Freitag, 16. Dezember 2011

Sind die Fastenzeiten sinnvoll festgelegt?

der Hl.Thomas antwortet:
"Das Fasten ist auf zweierlei hingeordnet, nämlich die Tilgung der Schuld und auf die Erhebung des Geistes zu Höherem (Art. 1 u 3) Und daher waren Fasten besonders für jene Zeiten anzusetzen, in denen die Menschen von der Sünde gereinigt werden sollten und der Geist der Gläubigen andächtig zu Gott erhoben werden sollte. Darauf kommt es vor allen Dingen vor der Feier des Osterfestes an. ... und aus demselben Grunde an den Vortagen der Hauptfeste, an denen wir uns vorbereiten sollen, die kommenden Feste andächtig zu feiern. ... Die Fasten nun, die durch das Gebot der Kirche eingesetzt sind, sind mehr Fasten "der Trübsal", die an den Tagen der Freude nicht am Platz sind. Daher ist von der Kirche in der ganzen Osterzeit kein Fasten angesetzt und auch nicht an den Sonntagen."
Thomas weist uns hier auf einige entscheidende Punkte des Verständnisses des Fastens hin. Wir beginnen mit dem Punkt des Fastens "des Trübsals". An einer anderen Stelle unterscheidet Thomas zwischen dem Fasten des Jubels und dem Fasten des Trübsals. Das erste ist vom Heiligen Geist, der der Geist der Freiheit ist, eingegeben und wird daher von der Kirche nicht geboten. Zugleich erklärt uns Thomas auch, wann wir nicht fasten sollten, nämlich während der kirchlichen Freudenzeiten, wobei er hier die Osterzeit und die Sonntage erwähnt. Ergänzen könnte man hier die Hochfeste und die Weihnachtszeit.
Die Kernbotschaft des Thomas ist aber meiner Meinung nach, dass Fasten immer in einem spezifischen Kontext steht. Nicht umsonst beschäftigen sich auch viele Ordensregeln, z.B. die Benediktsregel, damit, wann die Ordensmitglieder fasten sollen und wann nicht. Man soll eben nicht fasten, wie es einem gerade in den Kram passt, sondern im Einklang mit den jeweiligen Zeiten und Ereignissen.
Denn fasten kann ja durchaus auch eine schädliche Wirkung haben, das wollen wir nicht verschweigen. Es soll Leute geben, die haben sich zu Tode gefastet oder sind durch allzu exessives Fasten unausstehlich geworden. Ein radikales Beispiel sind die Katharer, unter denen es als besonders fromme und den Menschen vervollkommnende Tat galt, sich regelrecht zu Tode zu fasten, also so lange keine oder kaum Nahrung zu sich zu nehmen, bis man daran starb. Einem Katholiken, der auf die Bestimmungen der Kirche hört, würde das nie passieren. Spätestens am Sonntag wäre Essen angesagt. Denn es ist ja das schöne, dass wir nicht nur ermahnt werden, zu fasten, wenn es dafür Zeit ist, sondern auch gut und reichlich zu essen, wenn es angebracht ist. Oder, um noch mal die Hl. Theresa von Avila zu zitieren: Wenn Fasten dann Fasten, wenn Rebhuhn dann Rebhuhn.

Quelle: Thomas von Aquin: Summa Theologica, II,2-147,5

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