre.

Fangen wir mal mit dem wichtigsten an: der Guttenberg-Affäre.
Was waren das noch für Zeiten, als wir hinter Angela Merkel, vulgo der Eisberg, eine Sonne zaghaft aufgehen sahen, die uns Hoffnung auf bessere Zeiten verhieß: Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg. Der Hoffnungsträger, der Heilsbringer, der Obama Deutschlands. Was konnten wir von ihm nicht alles erhoffen bei seinen zahllosen Qualitäten: Er sah gut aus, er hatte eine Frau, er konnte Reden, er konnte ... ja, jetzt weiss ich auch nicht mehr weiter. Aber das reicht ja auch. Denn was hat er nicht alles bewirkt: Er hat die Bundeswehr reformiert - auf dem Papier. Er hat die Probleme in der Marine rücksichtlos aufgeklärt - indem er den Kapitän rücksichtslos entließ. Und was nicht noch alles, was hier nicht aufgeführt werden muss.
Aber dann kamen dunkle Wolken über die Schlachtfelder von Ilion, als eine bösartige Kamarilla aus Journalisten und Neidern seine Achillessverse entdeckten: Seine Doktorarbeit. Nicht das mit der irgendetwas nicht in Ordnung gewesen wäre. Gut, an einigen wenigen Stellen hatte der Freiherr vergessen, die Fussnoten zu setzen. Aber das kommt ja mal vor. Doch diese Doktorfrage wurde solange von der Kanaille aufgebauscht, bis sich Guttenberg zum Wohle der Soldaten genötigt sah, zurückzutreten. Ein weiterer Hoffnungsträger Deutschlands wurde da vertrieben. Und die Welt verfiel in Dunkelheit, während wir uns mit Merkel und Westerwelle zufrieden geben mussten.

Überhaupt Westerwelle: Mr. FDP. War auch kein schönes Jahr für ihn und seine Partei. Im September 2009 lag die FDP bei 14 %, jetzt, zwei Jahre später, bei 1,4 %. Um dieses Problem zu lösen, sah sich die Partei gezwungen, einen radikalen Schnitt in der Führungsetage zu vollziehen. Deswegen wurde Westerwelle aus allen Partei- und Staatsämtern entfernt, ebenso wie Rainer Brüderle, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Dirk Niebel. Philipp Rösler, der liberale Hoffnungsträger rückte ins Außenresort auf um von dessen Popularität zu profitieren und Daniel Bahr in das Wirtschaftsministerium, während Christian Lindner als General-Sekretär die FDP neu auf bürgerlichen Kurs brachte.
Oh, einen Moment. Ich seh grade, ich übertrage das Wunschdenken eines FDP-Mitgliedes.
In Wahrheit lief das so ab: Westerwelle behielt das Außenamt, weil er dort so gute Arbeit geleistet hat, Rösler wurde Wirtschaftsminister weil Brüderle weinselig Wahrheiten ausplauderte und Bahr bekam das Gesundheitsministerium, was gleichbedeutend ist mit einer Abschussrampe auf den politischen Mond. Mitlerweile ist Lindner zurückgetreten um durch einen Fahrerflüchtigen ersetzt zu werden während Brüderle schon mal die Rolle des Hoffnungsträger übt.

Überhaupt war ja Hoffnung das Thema des Jahres. Überall in der Welt standen die geknechteten Völker auf, um ihre Tyrannen zu stürzen. Ok, in Deutschland nicht, aber dafür wenigstens in der arabischen Welt. In Tunesien, in Ägypten, in Lybien und momentan in Syrien. In Tunesien hat es jetzt sogar freie Wahlen gegeben, was es noch nie gab, seit die Franzosen abgezogen sind - und davor auch nicht, aber das ist ja egal. In Ägypten hat das Volk auf dem Tahir-Platz einen Militär-Diktator gestürzt, um jetzt von einem Militärrat regiert zu werden. Und in Lybien sind sie Gadaffi los geworden. Gut, das hat ein wenig gedauert und die Zivilisten mussten von der Nato beschützt werden, während man meinen könnte, jetzt gibt es in ganz Lybien keinen einzigen Zivilisten mehr bei den ganzen Schieseisen, die jedermann mit sich herum trägt. Aber immerhin ist der gefährliche komische Irre jetzt weg und wir dürfen erwarten, das er bald durch mehrere gefährliche komische Irre ersetzt wird. Nur Syrien ist ein trauriges Kapitel. Da will der momentane Machthaber einfach nicht seinen Sessel räumen und gibt den Kartäschten-Prinz.

Ach ja, Kim-Jong-Il ist tod. Ihr wisst schon, der Große Führer von Nord-Korea. Der Held der Arbeiterklasse. Das Genie unter den Genies. Der alles kann außer mit dem Flugzeug fliegen. Passenderweise ist er in einem Zug gestorben, während er sein Land inspizierte oder wie man es in der Kim-Familie scherzhaft nennt: Lagerrundgang. Mitlerweile ist sein Sohn Kim-Jong-Un auf seinen Posten aufgerückt, wobei man ihn aus Mangel an Jahren wohl erstmal nur den Geliebten Führer nennen wird. Nicht das es ihm zu Kopf steigt, mit Ende 20 ein paar Millionen Menschen zu knechten .... ähhm zu führen.

Doch genug von größenwahnsinnigen Asiaten. Kommen wir zu größenwahnsinnigen Europäern. Europa muss vor den Finanzmärkten gerettet werden. Und niemand ist so geeignet den Dampfer Europa vor dem Absaufen zu beschützen wie unsere Angie "der Eisberg" Merkel. Natürlich zusammen mit Nicolas "die ruhige Hand" Sarcozy. Beiden zusammen ist es endlich gelungen, eines der Kernziele Europas zu verwirklichen: Wir sind die Briten los. Die ollen fish-and-ships-Fresser haben doch eh nur gestört. Jetzt können wir endlich unser Europa verwirklichen. Mit Schuldenbremse, Kontrolle der Finanzinstiute und ohne Euro-Bonds. Wenn ich das noch richtig sehe. Ich muss mal auf den Life-Ticker des Kanzleramts gucken ob das noch stimmt.

Stichwort Life-Ticker. Es war ja auch dieses Jahr Fussballweltmeisterschaft in Deutschland. Also, Frauen-Fussball-Weltmeisterschaft. Darf man das überhaupt noch sagen, also das mit den Frauen? Immerhin spielen sie ja genausogut wie die Männer und haben auch genauso hohe Einschaltquoten und genauso volle Stadien und genauso viel unverdientes Geld. Gut, die Deutsche Mannschaft hat nicht gewonnen. Dafür aber die Japaner. Und denen gönnen wir es nun wirklich.

Denn was hat dieses arme Inselvolk in diesem Jahr nicht alles durchmachen müssen. Von Claudia Roth wurden sie als Beispiel benutzt, wie man es nicht macht. Das hat doch keiner verdient. Nur weil ein einziges Atomkraftwerk fast in die Luft geflogen wäre. Dabei ist das ja nur die halbe Katastrophe gewesen. Ein gewalter Tsunami hat das Land überschwemmt und das Kraftwerk erst zerstört. Aber redet irgend jemand davon? Nein, denn wen interessiert sich schon für Tsunamis, wenn man in Deutschland Atom-Kraftwerke abschalten und Landesregierungen aus dem Amt jagen muss. Da ist eine gewisse selektive Wahrnehmung eben nötig. Man kann dem Bürger ja nicht alles zumuten. So hält sich nach wie in Stuttgart das Gerücht, es habe einen Volksentscheid zum Thema Bahnhof gegeben. Auf Nachfrage bei den zuständigen Bügern, vulgo Stuttgart-21-Gegner, erhielten wir die Antwort: Das sei nicht bindend und demokratisch schon gar nicht, es wurden ja auch Leute mit anderer Meinung gefragt.

So, gab es in diesem Jahr noch was interessantes? Ach ja, der Papst war da. Anders als viele Bundestagsabgeordnete, die waren auf einmal weg. Als Katholikin finde ich es natürlich gut, das der Hl. Vater schon Kraft seiner schieren Präsenz exorzierend wirkt. Überhaupt wurden ja durch diese Visite die Massen bewegt. Also nicht die paar Protest-Hansels, die Hexen-sit-ins vor der Nuntiatur veranstalteten. Sondern die Massen an Katholiken, die dem Papst entgegenströmten. Immerhin ist der Papst der einzige Mann in weiss, der hunderttausende Menschen zu sich ziehen kann. Außer ihm hat das in weiss nur Kate Middleton geschafft. Und die war dabei auch in der Kirche.

Und heute, heute feiern wir Silvester. Der war auch ein Papst. In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Feststag des Hl. Silvester und ein fröhliches Neujahr oder für uns Katholiken Fest der Mutterschaft Mariens, eure

Sherona
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Die Autorin ist Studentin an der Freien Universität Cureyn-Karstein und hat der Redaktion Plätzchen mitgebracht.

Freitag, 30. Dezember 2011

Der geistliche Kampf

Heute möchte ich eines meiner liebsten Bücher vorstellen:

"Der geistliche Kampf" von Lorenzo Scupoli.

Zunächst einmal zum Autor:

Lorenzo Scupoli wurde 1530 als Francesco Scupoli bei Neapel geboren. Erst mit 40 Jahren trat er nach einer Begegnung mit dem später heiliggesprochenen Andreas Avellino in den Theatinerorden ein. Dort wurde er zum Priester geweiht und wirkte einige Jahre segensreich in Nord- und Mittelitalien. Doch nachdem schwere und vermutlich unzutreffende Anschuldigungen gegen ihn erhoben wurden, beschloss die Ordensleitung, ihn in den Laienstand zurückzuversetzen. Für die nächsten 25 Jahre lebte und diente der Laienbruder Lorenzo in verschiedenen Ordensniederlassungen.

Der geistliche Kampf ist wesentlich in der schlimmsten Phase seines Lebens entstanden, in der Zeit seiner Laisierung. Ursprünglich richtete sich das Werk nicht an ein Publikum, sondern sind Aufzeichnungen des Autors an sich selber. Gerade aus diesem Umstand entsteht der zutiefst persönliche und offene Charakter des Buches, das nichts beschönigt oder umschreibt, sondern die Probleme klar und präzise auf den Punkt bringt.

Doch sollt ihr euch nicht nur auf meine Meinung stützen. Auch viele prominente Personen der Kirche haben sich ausgesprochen positiv zu Scupolis Werk geäußert, das im Laufe der Zeit 500 Auflagen in duzenden Sprachen erfahren hat. Der prominteste unter ihnen ist der Hl. Franz von Sales: "Lesen sie immer wieder den Geistlichen Kampf; das soll ihr Lieblingsbuch sein, es ist klar und ganz durchführbar."

Einen Standpunkt, dem ich mich nur anschließen kann. Nun werden viele von euch vielleicht auf die Nachfolge Christi von Thomas von Kempen verweisen, das sogar noch beliebter ist und auch heute noch bekannter ist. Ich selbst finde Scupolis Werk zumindest für den Einstieg jedoch besser und auch geeigneter für die Askesis, der Übung in den geistlichen Dingen. Kempens Werk hingegen enthält viele Perlen, doch eignet es sich zumindest aus meiner Sicht eher für Fortgeschrittene und als Nachschlagewerk für bestimmte Fragen. Gerade seine Sakramentenlehre im letzten Teil ist hier zu nennen, die bei Scupoli in dieser Form fehlt. Wer also schon Kempen hat, der wird trotzdem viel Gutes in verdichteter Weise bei Scupoli finden. Ein ideales Buch, um es wie der Hl. Franz stets mit sich zu führen.  

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Mal was neues aus dem Senderwald

Ihr kennt das sicher. Wenn man auf Digital umgeschaltet hat, dann fragt euch euer Fernseher in regelmäßigen Abständen, ob ihr ein Programm-Update wollt, was bedeutet, dass zu den 460 ungenutzten Programmen von 470 nochmal 20 hinzukommen. Deswegen sage ich denn auch meistens Nein. Diesmal aber habe ich mal zugestimmt und war überrascht, als er mir im ersten Punkt EWTN ausgespuckt hat, was sich als ein katholischer Fernsehsender herausgestellt hat. Den gibt es offenbar schon lange in den USA und seit einiger Zeit auch in Deutschland - von mir unbemerkt. Und die haben auch ein schönes Programm.

Daher hier der Link zur Internet-Seite: http://www.ewtn.de/

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Die Flucht nach Ägypten und der geistliche Weg

Da es heute schon viele gute Beiträge zum Fest der Unschuldigen Kinder gibt, will ich darauf verzichten, dem eine weitere hinzuzfügen.
Vielmehr will ich auf eine Stelle in der heutigen Lesung und eine Interpretation hinweisen, die ich sehr interessant finde - und auf die ich nie gekommen wäre:

Mt 2,14:
Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.
Hierzu schreibt der Hl. Johannes Chyrsostomos:
Beachte, wie der Tyrann schon bei seiner Geburt zu wüten beginnt, so daß die Mutter mit dem Kind in eine fremde Gegend vertrieben wird. Wenn du also am Beginn deines geistlichen Weges auf Widerstand stößt, dann laß dich dadurch nicht verwirren, und ertrage alles tapfer, indem auf dieses Beispiel blickst.
Quelle: http://www.catena-aurea.de/ljassinno.html

Beiträge zum heutigen Fest (kein Anspruch auf Vollständigkeit):
http://bellfrell.blogspot.com/2011/12/unschuldige-kinder.html
http://frischer-wind.blogspot.com/2011/12/unschuldige-kinder.html
http://predigtgarten.blogspot.com/2011/12/unschuldige-kinder-hatte-herodes-seine.html
http://blog.derherralipius.com/2011/12/aus-dem-mund-der-kinder-und-sauglinge.html

Die seelige Anschauung Gottes und die Bibel

Neulich unterhielt ich mich mit einem befreundeten Christen über die Frage, ob man gewisse katholische Lehren wie das Fegefeuer bzw. den Eingang der Heiligen in die seelige Anschauung Gottes vor dem Jüngsten Gericht denn aus der Bibel nachweisen könnte. Ich fand das eine ganz interessante Frage, wenngleich ich die Grundprämisse des Gegenübers, das irgendetwas explizit in der Bibel stehen muss, damit es geglaubt werden darf, natürlich nicht teile. Dessen ungeachtet gibt es durchaus Stellen, die uns darauf hinweisen, das der Glaube an einen Reinigungsort und an die Heiligen zum authentischen Glaubensgut gehörte, das bereits von Christus durch die Apostel auf uns gekommen ist. Da ich zu diesem Thema bisher wenig im Internet gefunden habe, so sollen an dieser Stelle einige Bibelstellen zum Thema aufgeführt werden.

Mit der Frage das Thema eines persönlichen Gerichtes verbunden, weshalb wir an dieser Stelle die Fragestellung aufsplitten werden:
1. gibt es ein persönliches Gericht noch vor der Wiederkunft Christi?
2. können Personen im Rahmen dieses Gerichtes in den Himmel bzw. in das Purgatorium gelangen?

Beginnen wir mit Frage 1:

Weis 1,7f: Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis und er, der alles zusammenhält, kennt jeden Laut. Darum bleibt keiner verborgen, der Böses redet, das Strafurteil geht nicht an ihm vorüber.

Lk 16,22-26: Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden.

Apg 1,25: Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war.

Röm 14,9-12: Wie kannst also du deinen Bruder richten? Und du, wie kannst du deinen Bruder verachten? Wir werden doch alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen. Denn es heißt in der Schrift: So wahr ich lebe, spricht der Herr, vor mir wird jedes Knie sich beugen und jede Zunge wird Gott preisen. Also wird jeder von uns vor Gott Rechenschaft über sich selbst ablegen.

2 Kor 5,10: Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.

Kommen wir nun zur Frage 2:

Ps 49,16: Doch Gott wird mich loskaufen aus dem Reich des Todes, ja, er nimmt mich auf.

Weis 3,1: Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand und keine Qual kann sie berühren.

Weis 4,7: Der Gerechte aber, kommt auch sein Ende früh, geht in Gottes Ruhe ein.

Weis 5,15f: Die Gerechten aber leben in Ewigkeit, der Herr belohnt sie, der Höchste sorgt für sie.
Darum werden sie aus der Hand des Herrn das Reich der Herrlichkeit empfangen und die Krone der Schönheit.

2. Makkabäer 12,44f: „Hätte er [Judas] … nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten. Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden.“

Mt 5,12: Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Mt 19,29: Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.

Mt 25,36: Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Joh 5,24: Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.

Joh 10,28: Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.

Röm 2,6ff: Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen: denen, die beharrlich Gutes tun und Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, gibt er ewiges Leben, denen aber, die selbstsüchtig nicht der Wahrheit, sondern der Ungerechtigkeit gehorchen, widerfährt Zorn und Grimm.

1. Kor 13,12: Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.

2. Kor 5,1: Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.

2. Kor 12,2ff: Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es. Und ich weiß, dass dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann.

1 Kor 3,10-15: Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.

Mt 5,25f: Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Kommentar des Hrabanus zu Mt 11,29

Mt 11,29
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Hierzu schreibt Hrabanus Maurus (784-856):
"Wir müssen also von unserem Erlöser lernen, mild in unseren Handeln und demütig im Geiste zu sein, niemanden zu beleidigen, niemanden gering zu schätzen und die Tugenden, die wir nach außen hin in unserem Handeln zeigen, auch innen im Herzen zu behalten."
 Quelle: http://www.catena-aurea.de/ljapann14.html

Die Bibel und die Demut

Mir ist aufgefallen, dass ich schon seit längerer Zeit nichts mehr zum Titelthema meines Blogs geschrieben habe. Und mir ist auch aufgefallen, dass ich bisher noch nichts darüber geschrieben habe, wo die Bibel etwas über Demut schreibt. Dieses Versäumnis soll nun nachgeholt werden.

Epheser 4,2: Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe.

Kolosser 2,18: Niemand soll euch verachten, der sich in scheinbarer Demut auf die Verehrung beruft, die er den Engeln erweist, der mit Visionen prahlt und sich ohne Grund nach weltlicher Art wichtig macht.

Kolosser 2,23: Man sagt zwar, in ihnen liege Weisheit, es sei ein besonderer Kult, ein Zeichen von Demut, seinen Körper zu kasteien. Doch es bringt keine Ehre ein, sondern befriedigt nur die irdische Eitelkeit.

Kolosser 3,12f: Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

Apg 20,19: ... und wie ich dem Herrn in aller Demut diente unter Tränen und vielen Prüfungen, die ich durch die Nachstellungen der Juden erlitten habe ...

Philipper 2,3: Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst.

1. Petrus 5,5f: Sodann, ihr Jüngeren: ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist.

Mt 11,29: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Montag, 26. Dezember 2011

Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!

Heute begehen wir nicht nur den 2. Weihnachtsfeiertag, sondern auch den Tag des Erzmärtyrers Stephanus. Hierzu eine kurze Lebenbeschreibung des Heiligen, entnommen aus dem ökumenischen Heiligenlexikon:
"Stephanus war der erste von sieben Diakonen der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem; diese Diakone waren von den Aposteln durch Handauflegung geweiht worden, nachdem in der Gemeinde ein Konflikt zwischen Mitgliedern mit griechischem Hintergrund und solchen mit traditionell jüdischem aufgetreten war um die Frage der Versorgung von Witwen. Diakone waren nun zugleich für die Glaubensverkündigung zuständig wie auch für die sozialen Belange der Gemeinde und hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutsamkeit nahe an die Apostel heranreichten. Stephanus war ein Mann voll Gande und Kraft, tat große Wunder und Zeichen unter dem Volke. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den hellenistischen Juden in Jerusalem in Konflikt. Sie brachten ihn unter dem Vorwurf der Reden wider die heiligen Stätten und das Gesetz mit falschen Zeugen vor den Hohen Rat (Apostelgeschichte 6, 9 - 15). Er durfte seine Verteidigungsrede, in der er seinen christlichen Glauben bekannte und den Vorwurf des Prophetenmordes und der Nichtbeachtung der durch == Mose überbrachten Gebote erhob, nicht zu Ende führen. Die Richter sahen sein Antlitz wie das eines Engels strahlen, hielten sich aber die Ohren zu vor seiner flammenden Verteidigungsrede, mit der er sein Bekenntnis ablegte. Die in Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde am Ende seiner Rede die Vision zuteil, wie Jesus zur Rechten Gottes steht; als er dies mitteilte, wurde er als Gotteslästerer empört umringt und von der aufgebrachten Menge vor den Stadttoren - nach der Überlieferung beim Damaskus-Tor - gesteinigt. Er sah den Himmel offen, kniete im Gebet nieder, vergab seinen Peinigern und starb. Saulus von Tarsus, der spätere Paulus, stimmte nach eigenem Bekunden der Hinrichtung zu und bewachte die Kleider der Zeugen, die gegen Stephanus ausgesagt hatten. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem."
Nun möchte ich an dieser Stelle nicht über Stepahnus als Beispiel für das Martyrium sprechen, das auch heute noch zahlreiche Christen erleiden und wie es gerade vor kurzem in Nigeria wieder geschehen ist. Ein paar Beiträge hierzu hat Frischer Wind dankbarer Weise zusammengetragen.

Ich möchte mich vielmehr mit der Frage beschäftigen, wie er mit seinem Martyrium umgegangen ist. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer jungen Christin. Sie war der Meinung, sie sei erlöst, weil sie das halt weiss und weil sich das in ihrem Leben wiederspiegeln würde. Meine Antwort war, eine solche Beweisführung setze den letzten Schritt voraus, nämlich die Ganzhingabe im Martyrium für Christus. Ihre Antwort war, dass sie im Bedarfsfall sich freudig dafür entscheiden würde. Na ich weiss ja nicht. Ich kann sie gut leiden und will sie nicht schlecht machen. Aber ich persönlich wäre für mich eher vorsichtig mit einer solchen Aussage. Denn christliches Sterben ist ja nicht nur das bereitwillige Sterben für Christus, was ja schon schwer genug ist. Sondern es ist auch das Sterben im Frieden mit seinen Feinden. Unrecht nicht nur erdulden, sondern über das Unrecht die Liebe zum Nächsten, auch zum Gegner nicht zu vergessen. Der Heilige Stepahnus hat uns hier ein eindrucksvolles Beispiel gegeben, als er während seiner Steinigung aufblickte mit den Worten: "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!" (Apg 7,60) Damit setzt Stepahnus noch einen drauf. Nicht nur das er das Martyrium bereitwillig erleidet, nicht nur das er seinen Mördern nicht gram ist, sondern das er sie auch noch so weit liebt, dass er Gott bittet, er möge ihnen seine Ermordung nicht als Sünde, als Todsünde anrechnen. Noch im Sterben verzehrt sich Stephanus für das Seelenheil der anderen, für das Seelenheil seiner Mörder sogar.

Wie weit ist das von unserer, von meiner Wirklichkeit entfernt. Schon kleine Probleme, durch einen anderen verursacht, nehmen mich gegen den Verursacher ein. Das muss nicht viel sein, das muss auch nicht lange dauern, aber in den Moment habe ich ein gewisses Missfallen gegen den anderen. Nun kann man das nicht vergleichen. Aber wie kann ich sagen, dass ich im Moment meines Todes, während Steine auf mich fliegen, den Werfern vergeben kann, für sie um Gnade flehen kann, wenn ich schon nicht in der Lage bin, einen vor mir dahinschleichenden Autofahrer im Moment der Behinderung zu lieben? Sicher, möglich ist es. Und wahrscheinlich komme ich nicht in die Verlegenheit. Aber sollte ich mich nicht darauf vorbereiten? Ein Christ zu sein, das übt sich auch schon im Kleinen, im Alltäglichen.

Ich finde, Stephanus eignet sich hervorragend, um mit ihm Vorsätze für's neue Jahr zu überlegen. Vielleicht indem man sich vornimmt, ein wenig mehr wie Stephanus zu werden. Wir heutigen Europäer haben noch das Glück - oder das Pech - kein Martyrium im großen erleiden zu müssen. Wir müssen uns mit kleinen Dingen zufrieden geben. Mut haben, zu Christus zu stehen und auch für die zu bitten, die uns nicht verstehen oder die uns lästig sind. Sich in Nächstenliebe üben. Nicht nett sein. Sondern wirklich die Übung, im Anderen, im Nächsten, im Lästigen den zu sehen, der unserer Liebe, unseres Gebetes bedarf und diese Liebe, dieses Gebet schenken wollen, auch und gerade, wenn es uns nicht passt. Ich halte das schon für schwer. Aber ich halte es auch für wert, hierfür zu bitten.

Hl. Stephanus bitte für uns, dass wir die Kraft finden, deinem Beispiel nachzufolgen und unsere Feinde zu lieben und für sie zu beten.
Der Hl. Papst Leo der Große über die Geburt Jesu Christi
"Da also, Geliebteste, die göttliche Güte aus offensichtlicher Barmherzigkeit so reichen Segen über uns ausgegossen hat, denen für ihre Berufung zum ewigen Leben nicht allein die erbaulichen Beispiele derer, die vor uns waren, zustatten kamen, sondern auch die Wahrheit selbst sichtbar und leibhaftig erschienen ist, so darf unsere Freude, womit wir den Geburtstag des Herrn feiern, weder lässig noch fleischlich sein. Von einem jeden wird dieses Fest in würdiger und gewissenhafter Weise begangen werden, wenn er sich vergegenwärtigt, welchen Leibes Glied er ist, zu welchem Haupte er gehört, damit er nicht als ein für den heiligen Bau ungeeigneter Stein ausgeschieden wird. Beachtet es, Geliebteste, und richtet gemäß der Erleuchtung des Heiligen Geistes verständigen Sinnes euere Aufmerksamkeit darauf, wer jener ist, der uns in sich aufnahm, und wer jener ist, den wir in uns aufgenommen haben! Wie der Herr Jesus durch seine Geburt unser Fleisch geworden, so wurden auch wir durch die Wiedergeburt sein Leib. Darum sind wir auch "Glieder Christi" und ein "Tempel des Heiligen Geistes". Aus diesem Grunde sagt auch der selige Apostel: "Verherrlichet und traget Gott in euerem Leibe!". Er, der uns das Vorbild seiner Milde und Demut ans Herz legt, erfüllt uns auch mit derselben Kraft, durch die er uns erlöste. So verspricht der Herr selbst: "Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken! Nehmet mein Joch auf euch und lernet von mir: denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen, und ihr werdet Ruhe finden für euere Seelen!"Laßt und also das weder schwere noch harte Joch der uns leitenden Wahrheit auf uns nehmen! Laßt uns der Demut dessen ähnlich sein, dessen Herrlichkeit wir teilen wollen! Gerade der aber möge uns beistehen und uns seine Verheißungen erreichen lassen, der nach seiner großen Barmherzigkeit dazu imstande ist, unsere Sünden zu tilgen und seine Gaben in uns zur Vollendung zu bringen: Jesus Christus, unser Herr, der lebt und waltet in Ewigkeit! Amen." 
"Um also diese Fessel der Sünde und des Todes zu lösen, nahm der allmächtige Sohn Gottes, der alles erfüllt und alles in sich schließt, der in allem dem Vater ebenbürtig ist und in ein und derselben Wesenheit aus ihm und mit ihm gleich ewig ist, die menschliche Natur in sich auf. Es würdigte sich der Schöpfer und Herr aller Dinge, einer der Sterblichen zu werden, indem er sich jene zur Mutter erkor, die er erschaffen hatte. Diese sollte unter Wahrung ihrer jungfräulichen Keuschheit nur die Geberin seines Leibes sein, auf daß die Befleckung durch menschlichen Samen wegfiele und so der neue Mensch rein und wahr zugleich wäre. So ist also diese Natur in Christus, der aus dem Schoße einer Jungfrau geboren wurde, nicht etwa deshalb von uns verschieden, weil seine Geburt ein Wunder ist. Ist ja doch derjenige, der wahrer Gott ist, zugleich auch wahrer Mensch; findet sich doch in beiden Naturen nicht das geringste Falsche . "Das Wort ist Fleisch geworden", indem das Fleisch geehrt, nicht aber die Gottheit selbst versehrt wurde. Diese brachte ihre Macht und Güte in der Weise in Einklang, daß sie das Unsrige durch seine Annahme auf eine höhere Stufe hob und das Ihrige nicht dadurch preisgab, daß sie daran Anteil gewährte. Bei dieser Geburt Christi "entsprang", gemäß der Prophezeiung Davids, "die Wahrheit aus der Erde und schaute die Gerechtigkeit vom Himmel herab". Bei dieser Geburt ging auch das Wort des Isaias in Erfüllung, der da ausruft: "Die Erde bringe uns den Heiland und lasse ihn hervorsprießen, und Gerechtigkeit entspringe zugleich!". Brachte doch die Erde des menschliches Fleisches, die in dem ersten Übertreter verflucht worden war,nur damals als die selige Jungfrau gebar, einen gesegneten, von der Stammessünde freien Sproß hervor. Einem jeden wird solch geistige Geburt zuteil, wenn er wiedergeboren wird. Und für jeden Menschen, der die Wiedergeburt erlangt, ist das Wasser der Taufe gleich jenem jungfräulichen Schoße, da derselbe Heilige Geist, der die Jungfrau befruchtete, auch den Taufquell wirksam mache, so daß die Sünde, welche dort durch heilige Empfängnis ferngehalten wurde, hier durch mystische Reinigung getilgt wird."
Quellen:
Bibliothek der Kirchenväter, Leo I.
Sermo XXIII. 3. Predigt auf Weihnachten. http://www.unifr.ch/bkv/kapitel319-4.htm-Geburt££Christi
Sermo XXIV. 4. Predigt auf Weihnachten.http://www.unifr.ch/bkv/kapitel320-2.htm-Geburt££Christi

Sonntag, 25. Dezember 2011

Neue Krippe im Limburger Dom

Neulich kam ich in den Limburger Dom. Von der Sakristei aus. Ich prozessiere also mit meinem Turibel durch das Seitenschiff und auf einmal wird das so schrecklich eng. Ich denk mir noch, wer hat denn da die riesen Platte hingelegt. Und da merk ich "Ach, das ist die neue Krippe"
Wir haben in Limburg nämlich jetzt keine gewöhnliche Krippe mehr, sondern eine Stationskrippe.
Was eine tolle Idee ist. Anstatt nur einen Stall mit ein paar Figuren gibt es jetzt eine größere Fläche, auf der umgebaut werden kann, um einzelne Stationen der Weihnachtsgeschichte bildhaft darzustellen. Besonders für Kinder ist das sehr interessant. Aber auch für Erwachsene hat es durchaus was Spannendes.

Momentan laufen wir noch auf Sparflamme, weshalb es diesmal erst fünf Stationen gibt: Verkündigung des Herrn, die Herbergssuche, die Geburt, die heiligen drei Könige und die Flucht nach Ägypten. Aber wenn die Sache voll ausgreift ist, dann wird es neun Stationen geben, die über die Advents- und Weihnachtszeit laufen werden: 1. Advent: Johannes in der Wüste. 8. Dezember:  Verkündigung der Geburt Christi. 3. Advent:  Besuch Marias bei Elisabeth. 17. Dezember: Herbergssuche.  Weihnachten: die Heilige Familie im Stall zu Bethlehem. 2. Weihnachtsfeiertag: Konzert der Engel vor den Hirten auf dem Felde. 6. Januar: heiligen drei Könige. Mitte Januar: Flucht nach Ägypten. 2. Februar die Darstellung des Herrn.

Hierzu der Bischof von Limburg und Familienbischof der deutschen Bischofskonferenz Tebartz-van Elst: „Die neue Krippe will die biblische Welt in unsere Welt holen ... Mir ist es sehr wichtig immer wieder Kinder und Eltern an die Krippe einzuladen und mit ihnen über die Geschichten und über den Glauben ins Gespräch zu kommen ... Ich wünsche mir, dass die Geschichten, die unsere Krippe hier im Dom erzählt, in den Familien zuhause weitergehen"

Und ich darf hinzufügen: Ein weiterer guter Grund, mal den Limburger Dom zu besuchen.

Zitat entnommen aus:
http://www.bistumlimburg.de/index.php?persongroup=&_1=328969&_0=15
Passend zum Thema:
http://www.bistumlimburg.de/index.php?_1=330301&_0=15&sid=e6846f5a464bdef86808d515b738d653
Bilder der Entstehung der Krippe:
http://www.holzschnitzerei-klucker.de/-krippelimburg-.html

Frohe Weihnachten



Frohe Weihnachten

Samstag, 24. Dezember 2011

Benedikt XVI. zu Weihnachten


Weihnachten besagt […] in alle unsere Zweifel und Verstörtheiten hinein: Gott ist. Nicht als irgendeine unendlich ferne Macht, die uns höchstens erschrecken kann; nicht als der tiefe Grund des Seins, der nicht um sich selber weiß. Er ist so, dass er sich um uns zu kümmern vermag und dass alles, was wir sind und tun, unter seinen Augen steht. Unter Augen, die Augen der Liebe sind. Wer dies im Glauben annimmt und im Glauben weiß, für den gibt es keine letzte Einsamkeit mehr.
Er ist da.
Das Licht, das ein Mensch in der Geschichte und für die Geschichte geworden ist, ist kein ohnmächtiger Zufall, sondern Licht vom Licht. Die Hoffnung und die Ermutigung, die von diesem Licht ausgehen, erhalten dadurch eine ganz andere Tiefe. Aber eben weil es eine ganz göttliche Hoffnung ist, dürfen und sollen wir sie auch als eine ganz menschliche Hoffnung annehmen und weitertragen. Weihnachten feiern heißt von hier aus: ein Fest annehmen, das wir nicht selbst gemacht haben, sondern das uns von Gott geschenkt ist. Das unterscheidet die kirchlichen Feste grundlegend von bloßer Freizeit, von aller selbstgemachten Unterhaltung. Die Wirklichkeit von Weihnachten ist da, auch wenn wir sie selbst nicht wahrnehmen, auch wenn wir sie selbst nicht suchen. Sie ist uns ein für alle Mal geschenkt in der Geburt des Kindes, in dem Gott zu einem der Unsrigen werden wollte. An Weihnachten sind wir vor allen Gaben, die wir selber geben, immer schon vorweg die Beschenkten. Darin mit gründet das Erlösende eines solchen Tages, wenn er recht verstanden wird: dass uns gegeben wird, was keiner von uns selbst gemacht und ersonnen hat. Dass wir wissen, dass unserer schon im Voraus gedacht ist und wir nur hineinzugehen brauchen in das offene Licht eines Festes, das uns erwartet und uns gewiss macht, dass der Kreis unserer Taten nicht die einzige Wirklichkeit ist, die es gibt. Scheuen wir uns doch nicht, uns das gefallen zu lassen. Darin unverkrampft froh zu werden und so weitergeben zu können, was die Menschheit vorab und mehr als alles andere braucht: das Frohsein von innen her, das löst und erlöst und allen anderen Gaben erst ihren Sinn, ihren rechten Zusammenhang gewährt.

Quelle: http://www.dbk-shop.de/media/files/DBK_5248.pdf, S. 144f.

Freitag, 23. Dezember 2011

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Bilder mit Jesuskind

Weil Weihnachten vor der Tür steht noch ein paar schöne Bilder zum Thema






Hurra, die Kirche wird untergehn!

Heute las ich einen Artikel einer links-liberalen Zeitung, in der diese sich äußerst zufrieden mit der Beobachtung zeigt, dass die Zahl der katholischen Theologen und besonders die Zahl der Seminaristen in Deutschland stetig sinkt. Da immer weniger Priester geweiht werden, hofft sie, dass man den Klerikalismus der Kirche aus Mangel an Priestern schon bald loswerden würde. Dann ginge entweder die Kirche unter oder aber sie würde sich für neue Ideen öffnen und endlich bürgerlich-konform werden.

Nun werdet ihr mich fragen, was an dieser Beobachtung nun neu ist?
Gar nichts. Denn der Zeitungsartikel ist vom 17. Mai 1873.

Den Untergang der Kirche rief die Frankfurter Zeitung damals aus, weil im Erzbistum Freiburg 1872 "nur" 19 Priester geweiht wurden. Da können wir heute nur von Träumen. Allerdings nahm die Zahl seit den 80er Jahren in Freiburg auch wieder drastisch zu. Ergebnis der Geschichtswissenschaft: Nach erfolgreicher Ultramontanisierung des Klerus und der Priesterausbildung konnte das Erzbistum Freiburg nach dem Kulturkampf wieder seine früheren Zahlen erreichen. Nun wiederholt sich Geschichte ja nicht. Aber man könnte ja doch mal darüber nachdenken, ob die Kirchen und Seminare jemals voller wurden, wenn ich den Leuten habe alles durchgehen lassen oder wenn ich sie zu mehr Heiligkeit ermahnt und die Regeln strenger gestaltet habe.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Ist die Bibel allein und ausschließlich das Maß des Glaubens?

Einige von uns haben vielleicht das Vergnügen - keine Ironie - auch mit überzeugten Christen aus anderen Gemeinschaften öfters ins Gespräch zu kommen. Sollte das nicht der Fall sein, so will ich an dieser Stelle mal ganz ökumenisch dafür werben. Ich finde es immer sehr erhellend, sich mit Menschen zu unterhalten, die eine dezidiert andere Meinung über die Glaubenslehren haben, mit denen man aber den Kern, das Christus wahrer Gott und wahrer Mensch und unser Erlöser ist, teilt. Man lernt auch seinen eigenen katholischen Glauben viel besser kennen, wenn man nicht immer nur über Zölibat und Frauenpriestertum diskutieren muss, denn dafür interessieren sich überzeugte Christen wenig. Aber natürlich kommt man immer schnell an ein Ende, wenn sich die geliebten Brüder und Schwestern an ihre Bibel klammern und erklären, dass alleine sei wichtig und alles andere könne getrost auf den Kerichthaufen. Ich habe mich in diesem Zusammenhang einmal gefragt, ob diese Meinung wirklich in der Bibel stände. Und schau dar, tut sie nicht. Daher für alle, die die Freude solcher Bekannte zu haben oder sich welche zulegen möchten, hier mein kleiner Beitrag zum Thema: die Bibel allein.
Alle, die es wirklich schaffen, sich durch den Beitrag zu mühen - Dank und Respekt - seien an dieser Stelle gebeten, mich über Kommentar auf eventuelle Fehler oder auf Verbesserungsvorschläge hinzuweisen.

Frage:
Ist die Bibel allein und ausschließlich das Maß des Glaubens oder gibt es noch weitere Quellen, aus denen die Kirche und mit ihr ihre Glieder schöpfen können?
Antwort I:
Ja, die Bibel ist alleine und ausschließliches Maß des Glaubens, denn:
1.         der Evangelist warnt davor, den Überlieferungen zu trauen, die dazu verführen, die Schrift zu übertreten, wenn er schreibt: „Warum übertretet ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung Willen? … ihr habt so das Gebot Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen.“[1]; Auch lehrt der Apostel Paulus: „Und aus eurer eigenen Mitte werde Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her.“[2]
2.         Und Johannes wird sogar noch deutlicher, wenn er schreibt: „Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind.“[3], was von Paulus bestätigt wird, wenn er schreibt „Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas entgegen dem verkündigen, was wir euch als Evangelium verkündet haben: er sei verflucht!“[4]
3.         Hingegen versichert der Herr selbst: „Wenn ihr in Meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.“[5] und „Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist. Der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.“[6]
4.         Zum Glaubensgehorsam gegenüber der Schrift werden durch den Apostel alle Christen verpflichtet, wenn er lehrt: „„… die Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war, jetzt aber offenbart und durch prophetische Schriften nach dem Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen bekanntgemacht worden ist.“[7]
5.         Zudem schreibt er, über die Notwendigkeit und den Nutzen dieses Gehorsams: „… die heiligen Schriften … die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur  Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.“[8]
Erwiderung:
Andererseits lehrt der Apostel: „Ich lobe aber euch, dass ihr in allem meiner gedenkt und die Überlieferung, wie ich sie euch überliefert habe, festhaltet.“[9] Und „Also nun, Brüder, steht fest und haltet die Überlieferung, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch Wort oder durch unseren Brief.“[10] Paulus spricht hier also durchaus von einer Überlieferung, worunter jedoch nicht die Schrift bzw. ihre Vorformen originär verstanden werden kann, da der Apostel im Thessalonikerbrief eindeutig zwischen seinen Briefen unterscheidet, die uns heute noch wenigstens teilweise zugänglich sind und dem Wort, also seinen Predigten, die nicht schriftlich auf uns gekommen sind. Durch diese Differenzierung, die uns auch im Korintherbrief begegnet, verleiht Paulus auch dem nicht-geschriebenen Inhalte der Lehre der Apostel Autorität.
Antwort II:
Die durch Paulus vorgetragenen Forderungen, nicht nur der Schrift, sondern auch der bzw. seiner Überlieferung zu vertrauen, sind auf zweierlei Weise zu interpretieren: Zum einen in Bezug auf die Zeit, in die die Briefe hineingeschrieben sind, zum anderen in Bezug auf die ganze Kirche.
Zum einen kann man natürlich sagen, dass die Überlieferung des Apostels einen anderen Charakter hat als die Überlieferung, die die Kirche heute für sich in Anspruch nimmt. Sie ist nämlich ursprünglicher, weil sie nur einmal gebrochen ist, nämlich durch die Erzählungen der anderen Apostel über Christus an den nacherwählten Paulus. Zum anderen weil damals die Heilige Schrift noch nicht vollständig war, teils weil noch nicht geschrieben, teils weil noch nicht kanonisch zusammengefasst, sodass man Überlieferung auch als Teil der heiligem Schrift lesen kann. Daher unterscheidet die Kirche zwischen der eigentlichen Überlieferung der Apostel, inspiration, die die Offenbarung enthält, und die der Kirche, assistentia, die sie mit dem Beistand (daher der Name) des Heiligen Geistes formuliert.[11]
Zum anderen weist uns der Satz des Paulus jedoch auf das Johannesevangelium weiter, in dem geschrieben steht: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.“ Zusammen mit den Paulusworten zeigt das einen wesentlichen Aspekt der Offenbarung, den wir in unserem menschlichen Streben, alles festzuhalten, leicht vergessen. Nämlich dass Christus alleine die Fülle der Offenbarung ist. „Wer mich sieht, sieht den Vater“[12] Auch erklärt der Herr: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben…“[13] Es ist an keiner Stelle von einem Buch die Rede, sondern immer von der Bejahung der Lehre Christi, wie sie in der Fülle alleine vom ihm selber kommt. Die Schrift und mit ihr alle Schriften über Christus werden immer nur als Auswahl dargestellt, die nur einen Teil darstellen, aber hinter dem ganzen Christus zurückbleiben müssen.[14] Denn wie im Johannesprolog verkündet wird: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott ...[15] Und das Wort ist Fleisch geworden…“[16] Das Wort Gottes ist demnach Jesus Christus selber. Und nur er. Alles andere leitet sich hiervon lediglich ab und ist demnach nachgeordnet. Die Bibel als Heilige Schrift ist ohne Zweifel Wort Gottes, insoweit sie inspiriert ist, insoweit, als dass sie das richtig enthält, was die Apostel inspiriert gelehrt haben. Sie erhält also, wie Paulus darlegt, ihre Autorität aus der jener der Apostel, wie aus 1 Kor 11,2 klar hervorgeht, wo Apostel jene lobt, die seiner und seiner Lehre gedenken. Doch enthält sie nicht die ganze Lehre der Apostel, sondern eben nur einen  Teil. Wer also behauptet, die Bibel alleine sei das Wort Gottes und hätte allein Autorität, kappt einen Teil der Offenbarung, die die Apostel von Christus erhalten und entsprechend gelehrt haben und die die Kirche mit dem Beistand des Heiligen Geistes weitergegeben hat.
Untersuchungen:
Zu 1: Der Vorwurf des Herrn richtet sich an die Pharisäer, die durch ihre Schriftausdeutungen eine eigene Überlieferung herausgebildet haben, deren Grundsätze dem Wesen der Heiligen Schrift widersprechen. Als Mahnung ist dieses Wort grundsätzlich an jeden gerichtet, der mit der Schrift, sowohl Altes wie Neues Testament, umgeht und der natürlich immer interpretiert und diese Interpretation in Gemeinschaft weitergibt. In diesem Kontext steht auch das Wort des Paulus, der vor denen warnt, deren Interpretation des Glaubens fehlerhaft ist und die dadurch die Jünger Christi, denen sie vormals angehört haben, in die Irre leiten können. Das Wort kann daher in einem weiteren Sinne nicht auf eine bestimmte Überlieferung angewendet werden, sondern grundsätzlich auf jede Form der Deutung, wie sie immer und zu allen Zeiten geschieht; z.B. ist das Glaubensbekenntnis genauso eine Deutung der Offenbarung wie die Sola-scriptura-Lehre. Stets muss also gemäß der Warnungen der Schrift geprüft werden, was Inhalt des wahren Glaubens ist und was Täuschung und Irrung. Im Kontext der Worte gegen die Pharisäer steht jedoch noch eine weitere Bibelstelle, die zeigt, dass die Pharisäer zwar falsche Lehren vertreten und leben können, doch betreff ersteren durchaus auch richtiges. So weist der Herr das Volk an: „Die Schriftgelehrten und Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen…“[17] Jesus würde die Gläubigen aber nicht darauf anweisen, etwas grundsätzlich Falsches zu tun, sondern er zeigt den Menschen die Lehre der Pharisäer, soweit sie mit der Hl. Schrift übereinstimmt, was, wie gezeigt zu prüfen ist, als nachahmenswert.
Zu 2: Der Bann des Johannes ist eine klassische Versicherungsformel, die das konkrete Werk davor schützen soll, durch Hinzufügungen verunstaltet zu werden. Wenn wir genau hinsehen spricht Johannes auch nicht von der Bibel als Buch oder, was damals treffender wäre, von den Heiligen Schriften, sondern nur von seinem Buch, da er sich explizit auf die Weissagung bezieht, die er gemacht hat und für die er mit Sicherheit sagen kann, dass das alle waren, die er persönlich von Gott in Bezug auf diese besondere Sache empfangen hat. Hieraus die Vorstellung zu entwickeln, nur weil es das letzte Buch sei bezieht es sich auf den ganzen Inhalt der Bibel ist unangemessen, 1. weil es damals keinen Kanon gibt, der mit der Offenbarung abschließen würde,[18] 2. sich das hinzufügen eindeutig auf schriftliche Hinzufügungen bezieht, da er von dem Buch spricht, 3. weil der Kontext des Textes eindeutig eine andere Sprache spricht. So finden wir in anderen Bibelübersetzungen die Worte „dieses Buch“ nicht einmal, sondern zweimal.[19] Zudem schreibt der Autor eine weitere Warnung oder Bannformel: „… so wird Gott seinen Anteil am Holz des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist, wegnehmen.“[20] Die heilige Stadt Jerusalem ist aber nun eindeutig ein Bild, das sich auf die Offenbarung bezieht, während die Bezugsformulierung, hier mit „diesem Buch“ wiedergegeben, stets die gleiche ist. Das Pauluswort steht in einem anderen Kontext, weil es hier nicht um Hinzufügungen, sondern um Verfälschungen geht. Der Apostel verflucht jene, die etwas anderes lehren als er, in dem Sinne, dass Inhalte falsch wiedergegeben werden, nicht in Bezug auf Ergänzungen. Es kann dieses Wort besonders eindringlich als Wort gegen die Irrlehren verstanden werden, die die frühe Kirche bedroht haben, wie z.B. die Gnostiker u.a.
Zu 3: Beide Textstellen sind zwar in sich vollkommen richtig ausgelegt, beziehen sich aber nicht unmittelbar aufeinander. Während die erste Stelle ein Wort des Herrn ist, der denjenigen, die ihm zuhören verkündet und versichert, dass in seinem Wort das Heil liegt, ist die zweite Stelle ein Autorenkommentar bzgl. des Gesamtinhaltes des Buches. Die Aussage des Herrn „mein Wort“ bezieht sich damit nicht explizit auf das Johannevangelium im Besonderen oder die Bibel im Allgemeinen, sondern auf das, was Christus während seiner Lehrtätigkeit verkündet und an die Apostel als Träger weitergegeben hat, wie es in der Schrift steht: „Die elf Jünger (die Apostel) gingen nach Galiläa auf den Berg … und lehrt sie, alles zu befolgen. Was ich euch geboten habe.“[21] Natürlich ist, wie wir vormals gezeigt haben, nicht alles, was Er verkündete, in der Bibel niedergelegt. Das ist auch ihrem Charakter nach gar nicht nötig. Denn die Bibel stellt ja, wie wir am Ende des Johannesevangeliums lesen können, gar nicht den Anspruch, vollständig zu sein, um ihre Funktion zu erfüllen. Diese Funktion besteht darin, den Glauben an Jesus Christus zu ermöglichen und durch den Glauben das ewige Heil zu gewinnen. Das „in meinem Wort bleiben“ bezieht sich folgerichtig nicht auf die Bibel an sich, sondern auf die Gesamtoffenbarung.
Zu 4: Es scheint tatsächlich so, dass Paulus uns hier auf die Bibel verpflichtet, wenn er die „Schriften“ als Instrument ausweist, mit denen die Offenbarung an die Nationen weitergegeben werden. Nur macht man bei dieser Auslegung das Instrument zum Ursprung. Denn der Glaubensgehorsam bezieht sich nicht auf die Schriften selber, sondern auf die Offenbarung, für die die Schriften nur eine Mittlerrolle übernehmen. Die Schriften sind hier das Medium des Glaubens, durch die der Gläubige zum Glaubensgehorsam befähigt wird. Es muss aber diese Unterscheidung zwischen der Offenbarung an sich, die Christus ist und die durch Christus in die Welt kam, und der Bibel als deren Instrument nachdrücklich hervorgehoben werden. Die Bibel ist autorisiertes Wort Gottes, soweit sie dieser Funktion dient. Eine Funktion jedoch, über deren  Einzigartigkeit nichts ausgesagt wird. Das Schriftwort wird klarer, wenn wir es auf dem Hintergrund der Christianisierung der Heiden betrachten. Denn diese, mit den heiligen Schriften Israels bisher nicht in Berührung gekommen, bedürfen des Hinweises auf sie. Der Hinweis auf den Glaubensgehorsam ist daher als bindender Verweis auf das Alte Testament zu verstehen, dass nicht nur für die Juden-, sondern auch für die Heidenchristen Bedeutung hat.[22]
Zu 5: Diese Bibelstelle charakterisiert „die heiligen Schriften“ auf zweierlei Weise: 1. darin, dass sie von Gott eingegeben sind und 2. was ihre Eigenschaften sind. Paulus Brief an den Timotheus führt uns daher auf das gleiche Problem zurück, dass uns bereits vormals begegnet ist. Er legt die von ihm gegründete Gemeinde, die Timotheus leitet, auf die Heiligen Schriften des Volkes Israel fest, die bisher für die Heidenchristen keine Gültigkeit hatten. Er legt damit alle Christen, wenn man diese weite Interpretation wagen möchte,[23] auf die ganze Heilige Schrift, also auf beide Kanones als verbindliches Wort Gottes fest. Er erklärt ihnen auch, warum dieses Wort Gottes von ihnen als verbindlich angesehen werden soll, nämlich weil der Christ darin die Hilfe erfährt, deren er für sein Glaubensleben bedarf. Was Paulus aber nicht macht, ist, einen Ausschließlichkeitsanspruch zu formulieren. Weder an dieser Stelle noch einer anderen steht, dass man alleine die Schrift benutzen darf, sondern nur, dass man die Schrift benutzen soll, eben weil die Bibel die von Paulus genannten Fähigkeiten zur Heiligung besitzt, weil sie zur Lehre, Unterweisung etc. nützlich ist. Von einer Notwendigkeit ist nicht die Rede. Zwar insistiert die Formulierung „jedes gute Werk“ ein genügen der Bibel für den Gläubigen, aber selbst das ist nicht gesagt. Denn wieso kann der Mensch denn gute Werke verrichten? Weil er in der Gerechtigkeit ist, damit ein Mensch Gottes und damit zum Guten befähigt wird. Die Zugehörigkeit zu Gott ist aber kein Automatismus des Bibellesens, sondern eine Gnadengabe, für die die Bibel nützlich ist. Das alleine reicht aber nicht, denn primär ist die Gnade, die uns zu jedem guten Werk rüstet bzw. befähigt. Ein Automatismus zwischen Bibel, Gnade und jedem guten Werk besteht aber nicht. Er wird nicht behauptet und er ist wohl auch empirisch als unmöglich verwiesen.  


[1] Vgl. Mt 15,3.6.
[2] Vgl. Apg 20,30.
[3] Vgl. Offb 22,18.
[4] Vgl. Gal 1,8
[5] Vgl. Joh 8,31.
[6] Vgl. Joh 20,30f.
[7] Vgl. 16,25f.
[8] Vgl. 2 Tim 3,14-17.
[9] Vgl. 1 Kor 11,2
[10] Vgl. 2 Tes 2,15.
[11] Vgl. Müller, Gerhatd Ludwig: John Henry Newman begegnen, Augsburg 2000, S. 159.
[12] Vgl. Joh 14,9.
[13] Vgl. Joh 5,24.
[14]  Vgl. 13
[15] Vgl. Joh 1,1.
[16] Vgl. Joh 1,14.
[17] Vgl. Mt 23,2f
[18] Vgl. Frage zum Kanon der Hl. Schrift und hier noch einmal Kommentar nachsehen.
[19] Vgl. Offb 22,18: „der die prophetischen Worte dieses Buches hört …“ nach Roloff, Jürgen: Die Offenbarung des Johannes, in: Zürcher Bibelkommentare, Zürich 1984, S. 213, entspricht Zahn, Theodor: Die Offenabrung Johannes, S. 626f, in: Zahn, Theodor (Hrsg.): Kommentar zum Neuen Testament, Leipzig 1926.
[20] Vgl. Offb 22,19.
[21] Vgl. Mt 28,16-20.
[22] Über die Frage, was Paulus meint, wenn er von den Schriften spricht vgl. Zu 5.
[23] Dieser weiten Auslegung stimme ich nicht zu, denn die Situation, in die Paulus dies sagt, kannte noch keine Bibel im eigentlichen Sinne, keinen Kanon. Einige Bücher sind mit Sicherheit noch nicht geschrieben worden. Das ganze wird dadurch verstärkt, dass er dies zu Timotheus bezugnehmend auf dessen Kindheit sagt. Timotheus, ein offenbar bekannter Vertreter des frühen Christentums, kann aber in seiner Kindheit noch keine Schriften des neuen Testamentes gekannt haben, weil diese noch gar nicht geschrieben waren. Paulus kann hier also ausschließlich auf das Alte Testament verweisen. Es soll dies jedoch an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden, weil es für die Beantwortung der Frage nicht unmittelbar notwendig ist.
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