Sonntag, 30. Oktober 2011

Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen

Evangelium nach Matthäus 23,1-12
Darauf wandte sich Jesus an das Volk und an seine Jünger
und sagte: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt.
Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.
Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen. Alles, was sie tun, tun sie nur, damit die Menschen es sehen: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang, bei jedem Festmahl möchten sie den Ehrenplatz und in der Synagoge die vordersten Sitze haben, und auf den Straßen und Plätzen lassen sie sich gern grüßen und von den Leuten Rabbi (Meister) nennen. Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.
Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Kommentar
„Wer sich erniedrigt, der wird erhöht.“ Christus hat seinen Jüngern nicht nur geboten, sich nicht Meister nennen zu lassen und nicht die ersten Plätze beim Essen zu lieben, noch irgendeine andere Ehre, sondern er hat selbst in Person das Beispiel und Modell der Demut gegeben. Ihm allerdings ist der Name „Meister“ verliehen, nicht, weil er ihm gefällt, sondern durch das Naturrecht, denn „in ihm hat alles Bestand“ (Kol 1, 17). Durch seine Fleischwerdung hat er uns eine Weisung hinterlassen, die uns alle zum wahren Leben führt. Und da er größer ist als wir, hat er uns „mit Gott versöhnt“ (Röm 5,10). Es ist so, wie wenn er uns sagte: Liebt nicht die erstbesten Ehren, wünscht nicht, dass man euch Meister nennt, denn „ich bin nicht auf meine Ehre bedacht, doch es gibt einen, der darauf bedacht ist...“ (Joh 8,50). Richtet eure Augen fest auf mich, „denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20,28)
Ganz sicher belehrt der Herr in diesem Abschnitt aus dem Evangelium nicht nur seine Jünger, sondern auch die Führer der Kirchen. Und er schreibt ihnen allen vor, sich nicht von der Gier der Ehrsucht hinreißen zu lassen. Im Gegenteil: „Wer groß sein will“, der sei der Erste und mache es wie er selbst: er „werde der Diener aller.“ (vgl. Mt 20, 26-27).

Quelle:
http://www.evangeliumtagfuertag.org/main.php?language=DE&module=commentary&localdate=20111030

Bild
zeigt den österreichischen Kaiser Franz Joseph bei der Fusswaschung der 12 armen Männer am Gründonnerstag.

Samstag, 29. Oktober 2011

Setze dich auf den untersten Platz

Evangelium nach Lukas 14,1.7-11.

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau.
Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlaß, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen:
Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du,
und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müßtest den untersten Platz einnehmen.
Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Kommentar

Brüder, hüten wir uns vor jeder Art von Hochmut und eitler Ehrsucht. Hüten wir uns vor der Weisheit dieser Welt und der egoistischen Klugheit. Denn wer Sklave seiner egoistischen Neigungen ist, der will immer diskutieren und reden, doch ist er viel weniger bereit, zu handeln: Anstatt die innere Religiosität und Heiligkeit des Geistes zu suchen, will und ersehnt er vielmehr eine äußerliche Religion und Heiligkeit, die die Menschen vor allem sehen können. Von ihnen sagt der Herr: „Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.“ (Mt 6,5). Wer hingegen gelehrig auf den Geist des Herrn hört, der strebt danach, dieses egoistische Fleisch abzutöten und zu demütigen... Er übt sich in der Demut und der Geduld, in der reinen Einfalt und dem inneren Frieden des Geistes. Immer und überall sehnt er sich nach der Gottesfurcht, der Weisheit Gottes und der Liebe Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Alles Gute sollten wir dem Herrn und Gott, dem Allerhöchsten und Allmächtigen zurückgeben. Anerkennen wir dadurch, dass alles Gute ihm gehört. Danken wir ihm für alles, denn aus ihm geht alles Gute hervor. Der allerhöchste und allmächtige Gott, der einzig wahre Gott möge erlangen, dass man ihm jedwede Ehre und jedweden Respekt, alle Arten von Lob und Benedeiung, Dank und Verherrlichung erweise und zukommen lasse: Denn alles Gute gehört ihm, der allein gut ist.  

Quelle   

Zweite Homilie von der Buße

Heute wollen wir eine Homilie des Hl. Johannes Chrysostomos lesen, der sich ebenfalls mit der Demut beschäftigt hat. Johannes, geboren 349 oder 344 in Antiochia am Orontes, gestorben am 14. September 407 in Comana Pontica, war Patriarch von Konstantinopel und gilt als einer der größten christlichen Prediger, ein Ruf, dem er den Beinahmen Goldmund, Chrysostomos, verdankt. Der asketische und strenge Patriarch hatte es schwer in der elitären Adelsgesellschaft des Kaiserhofes und wurde schließlich, weil er das Leben und die Politik des Kaiserhofes geißelte und aus der Sicht der Oberschicht damit das Volks aufwiegelte, abgesetzt und verbannt.

Unser Text gehört zu seinen Homilien über die Buße, in denen er verschiedene Wege hierzu aufzeigt. Einer dieser Wege ist die Demut:
"Du hast noch einen dritten Weg zur Buße. Ich nenne aber vielerlei Wege der Buße, um dir durch die Verschiedenheit der Wege das Heil zu erleichtern. Welches ist nun dieser dritte Weg? Die Demuth. Sei demüthig, und du lösest die Fesseln der Sünde. Du hast auch dafür wieder den Beleg in der göttlichen Schrift an der Erzählung vom Zöllner und Pharisäer. „Es gingen,“ heißt es, „der Pharisäer und der Zöllner hinauf in den Tempel, um zu beten;“ und der Pharisäer fing an, seine Tugenden herzuzählen: „Ich bin nicht,“ spricht er, „ein Sünder, wie alle andern Leute, auch nicht, wie dieser Zöllner hier.“ Du elende und unglückliche Seele! Du verurtheilst die ganze Welt; warum kränkst du auch noch deinen Nachbar? Die Welt genügte dir nicht; mußtest du auch noch den Zöllner verdammen? Alle hast du auf diese Weise verurtheilt und nicht Eines Menschen geschont: „Ich bin nicht, wie alle andern Leute, noch wie dieser Zöllner da. Zweimal in der Woche faste ich, gebe den Zehnten von Allem, was ich besitze, den Armen.“ Wie prahlerisch redet er! Unglückseliger Mann! Es sei, du hast die ganze Welt verurtheilt, was verdammst du auch noch den Zöllner an deiner Seite? Du begnügtest dich nicht mit der Anklage der ganzen Welt, mußtest du auch deinen Nachbar verdammen? Was sprach nun der Zöllner? Nachdem er Dieses gehört, sagte er nicht: „Wer bist denn du, daß du mir diese Vorwürfe machst? Woher kennst du mein Leben? Du bist nicht mit mir umgegangen, hast nicht bei mir gewohnt, hast deine Zeit nicht mit mir verlebt. Warum bist du also so stolz? Wer gibt denn Zeugniß von deinen guten Werken? Warum lobst du dich selbst? Was schmeichelst du dir?“ Aber Nichts von all dem sagte der Zöllner, sondern betete gesenkten Hauptes und sprach: „Gott sei mir Sünder gnädig!“ Und der Zöllner, der sich demüthigte, wurde gerechtfertigt; der Pharisäer aber verließ den Tempel mit dem Verluste der Gerechtigkeit; der Zöllner aber hatte sie erlangt, als er hinwegging, und Worte waren hier besser, als Thaten; denn Jener verlor bei seinen Werken die Gerechtigkeit, dieser erwarb sich dieselbe durch sein demüthiges Bekenntniß. Ja, das war noch nicht einmal Demuth; denn Demuth ist es, wenn ein Hoher sich erniedrigt; die Handlung des Zöllners war also nicht Demuth, sondern Wahrheit; denn wahr lauteten seine Worte; denn er war ein Sünder. Denn sage mir, was ist schlechter als ein Zöllner? Aus fremder Noth zieht er seinen Gewinn, bei fremden Arbeiten nimmt er Antheil am Nutzen; er kümmert sich nicht um die Arbeit, am Nutzen betheiligt er sich, so daß die Sünde des Zöllners eine sehr große ist. Denn Zöllner sein heißt nichts anderes, als offene Gewalt brauchen, gesetzlich Unrecht begehen und nehmen unter dem Scheine des Rechtes. Denn was ist schlechter, als ein Zöllner, der am Wege sitzt und die Früchte fremder Arbeiten erntet, und der, wo es Arbeit gibt, sich darum nicht im Mindesten kümmert, wo aber Gewinn ist, seinen Antheil von Dem nimmt, was er nicht durch Arbeit errungen? Da nun der Zöllner ein Sünder ist und eine so große Gnade erhielt, weil er demüthig war; wie viel mehr Gnade wird der Tugendhafte finden, wenn er demüthig ist? Wenn du also deine Sünden bekennest und demüthig bist, so wirst du dadurch gerecht. Willst du aber wissen, wer demüthig ist? Sieh auf Paulus, den wahrhaft Demüthigen, auf Paulus, diesen Lehrer der Welt, diesen geistlichen Redner, dieses auserwählte Rüstzeug, diesen ruhigen Hafen, diesen unerschütterlichen Thurm, auf ihn, der mit schwachem Körper alle Welt durchzog und wie mit Flügeln von einem Orte zum andern eilte. Siehe, wie demüthig er ist; sieh’ diesen Thoren und Weisen, diesen Armen und Reichen. Ihn nenne ich wahrhaft demüthig, ihn, der so viel gearbeitet hat, ihn, der tausend Siege wider den Satan davon trug, ihn, der da ausruft und sagt: „Seine Gnade ist an mir nicht vergeblich gewesen; allein ich habe mehr als sie alle gearbeitet“: welcher Gefängniß, Streiche und Schläge ertrug, welcher die ganze Welt mit seinen Briefen bekehrte, welcher durch eine himmlische Stimme berufen wurde; der war demüthig, da er sagte: „Ich bin der Geringste unter den Aposteln, der ich nicht werth bin, ein Apostel zu heissen.“ Siehst du die Größe der Demuth? Siehst du, wie Paulus sich erniedrigt, indem er sich selbst den Geringsten nennt? „Denn ich,“ sagt er, „bin der Geringste unter den Aposteln, der ich nicht werth bin, ein Apostel zu heissen.“ Denn das ist die wahre Demuth, daß man sich in Allem erniedrigt und sich den Geringsten nennt. Erwäge nur, wer Der war, der dieses sagte: Paulus, der Himmelsbürger, mit dem schwachen Leibe selbst, womit er umgeben war, die Säule der Kirchen, der irdische Engel, der himmlische Mensch. Ich verweile so gerne bei diesem Manne, wenn ich die Schönheit seiner Tugend betrachte. Die aufgehende Sonne mit all ihren glänzenden Strahlen, die sie entsendet, erheitert meine Augen nicht so sehr, als das Antlitz des Paulus meinen Geist erleuchtet. Denn die Sonne erleuchtet zwar die Augen, aber Paulus erbebt unsern Blick selbst bis zum Himmelsgewölbe: denn er macht die Seele erhabener als die Sonne, und herrlicher, als der Mond ist. Das ist die Kraft der Tugend: sie macht den Menschen zum Engel; sie beflügelt die Seele im Laufe zum Himmel. Diese Tugend lehrt uns Paulus. Bestreben wir uns, eifrige Nachahmer dieser Tugend zu werden!
Allein es ziemt sich nicht, von unserem Gegenstande abzuweichen; denn es war unsere Absicht, die Demuth als den dritten Weg zur Buße zu zeigen, daß der Zöllner sich nicht gedemüthigt hat, sondern bloß aufrichtig war, indem er seine Sünden bekannte und gerechtfertigt wurde ohne Aufwand von Geld, ohne Meere zu durchschneiden, ohne lange Fußreisen zu machen, ohne unermeßliche Meere zu durchschiffen, ohne daß er seine Freunde um ihre Fürsprache bat oder viel Zeit verwendete: bloß durch seine Demuth wurde er gerechtfertigt und des Himmelreichs für würdig befunden. Möchten wir alle durch die Gnade und Liebe unseres Herrn Jesu Christi desselben theilhaftig werden! Ihm sei Ehre und Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit!"
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, Johannes Chrysostomos: II. Homilie über die Buße, Kap. 4.,  http://www.unifr.ch/bkv/kapitel3970-4.htm-Demut

Freitag, 28. Oktober 2011

Niemals war es gestattet, den katholischen Christen etwas gegen die Überlieferung zu predigen

Heute wollen wir uns kurz daran erinnern, was es bedeutet, katholisch zu sein. Denn katholisch zu sein bedeutet ja, wenn man es recht bedenkt, eine besonders intensive Form der Demut zu pflegen. Denn anders als z.B. die Protestanten ist der Katholik nicht nur dazu gehalten, vor Gott und der Bibel demütig zu sein. Was ja leicht dazu führen kann, dass man seine eigene Meinung ein wenig wichtig nimmt. Sondern der Katholik soll auch gegenüber denjenigen demütig sein, die vor ihm gewirkt und großes über den Glauben geschrieben und für ihn gewirkt haben. Wer sich von der Wolke der Heiligen umgeben weiss, dem wird sein wahres Maß, im Großen wie im Kleinen, bewusst.
Daher habe ich für heute einen kurzen Text des Vinzent von Lerins ausgewählt. Vinzent von Lerins, gestorben zwischen 434 und 450, Mönch auf der Klosterinsel Lerins, war einer der bedeutendsten Theologen des 5. Jh. und besonders für seine Schriften zur Abwehr der Häresien auf Basis der Tradition bekannt.
"Also den katholischen Christen etwas zu predigen gegen das, was sie empfangen haben, war niemals gestattet, ist nirgendwo gestattet und wird nie gestattet sein; die aber zu verfluchen, die etwas anderes predigen, als einmal angenommen worden ist, war immer notwendig, ist überall notwendig und wird immer notwendig sein. Ist nun bei dieser Sachlage wohl jemand so verwegen, daß er etwas anderes predigt, als was in der Kirche gepredigt worden ist, oder so leichtsinnig, daß er etwas anderes annimmt, als was er von der Kirche empfangen hat? Er ruft und ruft wieder und ruft es allen und immerdar und überall in seinen Briefen zu, er, das auserwählte Gefäß , der Lehrer der Heiden , die Posaune der Apostel, der Herold der Erde, der Kenner des Himmels : wenn jemand eine neue Glaubenslehre verkünde, solle er verflucht sein. Und dagegen schreien einige Frösche, Bremsen und Eintagsfliegen , wie es die Pelagianer sind, und zwar sagen sie den Katholiken: Auf unsere Autorität hin, unter unserer Führung, nach unserer Auslegung verdammt, was ihr festhieltet, haltet fest, was ihr verdammtet, verwerfet den alten Glauben, die väterlichen Satzungen, den hinterlegten Schatz der Vorfahren, und nehmt an, nun was denn? Ich sage es mit Schaudern; denn es sind so hochmütige Zumutungen, daß nicht nur ihre Behauptung, sondern sogar ihre Zurückweisung ohne irgendeine Sünde nicht möglich scheint."
Quelle: Vinzent von Lerins: Commonitorium, http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2031-8.htm

Katholisch = Praktisch

Ein Mann ist sehr ungeduldig und möchte das ändern.
Er denkt sich: Da kann man mir bestimmt bei den fernöstlichen Philosophien helfen.

Also geht er zu einem Yoga-Meister.
Der nickt bei dem Problem und sagt: "Ja, da kann ich ihnen helfen. Erstmal besuchen sie einen achtwöchigen Kurs bei mir und anschließend für die nächsten Jahre zweimal täglich zwei Stunden Yoga-Übungen."
Da denkt sich der Mann: Das ist mir zuviel.

Also geht er zu einem buddhistischen Mönch.
Der nickt bei dem Problem und sagt: "Ja, da kann ich ihnen helfen. Sie müssen nur dreimal täglich drei Stunden meditieren und in einigen Jahren werden sie vielleicht Geduld erlangen."
Da denkt sich der Mann: Das ist mir zuviel.

Schließlich weiss er nicht weiter und geht zu einem katholischen Priester.
Der nickt bei dem Problem und sagt: "Ja, da kann ich ihnen helfen. Kaufen sie sich einen langsamen Computer."

Papst Pius XII. 80. Geburtstag

Geheimes Hilfsnetzwerkes Pius XII. für die Juden entdeckt

Pius XII. Krönung


Wir erleben gerade in den alten Videos die Pracht der Papstmessen bis zur Liturgiereform. Ich persönlich fand es ja damals etwas schöner, auch weil es lebendiger war. Als Beweis für letzteres achtet mal auf den Zeremoniar links vom Papst ab 1:40.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Die Überheblichkeit derer, die Gott nicht die Ehre geben, wird bestraft

Heute möchte ich zum Thema Demut einen Text eines weitgehend unbekannten Autors, Salvianus von Massilia (gestorben nach 480), vorlegen, den dieser in seinem Traktat "Von der Weltregierung Gottes" geschrieben hat. Ich denke, dass die Aussagen des Textes, obwohl sie in eine bestimmte Situation hineingesagt sind, immer noch ihre Wahrheit haben und gerade den Machbarkeitsglauben der Moderne, die alles glaubt beherrschen zu können glaubt, sei es die Kirche, das Klima oder den Kapitalismus, entlarvt:
"Es mögen das hören, so sage ich, alle, die sich gotteslästerlich des Gegenteils rühmen; es sollen das hören die, die ihre Hoffnung auf Menschen setzen! Gott sagt, daß alle diejenigen ihm widersprechen, die sich anmaßen, durch eigene Kraft sich befreien zu können. Wer von den Römern aber redet nicht so? Wer denkt nicht so? Wer von uns lästert nicht in dieser Beziehung fortwährend den Herrn? Alle sind sich bewußt, daß der Staat keine Kräfte mehr besitzt; und doch erkennen wir nicht einmal an, wessen Wohltaten wir es verdanken, daß wir überhaupt noch leben. Denn wenn uns Gott einmal gegen unsere Hoffnung und ohne unser Verdienst etwas Gutes schenkt, so schreibt der eine es dem Schicksal zu, der andere dem Zufall, der andere der Anordnung der Führer, ein anderer der Klugheit, ein anderer der Behörde, wieder ein anderer der Schutzherrschaft, keiner aber Gott. Und da wundern wir uns, wenn uns die göttliche Hand manche Dinge nicht gibt, da wir ihr doch alles absprechen, was sie gewährt hat! Denn was tun wir anders, wenn wir das Gute, das sie uns schenkt, entweder dem Erfolg des Zufalls oder der Tapferkeit der Feldherrn oder irgendwelchen anderen nichtigen Erscheinungen zuschreiben? Nach diesem Verfahren müßten wir der Erde danken, daß wir jedes Jahr ihre Früchte ernten, und den Weinbergen, daß wir Weinlese halten, und dem Meer, daß wir Fische fangen, und den Wäldern, daß wir Holz fällen, und den Schafen, daß wir uns bekleiden, und dem übrigen Vieh, daß wir uns mit seinem Fleisch sättigen können. Denn was hat es für einen Sinn, daß wir dem für andere Gaben dankbar sein wollen, dem wir für seine größten Wohltaten den Dank versagen? Oder wer unseresgleichen ist damit zufrieden, daß jemand ihm etwas als empfangen anrechnet, dem er die bedeutendsten von seinen Gaben abspricht? Wenn wir auch Gott für nichts gebührend danken können, so wäre es doch zu wenig, wollten wir ihm nur für das Dank erstatten, was er uns zum täglichen Leben gibt. Wir versagen ihm aber den Dank, wenn er uns in der Not hilft und uns aus Gefahren befreit und uns mitten unter den Barbaren immerdar beschützt und erhält. Aber die Goten machen es nicht so; die Vandalen machen es nicht so; obwohl sie von schlechteren Lehrern unterrichtet sind, so sind sie in diesem Punkt doch besser als die Unsrigen. Ich möchte freilich annehmen, daß einige sich durch das Gesagte beleidigt fühlen. Aber man muß mehr an das denken, was wahr ist, als an das, was etwa beleidigt; und deshalb sage ich es immer wieder: nicht so machen es die Goten, nicht so die Vandalen. Wenn sie im Unglück sind, erbitten sie Hilfe von Gott, und ihr Glück nennen sie ein Geschenk der Gottheit. Dies bewies auch unser Unglück im letzten Krieg. 1Denn als die Goten in Furcht waren, maßten wir uns an, unsere Hoffnung auf die Hunnen zu setzen; jene setzten sie auf Gott. Als jene den Frieden verlangten, verweigerten wir ihn; als jene ihre Bischöfe sandten, schickten wir sie zurück. Jene ehrten auch in fremden Priestern Gott, wir verachteten ihn sogar in unseren eigenen. Je nach der Handlungsweise beider Teile war auch der Ausgang der Dinge. Jenen wurde trotz ihrer größten Angst die Siegespalme verliehen; über uns brach trotz unseres übermäßigen Stolzes die Niederlage herein, so daß damals an ihnen und an uns das Wort unseres Herrn sich deutlich als wahr erwies: ,,Wer sich erhöht, wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, wird erhöht." Jene nämlich wurden erhöht für ihre Demut, wir wurden gestürzt für unsere Überhebung."
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, Salvianus von Massilia: Von der Weltregierung Gottes (De gubernatione Dei), VII. Buch, http://www.unifr.ch/bkv/kapitel4396-9.htm

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Christus unser Vorbild in der Demut

Da ich das Gefühl habe, etwas vom Thema abgekommen zu sein - es geht in diesem Blog ja eigentlich um Demut - aber momentan keine Zeit für lange und qualitätsvolle Texte habe, bin ich mal so frei und plagiiere die Texte anderer. Allerdings natürlich nicht von irgendwem, sondern natürlich nur Texte großer Weiser der Kirche, die zum Thema gehören.

Ich beginne mit einem der frühesten Texte über die Demut, nämlich einem Kapitel aus dem 1. Clemensbrief.
Der Brief des römischen Bischofs Clemens, vermutlich Ende des 1. oder zu Beginn des 2. Jh. n.Chr. entstanden, ist an die Gemeinde von Korinth gerichtet. In ihm legt Clemens mit seiner Autorität als römischer Bischof bestimmte Lehren der Apostel verbindlich aus und greift damit - angefragt - in einen Streit der Gemeinde von Korinth ein. Dabei vergisst er mit der Demut nicht eine der wichtigsten christlichen Tugenden.
Im 16. Kapitel seines Briefes schreibt er:

"1. Den Demütigen gehört nämlich Christus, nicht denen, die sich erheben über seine Herde. 2. Das Szepter der Majestät Gottes, der Herr Jesus Christus, ist nicht erschienen in prahlerischem und auffallendem Prunke, obwohl er es gekonnt hätte, sondern in Demut, wie der Heilige Geist von ihm verkündet hatte; er sagt nämlich: „Herr, wer hat unserer Predigt geglaubt? wem ist der Arm des Herrn offenbar geworden? Wir redeten angesichts seiner: er ist wie ein Kindlein, wie ein Schößling in dürstendem Erdreich; er hat nicht Gestalt noch Würde; und wir haben ihn gesehen, und er hatte weder Gestalt noch Schönheit,, vielmehr ist seine Gestalt unscheinbar, zurückbleibend hinter der Gestalt der Menschen; er ist ein Mann in Wunden und Weh und versteht Krankheit zu tragen; weil sich abgewendet hat sein Antlitz, deshalb wurde er zurückgesetzt und nicht beachtet. 4. Er trägt unsere Sünden und leidet für uns, und wir glaubten, er selbst sei in Weh und Schmerz und Elend. 5. Aber er ist verwundet unserer Sünden wegen und gezüchtigt ob unserer Missetaten. Zu unserem Frieden liegt auf ihm die Züchtigung, durch seine Striemen sind wir geheilt. 6. Alle gingen wir irre wie Schafe, der Mensch verirrte sich auf seinem Wege. 7. Und der Herr gab ihn dahin für unsere Sünden, und er selbst öffnete den Mund nicht wegen seiner Mißhandlung. Wie ein Lamm wurde er zur Schlachtbank geführt, und wie ein Schaf stumm bleibt vor dem Scherer, so tat er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. 8. Wer wird sein Geschlecht aufzählen? da von der Erde sein Leben weggenommen wird. 9. Wegen der Missetaten meines Volkes wird er zum Tod geführt. 10. Und ich will hingeben die Bösen für sein Grab und die Reichen für seinen Tod; denn er hat nichts Böses getan, und in seinem Mund ward kein Trug gefunden. Und der Herr will ihn befreien von seiner Qual. 11. Wenn ihr Opfer bringt für eure Sünden, wird eure Seele lang lebende Nachkommen sehen. 12. Und der Herr will mindern die Mühsal seiner Seele, will Licht ihm zeigen und durch Einsicht bilden, rechtfertigen den Gerechten, der vielen gut dient; und ihre Sünden will er selbst hin wegnehmen. 13. Deshalb wird er viele beerben und die Beute der Starken teilen dafür, daß seine Seele hingegeben wurde in den Tod und er gezählt wurde unter die Bösen. 14 Und er selbst hat die Sünden vieler getragen, und wegen ihrer Sünden wurde er dahingegeben"15. Und  wiederum sagt er selbst: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Spott der Menschen und die Verachtung des Volkes. 16. Alle, die mich sahen, verlachten mich, schwatzten mit den Lippen und schüttelten das Haupt: Er hat auf Gott gehofft, er erlöse ihn, rette ihn, da er ihm geneigt ist" 17. Ihr sehet, Geliebte, wer das Vorbild ist, das uns gegeben ist; wenn nämlich der Herr sich so erniedrigt hat, was sollen dann wir tun, die wir unter das Joch seiner Gnade durch ihn selbst gekommen sind?"

Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, 1. Klemensbrief, http://www.unifr.ch/bkv/kapitel4-16.htm-Demut

Sowas hab ich ja noch nie gesehen

Ein Wanderer kommt an einer Bank vorbei, auf der ein Mann mit einem Kilt sitzt. Der Wanderer denkt "Ah, ein Schotte" und grüßt freundlich.

Etwas später kommt er wieder an einer Bank vorbei, auf der ein Mann in einem Kimono sitzt. Der Wanderer denkt "Ah, ein Japaner" und grüßt freundlich.

Etwas später kommt er wieder an einer Bank vorbei, auf der ein Mann in einer Soutane sitzt. "Ja, wer sind denn sie?" fragt der Wanderer den Mann. "Ein katholischer Priester" antworter der. Darauf der Wanderer: "Sowas hab ich ja noch nie gesehen!"

Erst der Herr, dann du





Der Pfarrer betritt die Kirche durch einen Seiteneingang, geht direkt zur Sakramentskapelle und macht dort eine Kniebeuge. Beim Altar steht gerade der Küster und sieht etwas verwundert zu. Dann kommt der Pfarrer zu ihm und meint auf seinen fragenden Blick: "Erst der Herr, dann du."

Dienstag, 25. Oktober 2011

Der Papst als Spielball - ein historischer Kommentar zu den Borgia


Wir haben in unserem letzten Text herausgearbeitet, das die Kirche aufgrund ihrer Situation in der Renaissance auf den Kirchenstaat als finanzielle Basis angewiesen war, um zu funktionieren und das es daher notwendig war, dass sich ihre Führung mit den politischen Instrumenten der Zeit die Finger schmutzig machte.

Nun werden zurecht einige Fragen, ob es denn wirklich nötig war, dass das Papsttum einen eigenen Staat unterhalten musste, der ja doch so viel Übel für es bedeutete? Wäre es nicht möglich gewesen, das Auskommen der Kirchenführung anders zu sichern, immerhin geht es ja heute auch?
Hierauf zu antworten, würde uns auf das Feld der historischen Spekulation führen - was wäre wenn - das zwar sehr reizvoll, aber auch sehr gefährlich ist. Ich will daher auf anderen Weise auf die Frage eingehen, nämlich durch die Ergänzung, dass die finanzielle Situation eine, aber nicht die einzige Begründung bzw. Notwendigkeit für den Kirchenstaat bzw. für die weltliche Macht des Papsttums war.

Um die Lage des Papstes zu verdeutlichen, lassen wir einen Papst zu Wort kommen, Pius II. (1458-1464), der noch als Aenea Silvio Piccolomini in seiner Geschichte des Baseler Konzils schrieb:
"Der römische Bischof ist ohne das Patrimonium der Kirche (den Kirchenstaat) nichts anderes als der Knecht der Könige und Fürsten." 
Das es sich bei diesem Satz nicht nur um einen Rechtfertigungsversuch handelt, sondern tatsächlich das Problem sehr genau umreißt, wollen wir nun an einigen wenigen Beispielen zeigen. Denn was passierte, wenn der römische Papst seiner weltlichen Macht abholt ging?

Das beste Beispiel ist das sogenannte Dunkle Zeitalter des Papsttums zwischen im 9. und 10 Jahrhundert. In dieser Zeit hatte die alte Schutzmacht der Päpste, die Karolinger, ihren Einfluss auf Italien weitgehend eingebüßt und das Papsttum ohne einen weltlichen Arm zurückgelassen. Die Folge war, dass das Papstamt, die prestigeträchtigste Position in Rom, zum Spielball der in Rom ansässigen Aristokratie wurde. Da wurden Päpste eingesetzt, abgesetzt, ermordet und sogar noch post mortem vor Gericht gezerrt - der berühmte Leichensynode durch Stephan VI. 897. Neben den großen römischen Geschlechtern spielten noch verschiedene italienischen Fürsten mit, inklusive einiger Frauen, die traurige Berühmtheit erlangen sollten. Die bekannteste war Marozia, die gleich mehrmals die Tiara an ihr passend erscheinende Kandidaten verlieh. Ein Sündenbabel sondern gleichen. Nicht aber, weil die Päpste per se so böse und schlechte Menschen waren, sondern weil sie nicht die Möglichkeit hatten, sich gegen äußere Einflüsse zu wehren und ganz und gar abhängig waren von der Gunst der rivalisierenden Geschlechter.

Ein anderes Beispiel ist die sogenannte babylonische Gefangenschaft der Päpste in Avignon. Unter dem Einfluss des französischen Königs, des damals mächtigsten Monarchen Europas, verlegte der französische Papst Clemens V. seine Residenz nach Avignon an die Rhone. Dort, fern seines Bischofssitzes, stieg der Einfluss des französischen Königs, was sich nicht nur in dem Umstand zeigte, dass die nachfolgenden Päpste durchweg Franzosen waren, sondern auch z.B. der Papst dem schönen Philipp bei der Zerschlagung des Templerordens 1312 dienlich sein musste.

Als letzten Beispiel mögen wir die Gründung der anglikanischen Kirche anführen. Der Vorgang ist hinreichend bekannt: Heinrich VIII., König von England, wollte sich von seiner Frau, Katharina von Aragon, scheiden lassen, was per se noch kein so nennenswertes Problem darstellte. Wenngleich die Ehe formal als unauflösbar galt und gilt, war es bei dringendem Bedarf durchaus möglich, Schlupflöcher zu finden um einflussreichen Personen eine Trennung um Guten zu ermöglichen. So hätte es auch bei Heinrich und Katharina ablaufen können, wenn es da nicht Karl V., den römisch-deutschen Kaiser und König von Spanien gegeben hätte, ein Neffe Katharinas (über seine Mutter Johanna), der es partout als Affront ansehen wollte, dass der englische König seine Tante nicht mehr wollte. Das er selbst auf den englischen Königsthron schielte, er war zeitweise mit seiner Cousine Maria, der Tochter Heinrichs verlobt, die später seinen Sohn Philipp II. heiratete, mag dabei eine Rolle gespielt haben. Doch auch das wäre an sich noch kein Grund gewesen, die Ehe nicht zu annullieren. Problematisch aber war, das Karl zugleich König von Neapel-Sizilien und Herzog von Mailand war und demnach in Italien eine dominierende Stellung einnehmen konnte. Diese wurde gegenüber den Papst noch durch den Sacco di Roma verstärkt, die Plünderung Roms und die Einnahme des Kirchenstaates. So war der Papst gerade in der für Heinrich relevanten Zeit zwischen 1527-1531 faktisch von Karl V. abhängig. Über das Ergebnis dieser Abhängigkeit, die Abspaltung des katholischen Englands, kann geschwiegen werden.

Wir haben also gesehen, wie zutreffend das Wort Piccolominis war. Der Papst brauchte eine eigene weltliche Macht, wollte er nicht zum Spielball weltlicher Gewalten werden. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass der Papst überhaupt Macht ausübte, wie kam es dazu, dass ein Bischof zum Herrschaftsträger wurde? Damit wollen wir uns im vierten und letzten Teil unserer Serie beschäftigen.

Montag, 24. Oktober 2011

Sonntag, 23. Oktober 2011

Pius XII. in Farbe

Zum Einstieg in meine Pius-Reihe ein paar Farbbilder des großen Papstes









Eine weitere schöne Pius-Bilder-Strecke:
http://traditionalcatholicism83.blogspot.com/2008/10/pope-pius-xii-pastor-anglicus.html

Verwiesen werden soll an dieser Stelle auch auf:
http://www.vita-in-deum.de/blogs/johannes/johannes/2011/10/grose-kirchenmanner-kardinal-josef-frings/

Pius XII. ein unermüdlicher Arbeiter im Weinberg des Herrn.

Momentan bin  ich ein wenig im Stress, weshalb ich mich für dieses Wochenende auf einen kleinen Post beschränken möchte.

Ich habe mal ein wenig über meine Arbeitssituation nachgedacht und danach gesucht, wie andere Menschen in der Kirchengeschichte mit Arbeit umgegangen sind. Und da viel mir doch gleich das Arbeitstier unter den Päpsten ein, dass vermutlich mehr an einem Tag geschafft hat als ich in ... na sagen wir mal mehreren Tagen: Pius XII.

"Über diesen sagte Kardinal Tardini, einer seiner engsten Mitarbeiter nach seinem Tod: Er besaß eine ungewöhnliche Ausdauer bei der Arbeit. Stunde um Stunde verbrachte er, fast ohne g Unterbrechung bist tief in die Nacht hinein, ohne ein Zeichen der Ermüdung, immer ruhig und gesammelt mit Lesen, Überlegungen und Aufzeichnungen." (Tardini: Pius XII., S. 43)
Ein weiteres Wort in diesem Kontext, das für alle arbeitenden Menschen sicher nützlich ist:
"Er hatte sich daran gewöhnt, jedes Problem zu prüfen, als ob es der einzige Gegenstand seiner Aufmerksamkeit wäre. Er konzentrierte sich ganz auf den Gegenstand, dem er sich gerade widmete. ... währenddessen (oder gerade deswegen, Anm. d. V.) aber raubte ihm der noch zu bewältigende Berg von Arbeit nicht (wie es oft geschieht) die Ruhe und die Gelassenheit bei der im Augenblick zu leistenden Arbeit." (Tardini: Pius XII., S. 44)
Mit diesen kurzen Gedanken beschließe ich meine Überlegungen und eröffne zugleich ein neues Label: Pius XII., dem, mit gnädigem Verlaub in Richtung der Freunde Johannes Pauls II., größten Papst des 20. Jahrhunderts. Und zur Einstimmung gibt am Ende noch ein schönes Video:

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Der Papst als Renaissancefürst - ein historischer Kommentar zu den Borgia

Um den Charakter der Borgia und besonders Alexanders VI. zu erschließen, müssen wir uns die Frage stellen, ob es sich bei ihm primär um einen Fürsten oder primär um einen Geistlichen handelt?

Die Antwort erscheint uns aus der heutigen Sicht eindeutig: Natürlich ist der Papst vor allem ein geistlicher Führer! Aber das ist eine Ansicht des 19. und 20 Jahrhunderts, nicht aller Zeiten. Denn es gab durchaus Perioden in der Kirchengeschichte, wo das Papstamt weniger als geistliches, sondern mehr als weltliches Amt bestand. Allerdings nicht so sehr in der Wahrnehmung, sondern mehr in der Praxis. Denn das Papsttum wurde zu allen Zeiten als geistliches Amt wahrgenommen. Nur das diese Wahrnehmung oft nicht der politischen Wirklichkeit entsprach. Hierfür gibt es mehrere Gründe und wir wollen uns einigen dieser Punkte im Laufe unserer Überlegungen widmen.

Heute jedoch wollen wir uns auf den konkreten Zeitpunkt beschränken, nämlich die frühe Renaissance und warum zu dieser Zeit das Papsttum praktisch darauf angewiesen war, weltlich zu handeln.
Denn der Papst war ja wie alle Handelnden niemand, der im freien Raum agierte, sondern jemand, der durch die Kräfte gebunden war, die um ihn wirkten und der durch seine Möglichkeiten beschränkt war. Ein Papst konnte also theoretisch noch so gut und ehrenvoll sein, wenn er die Möglichkeiten und die Kräfte nicht hatte, seinem Charakter nach zu handeln, musste er scheitern, dann musste die Kirchenregierung darniederliegen. Das hat die Kirchenleitung mehr als einmal leidvoll erfahren müssen. Es ergab sich von daher die Notwendigkeit, einen Papst zu berufen, der von seinem Charakter und seinen Fähigkeiten mit der Situation, in die die Kirchenleitung gestellt war, umgehen konnte. Und auch wenn Alexander VI. durch Bestechung und Intrigen an die Macht kam, für seine Zeit war er kein Fehler an sich.

Um das zu verstehen, müssen wir uns bewusst machen, worauf das Papsttum in dieser Zeit wesentlich beruhte: Dem Kirchenstaat.
Denn wenngleich die ganze Christenheit den Papst grundsätzlich als Haupt der universalen Kirche anerkannte, so war man doch nur sehr eingeschränkt bereit, ihm dafür die Mittel zur Verfügung zu stellen. Denn die Leitung der Kirche kostete nunmal Geld. Allein der Unterhalt der kirchlichen Infrastruktur in Rom, die für eine größere und reichere Stadt ausgelegt war, verschlang Unsummen. Wer alte Gebäude erhalten muss, weiss, wie teuer sowas ist. Dazu kam der Unterhalt für die päpstliche Administration und den päpstlichen Hof. Dies Liste könnte fortgesetzt werden. Kurz und gut: Alleine um seine kirchlichen Aufgaben zu erfüllen brauchte der Papst Unmengen an Geld.
Hinzu kam, dass dem Papst in Rom im Laufe der Zeit weltliche Aufgaben zugewachsen waren, weil es niemanden gab, der sie übernahm. Hierzu jedoch später. Das Papsttum war also darauf angewiesen, enorme Ausgaben zu decken. Ausgaben, die zu groß für den Bischof der vergleichsweise armen Diözese Rom waren.

Zudem hatte sich seit dem frühen 15. Jahrhundert die Einnahmensituation verändert. Bis zum großen Schisma und währenddessen bezog das Papsttum seine Einnahmen im wesentlichen aus den Erträgen, die ihm aus der Gesamtkirche zuflossen. Doch musste das Papsttum nach dem Ende des Schismas und im Zuge des Konzils von Basel neue Abkommen mit den meisten Fürsten Europas treffen, durch die ein großer Teil dieser Einnahmen entfielen. Daher war der römische Pontifex wesentlich auf jene Mittel angewiesen, die ihm aus seiner Territorialherrschaft zuflossen, nämlich dem Kirchenstaat. Dieser machte Mitte des Jahrhunderts mehr als 70 % der Einnahmen der apostolischen Kammer als der päpstlichen Finanzbehörde aus. Allein 20 % wurden durch die Allaungruben in Tolfa gewonnen. Zudem hatten sich die Mittel der Kurie im Vergleich zur Zeit vor dem Schisma mehr als halbiert.

Aus diesem Umstand erklärt sich das große Interesse des Papsttums am Kirchenstaat, der für seine Aufgaben unbedingt notwendig in dieser Zeit war. Da es sich beim Kirchenstaat um einen weltlichen Besitz handelte, verhielt sich der Papst in der praktischen Arbeit damit faktisch wie ein weltlicher Fürst, denn nur so war der Bestand des Kirchenstaates und damit die Aufrechterhaltung des Papsttums gewährleistet.

Und in der Politik Italiens im 15. Jh. ging es nicht sehr sanft zu. Gegen die damaligen politischen Sitten sind die heutigen Damen und Herren geradezu liebenswerte, ehrliche Pfadfinder. Da wurde gelogen, betrogen, Bündnisse geschlossen und wiederaufgekündigt, Kinder verlobt, verheiratet und wieder annulliert, Krieg und Überfälle geführt und wenn es günstig war brachte man den aktuellen Rivalen, mit dem man vor zwei Stunden noch auf Bruderschaft getrunken hatte an der nächsten Straßenecke um die Ecke. Moral suchte man damals nun wirklich vergebens und ein Condotierre, ein Söldnerführer, brachte es durchaus zum anerkannten Stadtherrn und einem der reichsten Männer Italiens.

Es war also ein Dschungel, in dem sich der Papst bewegen musste, wollte er seine Basis davor bewahren, verschlungen zu werden und damit den Bestand eines unabhängigen Papsttums gewährleisten. Denn wie es einem machtlosen Papst ergehen kann, dass haben die Päpste mehr als einmal erfahren. Dazu aber ein andermal.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Der mutige Katholik

Große Aufregung über ein Video eines protestantischen "Bischofs", der darüber jubelt, das ihm ein katholischer Mitchrist eine halbe Oblate abgegeben hat: "Christus für dich!" nennt sich das. Wir wollen an dieser Stelle mal darüber schweigen, ob beide denn unter diesem "Christus" das gleiche verstanden haben. Auch wollen wir darüber schweigen, dass der Bischof eigentlich die Hostie mit Dank hätte zurückgeben müssen. Auch wollen wir darüber schweigen, was es von einem protestantischen Bischof aussagt, dass er wegen einem solchen Ereignis fast in Tränen ausbricht.

Sprechen wir mal lieber vom "Mut" des Katholiken.
Wie mutig ist es denn heute in der Kirche, in aller Öffentlichkeit einem Protestanten den Leib des Herrn zu offerieren? Sicher, streng genommen hätte der Priester bzw. der Kommunionausteiler dazwischen hechten müssen. Aber wer macht denn sowas? Wahrscheinlicher ist doch, dass dem Menschen auch noch dafür applaudiert wurde. "Toll, was für ein Beispiel von aktiver Ökumene! Herbert for Papst!" (Name frei erfunden)

Sprechen wir nun hingegen von einer anderen Form von Mut, die wir in diesem Beispiel nicht erleben durften. Nämlich jenem des Priesters oder des Kommunionausteilers, der für die ganze Schese verantwortlich zeichnet. Wäre der mutig gewesen, wäre er nämlich dazwischengesprungen oder hätte den "mutigen" Katholiken zumindest gemaßregelt und den protestantischen Kollegen gebeten, doch bitte den Leib des Herrn wieder herauszurücken: "Christus für dich" unter der Vorraussetzung, dass du der Kirche Christi angehörst. Tut der Protestant aber nicht. Ja, ist doch so!
Das wäre Mut gewesen. Denn der arme Kerl hätte mit Sicherheit Prügel bezogen. Der Austeiler wäre wohl auf Jahre geschnitten worden und der Priester hätte gleich drauf einen Versetzungantrag schreiben können.

Zu guter letzt noch mal ein bisschen Bibel:
Mt 24,5. "Denn viele werden unter meinem Namen auftreten; sie werden behaupten, sie seien der Messias, und werden viele irreführen."
Mt 24,9f: "Um meines Namens willen werdet ihr von allen Völkern gehasst werden. 10 Viele werden vom Glauben abfallen; sie werden einander verraten, sie werden einander hassen."

Hier das besagte Video


http://www.vita-in-deum.de/blogs/johannes/johannes/2011/10/unanstandig-oder-dumm/
http://blog.derherralipius.com/2011/10/das-kann-ja-wohl-nicht-wahr-sein.html

Dienstag, 18. Oktober 2011

Der Papst als Antichrist - Ein historischer Kommentar zu den Borgia

Der Papst ist ein böser alter Mann, der weiss trägt!
Warum?
Weiss ich doch nicht warum der immer weiss an hat!
So oder so ähnlich beginnen gerne Gespräche über den Papst und das Papsttum, vulgo Papstbasching.
Und weil damit die Sachkenntnis der meisten Papstgegner über den lebenden Hl. Vater schon endet, greift man halt auf die Toten zurück. Und da ist einer immer besonders beliebt: Alexander VI. Borgia, das Monster auf dem Papstthron, der Antichrist, der Beweis, das das Papsttum und seine Kirche böse sind. Denn eine Institution, die ein solches Monstrum auf seinem obersten Posten hatte, die kann ja nur verdorben und in sich schlecht sein. Den neuesten Beweis liefert uns gerade eine Spielfilmreihe über den apostolischen Mafiaclan.

Aber tun wir doch einfach mal einen Moment so, als wäre unser Wissen über die Epoche und diesen Papst nicht absolut fundiert, sondern bestände, natürlich rein theoretisch, nur aus Halbwissen aus TV-Semidokus, Wikipedia-Einträgen und den Berichten von BUNTE-Historikern. Vorstellung an: ... Fertig? Gut, also, was "wissen" wir über die Borgia:

Alexander VI., vormals Rodrigo Borgia, Neffe Papst Callixtus III., ein aus Aragon stammender Adliger, wird als Protege seines Onkels Kardinal, zeugt wenigstens vier Kinder und erkennt diese an. Jahre später wird er Papst, wobei Geld eine Rolle gespielt haben dürfte. Sein zweitältester Filius wird Kardinal, kein Priester, der erste soll den Clan ins römische Patriziat hineintragen, die Tochter wird, mehrmals, mit italienischen Duodezfürsten verheiratet. Alexander feiert im Vatikan rauschende Feste, lässt es sich gutgehen und protegiert seine Familie, verkauft Kirchenämter und lässt seine Gegner auch mal gewaltsam um die Ecke bringen. Die Karriere Cesares, des zweiten Sohnes, bekommt eine neue Wendung, als der Erstgeliebte, Juan, im Tiber schwimmend gefunden wird: Mit dem Kopf nach unten und blutig von Wunden. Cesare wird zum Herzog der Romagna umdekoriert, darf sich die Haare wachsen lassen und zieht mit Söldnern, Giftmischern und Dolchen ausgerüstet los um unschuldige Stadttyrannen zu tyrannisieren. Das macht er auch erfolgreich, bis sein Vater vom Tode eingeholt wird. Dessen Nachfolger denken gar nicht daran, Cesare gewähren zu lassen und jagen ihn nach Navarra, wo er bei einem Gefecht gegen aufmüpfige Basken umkommt. Seine Schwester hingegen überlebt den ganzen Terror und stirbt am Ende hochgeachtet als Fürstin eines italienischen Kleinfürstentums.

So viel, so schrecklich. Aber was ist daran jetzt so furchtbar schlimm? An sich nichts, nur das Alexander halt keine Dogenmütze, sondern eine Tirara trug. Wäre er ein stinknormaler italienischer Mittelfürst gewesen, würde sich heute kein Schwein mehr für ihn interessieren, denn von seiner Sorte gab es Männer zu Hauf im Italien des 15. Jahrhunderts. Da konnte man die Straßen mit Pflastern lassen. Was aber war Alexander anders als genau das? Im Grunde gar nichts. Gut, stink normal war er nicht. Vermutlich hatte er mehr Grips als die meisten seiner italienischen Mitfürsten, war ehrgeiziger und hatte das Ego eines Blauwales, der von Delphinen umschwommen wird. Aber sonst ....?

Nun werden sich viele erheben und rufen: Aber er war doch Papst! und unter den Rufern werden sowohl Katholiken wie auch andere Leser sein. Nun, dazu kommen wir ein andermal.

Samstag, 15. Oktober 2011

Ein Wort des Hl. Vaters

Wenngleich etwas aus dem Zusammenhang gerissen finde ich es immer noch richtig, gut und passend zum Thema Neuevangelisierung.

Neuevangelisation - muss das sein?

In diesen Tagen - heute- findet in Rom ein großer Kongress zum Thema Neuevangelisierung statt. Neuevangelisierung, das heisst, das dort, wo der Glaube zunehmend verlustig geht, der Glaube neu verkündet werden soll. Welcher Bereich ist also von Neuevangelisation besonders betroffen? Genau, Europa. Kein Kontinent ist säkularer, in keinem ist die Besinnung auf das Christentum wichtiger als hier.

Und das ist das Problem. Denn während Evangelisation, also Mission, weitgehend in fernen Weltgegenden stattfindet, also an Profis wie Priester und Laienmissionare delegiert werden kann und muss, ist bei der Neuevangelisation jeder Gläubige in seinem Umfeld gefragt. Und dann wird es auf einmal für bisschen nunangenehm.

Klar, man ist schon Christ, geht in die Kirche, glaubt an Gott und so. Und wenn man ganz eifrig ist, engagiert man sich auch im Kirchenkuchenspendenkomitee und betet regelmäßig. Und damit leisten wir auch einen guten Beitrag für die Gemeinschaft und die Kirche. Aber ist das genug? Leider eher nein. (hier Bibelzitat anführen) Unser Christsein verlangt von uns mehr, als nur im Stillen Kämmerlein und in einem bestimmten Milieu Christ zu sein. Christ ist man nicht nur im Privaten, sondern ganz und immer.

Aber, und das kann man ja niemandem vorwerfen, eigentlich hat man dazu so gar keine Lust. Wer will sich schon von den Freunden und Arbeitskollegen schief ansehen lassen, weil man den Glauben zum Thema macht. Oder wer will sich in die Stadt stellen um den Menschen etwas von Gott zu erzählen. Das ist doch Sache von irgendwelchen komischen Spinnern. Mir geht's genauso. Schon sich an der eigenen Uni hinstellen ... muss nicht unbedingt sein. Schon bei den eigenen Freunden klammert man das Thema ja gerne geflissentlich aus, es schafft nur Unfrieden. Kurz und gut: Glauben außerhalb des unmittelbaren kirchlichen Rahmens ist unbequem, dissharmonisch und passt einfach nicht!

Damit haben wir die drei zentralen Probleme einer Neuevangelisation:
1. sie bedarf in verstärktem Maße der Laien, als von uns.
2. sie ist uns unbequem.
3. sie erfordert Mut.

Doch über diese Probleme hinaus stellen wir uns die Frage: Können wir überhaupt etwas tun, um an der Neuevangelisation mitzuwirken? Lohnt es sich überhaupt, über unseren Schatten zu springen?
Viele sprechen in den letzten Jahren von einer Wiederkehr des Religiösen. Religion sei wieder wichtiger. Vor allem junge Leute würden sich wieder mehr für den Glauben begeistern. Das Abendland, Europa müsse und würde sich wieder auf seine christlichen Wurzeln bedienen. Die große Durststrecke seit den 60er Jahren, die Herrschaft des totalen Säkularismus, sei vorbei.

Ich halte das, mit entschuldigendem Verlaub, für Quatsch. Die Säkularisierung reicht in Europa sehr viel länger zurück als bis in die 60er Jahre, sie hat bereits im 18. Jahrhundert begonnen und auch im kirchlichen Binnenraum hat sie schon vor dem Vatikanum II vieles bewirkt. Das säkulare Denken hat sich derart in Europas Lebens- und Gedankenwelt eingefräst, das es genuin zu ihm gehört. Und Trends kehren sich nicht um, sie wandeln sich nur. Unser Kontinent hat schon vor langer Zeit aufgehört, christlich im Sinne einer Leitkultur zu sein. Was wir seit etwa den 60er Jahren in Deutschland erleben, ist keine Veränderung des gesellschaftlichen Gesamtklimas, sondern lediglich der weitgehende Kollaps geschlossener christlicher Milieus. Milieus, die nicht mehr generierbar sind. Machen wir uns nichts vor, wir kämpfen als Christen hier auf verlorenem Posten. Wir können lediglich versuchen, die kleine Minderheit christlicher Milieus offen für Einstiegswillige zu stabil gegen den Rest des Gesellschaft zu halten,

Und was ist die gute Nachricht? fragt ihr euch jetzt vielleicht, nachdem ich nur von Problemen gesprochen habe. Das es darauf nicht ankommt. Es kommt nicht darauf an, dass das Christentum das Abendland zurückerobert. Das die Kirchen wieder voll werden und die Menschen in Scharen gläubig. Dafür zu ringen, ist aussichtslos. Auf der Welle eines gesellschaftlichen Trends können wir nicht reiten. Müssen wir aber auch nicht. Wichtig ist nicht die Masse, wichtig ist der Einzelne. Jeder Mensch, der uns begegnet ist wertvoll, verdient es gerettet zu werden. Über den Hl. Franziskus heisst es, er habe den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Dieser große Heilige sah die Christenheit nicht, weil er nur die bzw. den Christen sah. Derjenige nämlich, der ihm gerade über den Weg lief. Dieser eine und nur der war in dem Moment wichtig, nur um ihn ging es. Und mochte auch das ganze christliche Abendland untergehen, wenn dieser eine Mensch der Erlösung durch Christus teilhaftig würde, dann war es gut.
Es ist eine unrealistische, schwärmerische Haltung, sicher. Aber es ist die Einzige, mit der der Christus heute der säkularen Gesellschaft begegnen kann. Jeder Mensch, jeder einzelne Mensch, der Mensch mit dem wir uns unterhalten ist unendlich wichtig, unendlich bedeutsam, unendlich geliebt von Gott und uns übergeben, dass wir uns um ihn sorgen und dass Heil seiner Seele erstreben.



Donnerstag, 13. Oktober 2011

Dich selbst begehre ich

Chesterton schrieb in seiner Biographie über den Hl. Thomas von Aquin eine schöne Wundergeschichte, die uns eine wesentliche Charaktereigenschaft der Heiligen vor Augen führt.

Es wird erzählt, dass der Thomas einst in der Kirche des Hl. Dominikus in Neapel ins Gebet versunken war, als der am Kreuz hängende Erlöser seine Stimme erhob, ihn lobte weil er Wahres geschrieben habe und ihm zum Lohn alles Schätze der Welt anbot.

Die Antwort, die Thomas gegeben hat, war ebenso tiefsinnig, ebenso einzigartig wie sie vielleicht erwartbar gewesen wäre. Machen wir uns bewusst, das Thomas, der Sohn eines Adligen, einst Abt von Montecassino hätte werden können, wenn er es gewollt hätte, es aber vorzog, Bettler zu werden. Diese radikale Weltabgewandtheit, diese Ablehnung allen Besitzes macht ihn jedoch noch nicht einzigartig, es gibt viele, die ähnlich gehandelt haben. Nicht nur Christen, sondern auch griechische Philosophen und Buddhisten. Man kann davon ausgehen, dass viele von ihnen Gott ähnlich geantwortet hätten: Nichts. Nichts begehre ich. Trotzdem Danke. Die berühmteste Geschichte dieser Art ist die des Diogenes, der dem Makedonenkönig Alexander antwortete, er möge ihm aus der Sonne gehen, als dieser ihm einen Wunsch gewährte. Doch was uns heute so heroisch erscheint, es verblasst gegen die Antwort des Thomas. Denn die Antwort des Diogenes, eine mildere Form des Nichts-Wollens ist ja tatsächlich eine rein Negative Antwort. Er wollte wirklich einfach nicht. In vielen asiatischen Religionen würde man die gleiche Antwort erhalten, nur das dieses Nichts doch etwas Positives hätte, da das Nichts hier etwas ist, wonach man verlangt. Es drückt dies in unseren modernen Augen eine edle Unabhängigkeit aus, eine Liebe zur Freiheit, gleich ob es Wertgegenstände oder Leidenschaften sind. Oft ist es auch eine reines Sich-selbst-genügen. Doch eine solche Haltung ist das genaue Gegenteil der Heiligkeit.

Denn der Heilige ist ja ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Bedürfnissen und Leidenschaften. Und viele Heilige begehren Dinge in dieser Welt, gleich was es sei. Besonders auf Thomas konnte dies zutreffen, denn er war ja eine jener seltenen Personen, der sich ganz außerordentlich für alles interessierte. Mochte sich ein solcher Mann auch keinen Topf voll Gold wünschen, so doch sicher eine Handschrift, die ihn in seinen Forschungen weiterbringen konnte oder die Lösung zu irgendeinem komplexen philosophischen Problem. Kurz, er dürfte wohl alles Mögliche gewünscht haben und als jenes Angebot des Weltenschöpfers kam, da hätte er sich tatsächlich auch alles Wünschen können. Die ganze Schöpfung wurde hier vom Schöpfer vor ihm ausgebreitet und seinem Wunsch zur Verfügung gestellt.

Wer kann schon von sich behaupten, in einem solchen Moment nicht schwach zu werden? Wenn wir alles, einfach alles haben könnten, was wir je wollten, ja sogar mehr, alles, was wir je hätten wollen können, wer will da schon behaupten, er würde eine edle und reine Antwort geben? Ich will es von mir nicht sagen.

Und Thomas, was antwortete dieser von Gott bereits so außergewöhnliche begnadete, heilige Mann, als man ihm die Fülle der Schöpfung darbot mit einer Kühnheit, die in dieser Form nur aus der Demut entspringen kann:
"Dich selbst begehre ich."
Thomas gibt damit Auskunft über das innerste Streben jedes Heiligen: Gott. Eines Strebens, das nicht Nebensache ist, nicht ein wichtiger Teil des eigenen Lebens, gleichberechtigt mit anderen, sondern der wichtigste, ja, der einzige, der wirklich von Bedeutung, wirklich von Interesse ist. Im Heiligen ist alles auf Gott hingeordnet, ohne ihn ist alles großartige Schaffen selbst so eines bedeutenden Mannes wie des Aquinaten wüst und leer. Das Kreuz ist die Achse seines Lebens. Christus die Sonne seines Sonnensystems. Ohne Ihn kehrt das Chaos zurück, die Wüstenei, in die Gott einst die Ordnung hineinrief. Der christliche Heilige unterscheidet sich damit fundamental vom antiken Stoiker oder vom modernen Buddhisten. Beide sind sich im Prinzip ihre eigene Sonne, sie kommen auch ohne Gott zurecht. Der Heilige hingegen ist ohne Gott verloren. Er ist zutiefst, total, ganz und absolut von ihm abhängig. Eine Abhängigkeit, die Angst macht, weil sie nur dann Sinn gibt, wenn sie durch Liebe getragen wird. Liebe, die von Gott kommt, der dem Heiligen verspricht, ihn aufzufallen, wenn er sich fallen lässt und die Hingabe des Heiligen, wenn er sich vertrauend Gott in die Arme stürzt mit den Worten des großen Hl. Thomas:
"Dich selbst begehre ich."

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Die Eigenschaft der Heiligen

Gilbert Keith  (G.K.) Chesterton beschrieb in seinem Buch über den Hl. Thomas von Aquin die Grundeigenschaft oder besser die Grundhaltung, die allen Heiligen zu eigen ist:
"Man könnte sogar sagen, daß dieses eine, das den Heiligen von dem gewöhnlichen Menschen scheidet, gerade seine Bereitschaft ist, mit dem gewöhnlichen Menschen eins zu sein. Im Englischen hängt der Ausdruck "gewöhnlich", "ordinary" mit dem Wort "order", "Ordnung", zusammen, und das Wort muß hier in dieser seiner ursprünglichen edlen Bedeutung verstanden werden. Der Wunsch nach Herausgehobenheit liegt weiter hinter den Heiligen. Er allein gehört zu jenen überlegenen Menschen, die nie überlegen Persönlichkeiten sein wollen. Und dieses alles geht auf eine große, wesentliche Tatsache zurück. Der Heilige würden sich zwar nicht dazu verstehen, diese Tatsache als ein Vorrecht zu bezeichnen, doch ihrer eigensten Natur nach, bedeutet sie eine Art von Abgesondertsein und in diesem Sinne fast etwas wie Eigentum. Wie bei allem wohlbegründeten Eigentum ist es auch hier: es genügt dem Heiligen, daß er es innehat. Er verlangt nicht danach, die Zahl derer, die es ebenfalls innehaben, zu begrenzen."  
Chesterton macht uns hier auf eine Eigenschaft aufmerksam, die damals wie heute leider vollkommene Mangelware ist: Die Fähigkeit, sich zurückzunehmen, sich in eine Ordnung einzufügen und den anderen das ihre zu belassen. Wie sehr ist es uns allen hingegen zu eigen, besonders sein zu wollen, herausgehoben sein zu wollen. Wir wünschen uns alle bewundert zu werden und halten und für etwas ganz besonderes. Das hat dann zwei Folgen: 1. sind wir frustriert, wenn die anderen das nicht genauso sehen. Und das ist ja meistens der Fall. 2. das wir uns selbst herausheben und damit der Masse der anderen als Individuum entgegentreten. Das führt dann oft dazu, dass wir uns selber erheben und die anderen herabwürdigen. Teils unbewusst, ohne das wir es wirklich jemals formulieren würden, teils auch ganz bewusst, weil die anderen unsere Großartigkeit nicht einsehen wollen und wir uns durch diese Meinung schützen wollen. Eines der wirklich krassesten Beispiele für diese Möglichkeit habe ich vor kurzem von einer Schauspielerin gehört, die betreffend ihrer alten Schule erklärte, von der sie geflogen war: „Ich passte nicht in das Schema, das Gruppenbild. Ich war ein anstrengendes, unruhiges Kind. Ich war der Störenfried, weil ich auch schon damals ein wacher, fragender Mensch war“. Mit anderen Worten, ich war schon damals ganz besonders toll und die anderen haben das einfach nicht eingesehen.

Diesen Menschen nun stellt Chesterton die Heiligen gegenüber. Sie haben zwei Fähigkeiten, die uns Normalos - mir auch - weitgehend abgehen: 1. nicht außergewöhnlich sein zu wollen und 2. kein Problem damit haben, wenn andere ebenfalls außergewöhnlich sind. Es handelt sich hierbei um jene entschiedene Haltung der Demut gegen den Schöpfer, die einmal ein alter Benediktiner mir gegenüber mit den Worten ausdrückte: Wir können uns auf unsere Fähigkeiten nichts einbilden, denn wir haben sie unverdient von Gott geschenkt bekommen. Das ist der Schlüssel zur Demut: Erkennen, das man alles Gute unverdient von Gott als Geschenk erhielt, genauso, wie der andere auch seine Fähigkeiten von Gott geschenkt bekam. Daraus entsteht Dankbarkeit dem Schöpfer und Erlöser gegenüber, die keine Herausgehobenheit braucht, weil durch das Geschenk schon alles gesagt wurde: Das Gott einen liebt.

Chesterton-Zitat: Thomas von Aquin, Franz von Assisi, Bonn 2003, S. 110, Z. 7-22.
Schauspieler-Zitat: http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/berben-in-der-schule-von-der-sie-flog-article1271121.html.
Mönch-Zitat: Will aus Demut ungenannt bleiben, ist aber in Maria Laach anzutreffen.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Atheismus ist defizitär, nicht der einzelne Nichtgläubige

Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien Michael Prüller wendet sich in einem Artikel des Standart gegen einen Leserbrief, in dem die Kirche als "Oberflächlich, gleichgültig, irrational?" angegriffen wird.
"Dass nach christlichem Verständnis der Atheismus bzw. der Agnostizismus als solcher defizitär ist, weil er einen wesentlichen Aspekt der Wirklichkeit ausblendet, erlaubt also kein abschätziges Urteil über den einzelnen Atheisten bzw. Agnostiker."
Dabei fällt mir ein Wort des Hl. Pfarrers von Ars ein: "Weil ich die Sünde hasse, liebe ich den Sünder"

Das muss ja an dieser Stelle mal offen gesagt werden: Atheismus ist natürlich sündhaft, weil er den Menschen in der Sünde hält. Denn nur durch den Glauben können wir ja zu Gott kommen. Und natürlich haben die Atheisten durch ihren Atheismus keinen Anteil an der rechtfertigenden Gnade - soweit für uns erfassbar. Und natürlich finden wir Gläubigen das nicht gut, sondern wünschen uns, dass die Ungläubigen ihr Problem einsehen. Aber doch nicht deshalb, weil wir rechthaben wollen - höchstens ein bisschen. Sondern eben weil wir sie als unsere Nächsten lieben und hoffen, dass sie errettet werden. Folgerichtig schätzen wir sie nicht gering, sondern im Gegenteil, sogar sehr hoch, weil wir uns das Beste für sie wünschen.

Ein kleine Frage zuletzt: Wenn ich manche Kommentare der geliebten Ungläubigen ansieht, frage ich mich, warum sich Leute, die nicht an die Sünde glauben, sich so auf den Schlips getreten fühlen, wenn man sie als Sünder bezeichnet?

http://derstandard.at/1317019785114/Atheismus-ist-defizitaer-nicht-der-einzelne-Nichtglaeubige
http://blasphemieblog2.wordpress.com/2011/10/11/atheismus-ist-defizitar-nicht-der-einzelne-nichtglaubige/

Die Heiligen - Vorbilder und Lehrer im Glauben

Johannes schrieb:
"Wenn überhaupt, dann sollten wir in Sachen Kirchenreform besser überlegen, woher wir sie speisen. Bei Reformern sollte mehr beachtet werden, wer ihre Lehrer waren und in welcher Schule sie gelernt haben. ... Wahrscheinlich gibt es nur eine wirklich sichere Nummer: Das ist die unserer Heiligen. Sie sind in ganz besonderer Weise unsere Lehrer und was sie sagen und schreiben, sollte mehr Gewicht bekommen und insgesamt viel mehr Beachtung finden." http://www.vita-in-deum.de/blogs/johannes/johannes/2011/10/die-heiligen-als-unsere-lehrer/
Dem kann ich nur beipflichten und weiss eigentlich nichts hinzuzufügen.
Mache ich natürlich trotzdem.
Denn zu dem was die Heiligen sagten und schrieben kommt natürlich noch das hinzu, was sie taten. Denn was die Heiligen ja meistens auszeichnet ist ja, dass das, was sie lehrten, dem entsprach, wie sie lebten. Eine Seltenheit, durch die Geschichte hindurch. Noch seltener war und ist indes, dass es noch eine dritte Übereinstimmung gibt, nämlich mit den Lehren der Kirche. Die Heiligen sind somit Personen, die sich deshalb so gut als Vorbilder eignen, weil sie eine dreifache Übereinstimmung aufweisen: Was sie taten, lehrten sie, was sie lehrten, glaubten sie mit der Kirche.

Natürlich, so fair müssen wir sein, gibt es auch hier eine gewisse Hierarchie. Denn wenngleich Gott keinen Unterschied unter den Heiligen machen dürfte, die Kirche tut es sehr wohl und sie kommt damit der Verfasstheit der Welt entgegen. Denn nicht alle Heiligen sind ja in gleicher Weise geeignet, unsere Lehrer und Vorbilder zu sein. Daher empfiehlt die Kirche bestimmte Personen besonders. Diese nennen wir Kirchenlehrer. Mittlerweile gibt es 33, als ich das letzte mal nachgezählt habe, in Bälde kommt wohl Nr. 34 hinzu, Johannes von Avila.

Neben diesen gibt es noch zahlreiche andere populäre und weniger bekannte Heilige, die sich dazu eignen, uns Formen des katholischen Glaubens zu lehren. Allerdings muss man leider sagen, dass die Heiligen, und zwar alle, viel zu wenig gelehrt werden. Weder in den katholischen Fakultäten, wo man 100 mal was von Rahner aber nur einmal was von Thomas von Aquin hört - weil Rahner was zu ihm gesagt hat - noch von den Kanzeln, wo man lieber vom ökumenischen Kaffeeklatsch der Tante Inge als Beispiel echter christlicher Geschwisterlichkeit oder Luther heilig spricht, als sich mit den echten Heiligen zu befassen.

Allerdings gibt es durchaus Hoffnungsschimmer. Nicht nur weil der Hl. Vater ein großer Verfechter der Kirchenvätertheologie ist - seine Bücher über sie fassen bald ein kleines Bücherregal - sondern auch, weil ihre Schriften und ihr Leben nicht mehr gutbestückten Theologenbibliotheken vorbehalten bleiben. Zahlreich sind mittlerweile die Webseiten, die für ganz Umsonst viele ihrer Texte und Lebensgeschichte wiedergeben und. dank Suchmaschinen, auch einem Normalo wie mir ermöglichen, zu bestimmten Fragen Texte und Stellen bequem zu suchen.

An alle, die dergleichen zusammenstellen und am Laufen halten hier ein herzliches Vergelt's Gott und eine Aufforderung an alle, doch munter mitzumachen und den Schatz mitzuheben. 


Ganz hervorragend, aber leider nur für die Antike: http://www.unifr.ch/bkv/index.htm
Auch nicht schlecht, nur leider protestantisch: http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=inhaltsverzeichnis
Ein Klassiker für Heiligenbiographien: http://www.heiligenlexikon.de/

Der Gehorsam - Kapitel V

Aus der Regel des Hl. Benedikt:

Der erste Schritt zur Demut ist Gehorsam ohne Zögern. Er ist die Haltung derer, denen die Liebe zu Christus über alles geht. Wegen des heiligen Dienstes, den sie gelobt haben, oder aus Furcht vor der Hölle und wegen der Herrlichkeit des ewigen Lebens darf es für sie nach einem Befehl des Oberen kein Zögern geben, sondern sie erfüllen den Auftrag sofort, als käme er von Gott. Von ihnen sagt der Herr: "Aufs erste Hören hin gehorcht er mir."

Und ebenso sagt er den Lehrern: "Wer euch hört, hört mich." Daher verlassen Mönche sofort, was ihnen gerade wichtig ist, und geben den Eigenwillen auf. Sogleich legen sie unvollendet aus der Hand, womit sie eben beschäftigt waren. Schnellen Fußes folgen sie gehorsam dem Ruf des Befehlenden mit der Tat. Mit der Schnelligkeit, die aus der Gottesfurcht kommt, geschieht beides rasch wie in einem Augenblick: der ergangene Befehl des Meisters und das voll brachte Werk des Jüngers.

So drängt sie die Liebe, zum ewigen Leben voranzuschreiten. Deshalb schlagen sie entschlossen den engen Weg ein, von dem der Herr sagt: "Eng ist der Weg, der zum Leben führt." Sie leben nicht nach eigenem Gutdünken, gehorchen nicht ihren eigenen Gelüsten und Begierden, sondern gehen ihren Weg nach der Entscheidung und dem Befehl eines anderen. Sie bleiben im Kloster und haben das Verlangen, dass ein Abt ihnen vorstehe.

Ohne Zweifel folgen sie auf diesem Weg dem Herrn nach, der sagt: "Ich bin nicht gekommen, meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat." Ein Gehorsam dieser Art ist nur dann Gott angenehm und für die Menschen beglückend, wenn der Befehl nicht zaghaft, nicht saumselig, nicht lustlos oder gar mit Murren und Widerrede ausgeführt wird. Denn der Gehorsam, den man den Oberen leistet, wird Gott erwiesen; sagt er doch: "Wer euch hört, hört mich."

Die Jünger müssen ihn mit frohem Herzen leisten, denn Gott liebt einen fröhlichen Geber. Wenn aber der Jünger verdrossen gehorcht, also nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit dem Herzen murrt, so findet er, selbst wenn er den Befehl ausführt, doch kein Gefallen bei Gott, der das Murren seines Herzens wahrnimmt. Für solches Tun empfängt er keinen Lohn, sondern verfällt der Strafe der Murrer, wenn er nicht Buße tut und sich bessert.

Montag, 10. Oktober 2011

Wieviel Sex braucht der Mensch?

Ein sehr interessantes Interview auf Kathnet mit dem Tagungsleiter der Fachtagung „Zölibat und Beziehung“ Raphael Bonelli, die in Heiligenkreuz stattfindet.

Hier mein Lieblingszitat:

"Bonelli: Ich glaube, der Zölibat war nie zeitgemäß. Das ist kein Kriterium. Der Zeitgeist wandelt sich ständig, aber immer ist er ein bisserl vereinfachend und oberflächlich. Deswegen kommen auch manche Ideen immer wieder. Dass jeder Mensch unbedingt Sex braucht, haben schon die Nazis verbreitet, zum Beispiel. Schon damals war der Zölibat nicht zeitgemäß: wer damals „fortschrittlich“ war, dachte eben naturalistisch. Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist immer eine Provokation. In jeder Gesellschaft. Sie ist immer auch Minderheitenprogramm: nie Empfehlung an die Masse."
Das ganze Interview findet man bei:
http://www.kath.net/detail.php?id=33436

Gehorsam gegen Rom

Ich will es nicht leugnen: Ich hege durchaus gewisse Sympathien für die Piusbruderschaft.
Nicht nur, weil ich instinktiv für die bin, auf die die Mehrheit besonders gerne draufhaut und nicht nur, weil ich den Umgang von großen Teilen der deutschen Kirche und der Medien reichlich hysterisch finde. Sondern auch, weil ich ihren Willen, in den Stürmen der Zeit den katholischen Glauben auch gegen große Widrigkeiten zu verteidigen, bewundernswert finde.

Allerdings gebe ich auch zu, dass mir langsam das Verständnis abhanden kommt. Ich habe mich sehr über die Initiative des Papstes gefreut, mit der er die Piusbrüder wieder heim holen wollte, nachdem sie sich faktisch abgespalten haben. Und ich habe gehofft, dass die mitunter etwas seltsamen Gewohnheiten der Bruderschaft dadurch in etwas vernünftigere Bahnen gelenkt werden würden und man das Potential, das unleugbar in ihr steckt, für die ganze Kirche nutzbar machen könnte. Doch scheinen sich diese Hoffnungen zu zerschlagen. Denn während der Papst der Bruderschaft die Hand reicht, scheint die der Meinung zu sein, man müsse das Kirchenschiff jetzt gleich ganz kapern oder wieder davon rudern.

Dabei bestreite ich nicht, dass es für den Generaloberen schwer ist. Die Gemeinschaft hat sich wesentlich im Konflikt mit dem „modernistischen“ Rom herausgebildet und wurde vom Gründungsmythos getragen, dabei dem Rom aller Zeiten treu zu sein. Das sie dabei im wesentlichen eine spezifische Spielart Roms, den Pianismus zwischen 1850-1960, konservierten, muss ihnen vorgehalten werden. Natürlich hat das Vatikanum II zu Brüchen geführt, das will ja niemand leugnen. Manche finden das gut, andere nicht, wie ich zum Beispiel. Dass Brüche aber in der Kirchengeschichte normal waren und dass sie immer wieder geheilt wurden, wenn es auch lange dauerte, das muss doch aber mal gesagt werden. Nicht zuletzt auch, dass auch Lehramtspositionen immer ausgehandelt werden mussten. Mit der Aussage "Wir rühren uns nicht" wäre das Christentum nicht besonders weit gekommen.

Wie weit dabei Neues in das Alte integrierbar ist, ist eine andere Frage. Aber gerade für diese Frage gibt es ja ein höchstes Lehramt, das Papsttum, das hier in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche entscheiden kann. Das dergleichen oft unter heftigen Schmerzen geschehen ist, für alle beteiligten Parteien, lässt sich an zahllosen Stellen in der Kirchengeschichte zeigen. Letztlich aber haben sich die treuen Katholiken immer dem Papst unterworfen oder sind komplett ausgeschert. Gehorsam gegen Rom ist nicht nur wünschenswert, es ist eine erwiesene Notwendigkeit. Und man kann sich halt nicht aussuchen, gegen wen man Gehorsam ist, ob gegen das eine oder das andere Rom. Es gibt eben nur den einen Papst, das eine Lehramt und trotz aller Brüche und trotz aller Veränderungen ist und lehrt Benedikt XVI. das gleiche wie Petrus: Der Stellvertreter Jesu Christi, der das Haupt des mystischen Leibes Christi, seiner Kirche, ist.

http://blog.derherralipius.com/2011/10/die-piusbruder.html
http://elsalaska.twoday.net/stories/42998758/

Limburger Dom: Altäre II



die beiden Bilder geben den alten Altar noch ein mal in besseren Ansichten wieder




Hier können wir sehen, dass zwischenzeitlich umgebaut und der Altar einen neuen Tabernakel erhalten hat.

Limburger Dom: Altäre


Heutiges Aussehen


Alter Altar

Sonntag, 9. Oktober 2011

Tantum ergo

Aus unaktuellem bzw. zeitlosem Anlass meine Lieblingsversion des Tantum ergo

Was ist Beharrlichkeit?

Thomas von Aquin antwortet:
"Die Standhaftigkeit rechnet zur Beharrlichkeit, da sie denselben Zweck im Auge hat, nämlich gegen die Schwierigkeit fest auf dem Guten zu bestehen, was für eines es auch sein mag; immerhin liegt in Bezug auf das, was Schwierigkeiten macht, die größte Übereinstimmung mit der Geduld vor." (Summa Theologica, II-2,136,3)
Thomas weist uns hier auf zwei Punkte hin, die für das Christenleben, besonders in der heutigen Zeit, von großer Bedeutung sind. Zum einen beharrlich auf das Gute zu bestehen und die Schwierigkeiten geduldig zu ertragen.

Diese beiden Fähigkeiten müssen wir gerade jetzt für uns und für die ganze Kirche von Gott als Gnade erflehen. Denn die Gemeinschaft der Gläubigen wird nicht nur von außen bedroht, sondern auch von innen drohen ihr Gefahren. Eine dieser Gefahren ist die Uneinigkeit. Nein, ich meine nicht die fehlende Ökumene. Dieser Bruch ist auch schlimm, aber das führt jetzt heute doch zu weit. Aber es gibt ja genug andere Beispiele, wie z.B. ... ach ich weiss nicht ... die Herbstversammlung der deutschen Bischöfe und ihre Interpretation der Papstworte.

Nicht das ich jetzt behaupten wollte, die deutschen Bischöfe wären ein Problem. Ganz und gar nicht. Ich kenne mehrere von ihnen und würde das so nicht sagen. Aber ich frage mich doch manchmal, ob sie wirklich Teil der Lösung sind. Und dadurch entsteht das Problem. Denn die Kirche ist ja nun mal episkopal organisiert und wir Laien können noch so tolle Ideen haben und noch so engagiert sein, wenn die Bischöfe uns auflaufen lassen, tut sich nix. Das funktioniert aber auch von oben. Der Papst kann noch so tolle Ideen haben und noch so engagiert sein, wenn die Bischöfe ihn auflaufen lassen, tut sich nix. Und dieses Gefühl kann man an einigen Stellen so ein bisschen haben. Das deutsche Episkopat scheint mitunter dazu zu tendieren, sein eigenes Süppchen zu kochen. Zwar sollen die Bischöfe ihre Diözesen eigenständig führen, daran gibt es nichts zu rütteln. Die Vorstellung, die Kirche sei eine papale Monarchie ist zwar immer wieder in der Geschichte vertreten worden, hat sich aber nie so durchgesetzt, wie einige Anhänger der Idee gerne tun. Und natürlich kann man alles auslegen und muss Worte interpretieren, auch die eines Papstes, wenn er nicht gerade sowas sagt wie: "Ihr sollt .... !" Und das dafür die Bischöfe oft geeigneter sind als z.B. ich sei auch gar nicht abgestritten. Aber wenn z.B. der Hl. Vater von Privilegien spricht, von denen sich die Kirche trennen muss, man aber bei der offiziellen Stellungnahme der Bischofkonferenz den Eindruck hat, dass die Kirche überhaupt keine Privilegien habe, kommt man schon ins Grübeln. Oder wenn der Papst eindeutig alle Glieder der Kirche in Deutschland ermahnt, aber nach der Aussage der Bischöfe der Papst hier alles supi findet, zumindest organisatorisch, könnte man sich auch mal wundern.

Aber ich komme vom Thema ab. Es geht ja um Beharrlichkeit und Geduld. Wir wollen daher weniger jammern - auch wenn wir das gerne tun – sondern lieber uns in diesen beiden Tugenden üben, indem wir beharrlich zum Hl. Vater und unseren Bischöfen stehen und geduldig darauf warten, dass sie in Gemeinschaft mit dem Stellvertreter Jesu Christi die Probleme der Kirche anpacken, damit wir wiederum gemeinsam mit ihnen in der Welt um uns um unser aller Heil streiten können.

PS: Und wir beten, dass Rom nicht mit den deutschen Bischöfen die Geduld verliert.

http://predigtgarten.blogspot.com/2011/10/bischofskonferenz-erklart-uns-endlich.html
http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/articolo.asp?c=527010

Samstag, 8. Oktober 2011

Ist die Demut die wichtigste der Tugenden?

Thomas von Aquin antwortet:

"Nach den gottkundlichen und den verstandlichen Tugenden und nächst der gesetzlichen Gerechtigkeit ist die Demut die ausgezeichnete und wichtigste der Tugenden. ... Dergestalt nimmt die Demut den ersten Platz ein, insoweit sie nämlich dem Hochmut vertreibt, dem Gott widersteht, insofern sie den Menschen ergeben und immer bereit hält, den Einstrom der göttlichen Gnade aufzunehmen, indem sie ihn leer macht von der Aufgeblasenheit des Hochmutes" (Summa Theologica, II-2, 161,5)
Thomas weist also der Demut einen herausragenden Platz unter den Tugenden zu, jedoch nicht den ersten Rang. Dieser gebürt den gottkundlichen oder theologischen Tugenden, denen die Tugenden des Verstandes folgen. Unter den theologischen Tugenden versteht man die drei Primärtugenden Glaube, Hoffnung. Diesen folgen die verstandesmäßigen oder die weltlichen Tugenden, also Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit und Mäßigung. Das Thomas diese sieben sogenannten Kardinaltugenden vor die Demut stellt hängt damit zusammen, dass er in der antiken wie kirchlichen Tradition steht, nach denen in diesen sieben Primärtugenden alle anderen enthalten sind. Als nächstes folgt dann immer noch nicht die Demut, sondern die Gerechtigkeit im Gesetz, denn nur wenn diese von allen, oder möglichst vielen, eingehalten wird, entsteht ein Bereich, in dem die Tugenden geübt werden können.

Nun jedoch folgt die Demut vor allen anderen Tugenden. Als Grund hierfür gibt Thomas den besonderen Charakter in der Gnadenordnung Gottes an. Denn alle wahren Tugenden bringt der Mensch nicht aus der eigenen Natur hervor, die von der Erbsünde belastet ist, sondern sie werden ihm von Gott eingegossen. Hierfür aber ist es notwendig, dass der Mensch dem Gnadenhandeln Gottes kein Hindernis in den Weg legt, und dieses Hindernis wegzuräumen und den Weg freizuhalten ist die Aufgabe der Demut. Denn die erste Bewegung, die die Demut im Menschen regt, ist das Vertreiben des Hochmutes. Denn der Hochmut lässt den Menschen glauben, er könne aus sich selbst heraus gut sein, er könne sein Heil selbst hervorbringen, er brauche Gott nicht. Eine heute weit verbreitete Meinung. Einmal sagte einmal ein älterer Mann zu mir, er brauche weder Gott noch die Religion, um ein guter Mensch zu sein. Ein klassischer Fall von Hochmut, der dem Menschen den Blick auf seine Bedürftigkeit verwehrt. Wird der Mensch hingegen demütig, dann schätzt er seine Lage richtig ein. Dann wird der Hochmut von ihm abfallen und er wird seine Hilfe nicht mehr bei sich selbst suchen, sondern er wird sich an den einzigen wirklichen Helfer wenden, Jesus Christus. Auf diese Weise bereitet die Demut das Feld dafür, dass der Mensch die weiteren Tugenden von Gott hilfreich empfangen kann. 

Doch damit ist die Aufgabe der Demut noch nicht beendet. Denn der Mensch tendiert ja immer wieder dazu, in seine alten Neigungen zurückzufallen. Dann glaubt er, dass das Gute, was sich in ihm und durch ihn entwickelt hat, seine eigene Leistung wäre. Wir kennen das alle: "das hast du aber wieder toll gemacht" oder "da warst du mal wieder ein richtig guter Kerl" denke ich mir dann. Und vergesse dabei, dass nicht ich es war, der Gutes wirkte, sondern Gott. Wer sich aber immer wieder auf seine Demut besinnt, dem wird schnell bewusst, wie falsch seine hohe Meinung von sich selber und es alles heiße Luft war. Dann können wir sie ablassen und wieder Platz schaffen für die Gnade, indem wir uns erneut vor Christus nieder werfen, unsere Unwürdigkeit bekennen und um seine Hilfe flehen.

Natürlich werden wir immer wieder das Gefühl haben, besonders grandios zu sein, dass gehört dazu. Daher sollte die Demut auch regelmäßig wieder eingeübt werden. Am besten täglich. Ich selbst habe es als hilfreich erfahren, am Abend, bevor ich zu Bette gehe,
das Confiteor, das Schuldbekenntnis, zu beten und bei dieser Gelegenheit meine Sünden vor Gott auszubreiten, um Verzeihung zu bitten und anschließend für alles Gute zu danken, was er dennoch in mir und durch mich bewirkt hat.

Zu den sieben Kardinaltugenden vgl. z.B.:
http://www.uni-kiel.de/gza/2/Friedrich/Themenseiten/Tugenden/Tugenden.htm
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