Mittwoch, 21. Dezember 2011

Ist die Bibel allein und ausschließlich das Maß des Glaubens?

Einige von uns haben vielleicht das Vergnügen - keine Ironie - auch mit überzeugten Christen aus anderen Gemeinschaften öfters ins Gespräch zu kommen. Sollte das nicht der Fall sein, so will ich an dieser Stelle mal ganz ökumenisch dafür werben. Ich finde es immer sehr erhellend, sich mit Menschen zu unterhalten, die eine dezidiert andere Meinung über die Glaubenslehren haben, mit denen man aber den Kern, das Christus wahrer Gott und wahrer Mensch und unser Erlöser ist, teilt. Man lernt auch seinen eigenen katholischen Glauben viel besser kennen, wenn man nicht immer nur über Zölibat und Frauenpriestertum diskutieren muss, denn dafür interessieren sich überzeugte Christen wenig. Aber natürlich kommt man immer schnell an ein Ende, wenn sich die geliebten Brüder und Schwestern an ihre Bibel klammern und erklären, dass alleine sei wichtig und alles andere könne getrost auf den Kerichthaufen. Ich habe mich in diesem Zusammenhang einmal gefragt, ob diese Meinung wirklich in der Bibel stände. Und schau dar, tut sie nicht. Daher für alle, die die Freude solcher Bekannte zu haben oder sich welche zulegen möchten, hier mein kleiner Beitrag zum Thema: die Bibel allein.
Alle, die es wirklich schaffen, sich durch den Beitrag zu mühen - Dank und Respekt - seien an dieser Stelle gebeten, mich über Kommentar auf eventuelle Fehler oder auf Verbesserungsvorschläge hinzuweisen.

Frage:
Ist die Bibel allein und ausschließlich das Maß des Glaubens oder gibt es noch weitere Quellen, aus denen die Kirche und mit ihr ihre Glieder schöpfen können?
Antwort I:
Ja, die Bibel ist alleine und ausschließliches Maß des Glaubens, denn:
1.         der Evangelist warnt davor, den Überlieferungen zu trauen, die dazu verführen, die Schrift zu übertreten, wenn er schreibt: „Warum übertretet ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung Willen? … ihr habt so das Gebot Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen.“[1]; Auch lehrt der Apostel Paulus: „Und aus eurer eigenen Mitte werde Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her.“[2]
2.         Und Johannes wird sogar noch deutlicher, wenn er schreibt: „Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buch geschrieben sind.“[3], was von Paulus bestätigt wird, wenn er schreibt „Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas entgegen dem verkündigen, was wir euch als Evangelium verkündet haben: er sei verflucht!“[4]
3.         Hingegen versichert der Herr selbst: „Wenn ihr in Meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.“[5] und „Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist. Der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.“[6]
4.         Zum Glaubensgehorsam gegenüber der Schrift werden durch den Apostel alle Christen verpflichtet, wenn er lehrt: „„… die Offenbarung des Geheimnisses, das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war, jetzt aber offenbart und durch prophetische Schriften nach dem Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen bekanntgemacht worden ist.“[7]
5.         Zudem schreibt er, über die Notwendigkeit und den Nutzen dieses Gehorsams: „… die heiligen Schriften … die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur  Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.“[8]
Erwiderung:
Andererseits lehrt der Apostel: „Ich lobe aber euch, dass ihr in allem meiner gedenkt und die Überlieferung, wie ich sie euch überliefert habe, festhaltet.“[9] Und „Also nun, Brüder, steht fest und haltet die Überlieferung, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch Wort oder durch unseren Brief.“[10] Paulus spricht hier also durchaus von einer Überlieferung, worunter jedoch nicht die Schrift bzw. ihre Vorformen originär verstanden werden kann, da der Apostel im Thessalonikerbrief eindeutig zwischen seinen Briefen unterscheidet, die uns heute noch wenigstens teilweise zugänglich sind und dem Wort, also seinen Predigten, die nicht schriftlich auf uns gekommen sind. Durch diese Differenzierung, die uns auch im Korintherbrief begegnet, verleiht Paulus auch dem nicht-geschriebenen Inhalte der Lehre der Apostel Autorität.
Antwort II:
Die durch Paulus vorgetragenen Forderungen, nicht nur der Schrift, sondern auch der bzw. seiner Überlieferung zu vertrauen, sind auf zweierlei Weise zu interpretieren: Zum einen in Bezug auf die Zeit, in die die Briefe hineingeschrieben sind, zum anderen in Bezug auf die ganze Kirche.
Zum einen kann man natürlich sagen, dass die Überlieferung des Apostels einen anderen Charakter hat als die Überlieferung, die die Kirche heute für sich in Anspruch nimmt. Sie ist nämlich ursprünglicher, weil sie nur einmal gebrochen ist, nämlich durch die Erzählungen der anderen Apostel über Christus an den nacherwählten Paulus. Zum anderen weil damals die Heilige Schrift noch nicht vollständig war, teils weil noch nicht geschrieben, teils weil noch nicht kanonisch zusammengefasst, sodass man Überlieferung auch als Teil der heiligem Schrift lesen kann. Daher unterscheidet die Kirche zwischen der eigentlichen Überlieferung der Apostel, inspiration, die die Offenbarung enthält, und die der Kirche, assistentia, die sie mit dem Beistand (daher der Name) des Heiligen Geistes formuliert.[11]
Zum anderen weist uns der Satz des Paulus jedoch auf das Johannesevangelium weiter, in dem geschrieben steht: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.“ Zusammen mit den Paulusworten zeigt das einen wesentlichen Aspekt der Offenbarung, den wir in unserem menschlichen Streben, alles festzuhalten, leicht vergessen. Nämlich dass Christus alleine die Fülle der Offenbarung ist. „Wer mich sieht, sieht den Vater“[12] Auch erklärt der Herr: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben…“[13] Es ist an keiner Stelle von einem Buch die Rede, sondern immer von der Bejahung der Lehre Christi, wie sie in der Fülle alleine vom ihm selber kommt. Die Schrift und mit ihr alle Schriften über Christus werden immer nur als Auswahl dargestellt, die nur einen Teil darstellen, aber hinter dem ganzen Christus zurückbleiben müssen.[14] Denn wie im Johannesprolog verkündet wird: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott ...[15] Und das Wort ist Fleisch geworden…“[16] Das Wort Gottes ist demnach Jesus Christus selber. Und nur er. Alles andere leitet sich hiervon lediglich ab und ist demnach nachgeordnet. Die Bibel als Heilige Schrift ist ohne Zweifel Wort Gottes, insoweit sie inspiriert ist, insoweit, als dass sie das richtig enthält, was die Apostel inspiriert gelehrt haben. Sie erhält also, wie Paulus darlegt, ihre Autorität aus der jener der Apostel, wie aus 1 Kor 11,2 klar hervorgeht, wo Apostel jene lobt, die seiner und seiner Lehre gedenken. Doch enthält sie nicht die ganze Lehre der Apostel, sondern eben nur einen  Teil. Wer also behauptet, die Bibel alleine sei das Wort Gottes und hätte allein Autorität, kappt einen Teil der Offenbarung, die die Apostel von Christus erhalten und entsprechend gelehrt haben und die die Kirche mit dem Beistand des Heiligen Geistes weitergegeben hat.
Untersuchungen:
Zu 1: Der Vorwurf des Herrn richtet sich an die Pharisäer, die durch ihre Schriftausdeutungen eine eigene Überlieferung herausgebildet haben, deren Grundsätze dem Wesen der Heiligen Schrift widersprechen. Als Mahnung ist dieses Wort grundsätzlich an jeden gerichtet, der mit der Schrift, sowohl Altes wie Neues Testament, umgeht und der natürlich immer interpretiert und diese Interpretation in Gemeinschaft weitergibt. In diesem Kontext steht auch das Wort des Paulus, der vor denen warnt, deren Interpretation des Glaubens fehlerhaft ist und die dadurch die Jünger Christi, denen sie vormals angehört haben, in die Irre leiten können. Das Wort kann daher in einem weiteren Sinne nicht auf eine bestimmte Überlieferung angewendet werden, sondern grundsätzlich auf jede Form der Deutung, wie sie immer und zu allen Zeiten geschieht; z.B. ist das Glaubensbekenntnis genauso eine Deutung der Offenbarung wie die Sola-scriptura-Lehre. Stets muss also gemäß der Warnungen der Schrift geprüft werden, was Inhalt des wahren Glaubens ist und was Täuschung und Irrung. Im Kontext der Worte gegen die Pharisäer steht jedoch noch eine weitere Bibelstelle, die zeigt, dass die Pharisäer zwar falsche Lehren vertreten und leben können, doch betreff ersteren durchaus auch richtiges. So weist der Herr das Volk an: „Die Schriftgelehrten und Pharisäer haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen…“[17] Jesus würde die Gläubigen aber nicht darauf anweisen, etwas grundsätzlich Falsches zu tun, sondern er zeigt den Menschen die Lehre der Pharisäer, soweit sie mit der Hl. Schrift übereinstimmt, was, wie gezeigt zu prüfen ist, als nachahmenswert.
Zu 2: Der Bann des Johannes ist eine klassische Versicherungsformel, die das konkrete Werk davor schützen soll, durch Hinzufügungen verunstaltet zu werden. Wenn wir genau hinsehen spricht Johannes auch nicht von der Bibel als Buch oder, was damals treffender wäre, von den Heiligen Schriften, sondern nur von seinem Buch, da er sich explizit auf die Weissagung bezieht, die er gemacht hat und für die er mit Sicherheit sagen kann, dass das alle waren, die er persönlich von Gott in Bezug auf diese besondere Sache empfangen hat. Hieraus die Vorstellung zu entwickeln, nur weil es das letzte Buch sei bezieht es sich auf den ganzen Inhalt der Bibel ist unangemessen, 1. weil es damals keinen Kanon gibt, der mit der Offenbarung abschließen würde,[18] 2. sich das hinzufügen eindeutig auf schriftliche Hinzufügungen bezieht, da er von dem Buch spricht, 3. weil der Kontext des Textes eindeutig eine andere Sprache spricht. So finden wir in anderen Bibelübersetzungen die Worte „dieses Buch“ nicht einmal, sondern zweimal.[19] Zudem schreibt der Autor eine weitere Warnung oder Bannformel: „… so wird Gott seinen Anteil am Holz des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben ist, wegnehmen.“[20] Die heilige Stadt Jerusalem ist aber nun eindeutig ein Bild, das sich auf die Offenbarung bezieht, während die Bezugsformulierung, hier mit „diesem Buch“ wiedergegeben, stets die gleiche ist. Das Pauluswort steht in einem anderen Kontext, weil es hier nicht um Hinzufügungen, sondern um Verfälschungen geht. Der Apostel verflucht jene, die etwas anderes lehren als er, in dem Sinne, dass Inhalte falsch wiedergegeben werden, nicht in Bezug auf Ergänzungen. Es kann dieses Wort besonders eindringlich als Wort gegen die Irrlehren verstanden werden, die die frühe Kirche bedroht haben, wie z.B. die Gnostiker u.a.
Zu 3: Beide Textstellen sind zwar in sich vollkommen richtig ausgelegt, beziehen sich aber nicht unmittelbar aufeinander. Während die erste Stelle ein Wort des Herrn ist, der denjenigen, die ihm zuhören verkündet und versichert, dass in seinem Wort das Heil liegt, ist die zweite Stelle ein Autorenkommentar bzgl. des Gesamtinhaltes des Buches. Die Aussage des Herrn „mein Wort“ bezieht sich damit nicht explizit auf das Johannevangelium im Besonderen oder die Bibel im Allgemeinen, sondern auf das, was Christus während seiner Lehrtätigkeit verkündet und an die Apostel als Träger weitergegeben hat, wie es in der Schrift steht: „Die elf Jünger (die Apostel) gingen nach Galiläa auf den Berg … und lehrt sie, alles zu befolgen. Was ich euch geboten habe.“[21] Natürlich ist, wie wir vormals gezeigt haben, nicht alles, was Er verkündete, in der Bibel niedergelegt. Das ist auch ihrem Charakter nach gar nicht nötig. Denn die Bibel stellt ja, wie wir am Ende des Johannesevangeliums lesen können, gar nicht den Anspruch, vollständig zu sein, um ihre Funktion zu erfüllen. Diese Funktion besteht darin, den Glauben an Jesus Christus zu ermöglichen und durch den Glauben das ewige Heil zu gewinnen. Das „in meinem Wort bleiben“ bezieht sich folgerichtig nicht auf die Bibel an sich, sondern auf die Gesamtoffenbarung.
Zu 4: Es scheint tatsächlich so, dass Paulus uns hier auf die Bibel verpflichtet, wenn er die „Schriften“ als Instrument ausweist, mit denen die Offenbarung an die Nationen weitergegeben werden. Nur macht man bei dieser Auslegung das Instrument zum Ursprung. Denn der Glaubensgehorsam bezieht sich nicht auf die Schriften selber, sondern auf die Offenbarung, für die die Schriften nur eine Mittlerrolle übernehmen. Die Schriften sind hier das Medium des Glaubens, durch die der Gläubige zum Glaubensgehorsam befähigt wird. Es muss aber diese Unterscheidung zwischen der Offenbarung an sich, die Christus ist und die durch Christus in die Welt kam, und der Bibel als deren Instrument nachdrücklich hervorgehoben werden. Die Bibel ist autorisiertes Wort Gottes, soweit sie dieser Funktion dient. Eine Funktion jedoch, über deren  Einzigartigkeit nichts ausgesagt wird. Das Schriftwort wird klarer, wenn wir es auf dem Hintergrund der Christianisierung der Heiden betrachten. Denn diese, mit den heiligen Schriften Israels bisher nicht in Berührung gekommen, bedürfen des Hinweises auf sie. Der Hinweis auf den Glaubensgehorsam ist daher als bindender Verweis auf das Alte Testament zu verstehen, dass nicht nur für die Juden-, sondern auch für die Heidenchristen Bedeutung hat.[22]
Zu 5: Diese Bibelstelle charakterisiert „die heiligen Schriften“ auf zweierlei Weise: 1. darin, dass sie von Gott eingegeben sind und 2. was ihre Eigenschaften sind. Paulus Brief an den Timotheus führt uns daher auf das gleiche Problem zurück, dass uns bereits vormals begegnet ist. Er legt die von ihm gegründete Gemeinde, die Timotheus leitet, auf die Heiligen Schriften des Volkes Israel fest, die bisher für die Heidenchristen keine Gültigkeit hatten. Er legt damit alle Christen, wenn man diese weite Interpretation wagen möchte,[23] auf die ganze Heilige Schrift, also auf beide Kanones als verbindliches Wort Gottes fest. Er erklärt ihnen auch, warum dieses Wort Gottes von ihnen als verbindlich angesehen werden soll, nämlich weil der Christ darin die Hilfe erfährt, deren er für sein Glaubensleben bedarf. Was Paulus aber nicht macht, ist, einen Ausschließlichkeitsanspruch zu formulieren. Weder an dieser Stelle noch einer anderen steht, dass man alleine die Schrift benutzen darf, sondern nur, dass man die Schrift benutzen soll, eben weil die Bibel die von Paulus genannten Fähigkeiten zur Heiligung besitzt, weil sie zur Lehre, Unterweisung etc. nützlich ist. Von einer Notwendigkeit ist nicht die Rede. Zwar insistiert die Formulierung „jedes gute Werk“ ein genügen der Bibel für den Gläubigen, aber selbst das ist nicht gesagt. Denn wieso kann der Mensch denn gute Werke verrichten? Weil er in der Gerechtigkeit ist, damit ein Mensch Gottes und damit zum Guten befähigt wird. Die Zugehörigkeit zu Gott ist aber kein Automatismus des Bibellesens, sondern eine Gnadengabe, für die die Bibel nützlich ist. Das alleine reicht aber nicht, denn primär ist die Gnade, die uns zu jedem guten Werk rüstet bzw. befähigt. Ein Automatismus zwischen Bibel, Gnade und jedem guten Werk besteht aber nicht. Er wird nicht behauptet und er ist wohl auch empirisch als unmöglich verwiesen.  


[1] Vgl. Mt 15,3.6.
[2] Vgl. Apg 20,30.
[3] Vgl. Offb 22,18.
[4] Vgl. Gal 1,8
[5] Vgl. Joh 8,31.
[6] Vgl. Joh 20,30f.
[7] Vgl. 16,25f.
[8] Vgl. 2 Tim 3,14-17.
[9] Vgl. 1 Kor 11,2
[10] Vgl. 2 Tes 2,15.
[11] Vgl. Müller, Gerhatd Ludwig: John Henry Newman begegnen, Augsburg 2000, S. 159.
[12] Vgl. Joh 14,9.
[13] Vgl. Joh 5,24.
[14]  Vgl. 13
[15] Vgl. Joh 1,1.
[16] Vgl. Joh 1,14.
[17] Vgl. Mt 23,2f
[18] Vgl. Frage zum Kanon der Hl. Schrift und hier noch einmal Kommentar nachsehen.
[19] Vgl. Offb 22,18: „der die prophetischen Worte dieses Buches hört …“ nach Roloff, Jürgen: Die Offenbarung des Johannes, in: Zürcher Bibelkommentare, Zürich 1984, S. 213, entspricht Zahn, Theodor: Die Offenabrung Johannes, S. 626f, in: Zahn, Theodor (Hrsg.): Kommentar zum Neuen Testament, Leipzig 1926.
[20] Vgl. Offb 22,19.
[21] Vgl. Mt 28,16-20.
[22] Über die Frage, was Paulus meint, wenn er von den Schriften spricht vgl. Zu 5.
[23] Dieser weiten Auslegung stimme ich nicht zu, denn die Situation, in die Paulus dies sagt, kannte noch keine Bibel im eigentlichen Sinne, keinen Kanon. Einige Bücher sind mit Sicherheit noch nicht geschrieben worden. Das ganze wird dadurch verstärkt, dass er dies zu Timotheus bezugnehmend auf dessen Kindheit sagt. Timotheus, ein offenbar bekannter Vertreter des frühen Christentums, kann aber in seiner Kindheit noch keine Schriften des neuen Testamentes gekannt haben, weil diese noch gar nicht geschrieben waren. Paulus kann hier also ausschließlich auf das Alte Testament verweisen. Es soll dies jedoch an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden, weil es für die Beantwortung der Frage nicht unmittelbar notwendig ist.

Kommentare :

  1. Das ist sicher eine gute Intention, und sehr viel Arbeit gewesen, allein, die Protestanten haben eine andere Bibel, Martin Luther hat ja mindestens 300 Stellen verändert,die ihm nicht passten und die Stellen, wo gute Werke zusätzlich zum Glauben verlangt werden, ganz rausgeworfen. Wir haben leider unsere alte Protestanten-Erbbibel an unsere leider immer noch protestantischen Verwandten gegeben, sonst könnten wir komfortabler vergleichen, aber im Internet kann man auch nachschauen. So steht dort zu Deinem Punkt (10) folgendes:

    DER ZWEITE BRIEF DES PAULUS AN DIE THESSALONICHER

    15 So steht nun fest, liebe Brüder, und haltet euch an die Lehre, in der ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.

    http://www.die-bibel.de/online-bibeln/luther-bibel-1984/bibeltext/bibel/text/lesen/ch/bd5682d9560f044e1ce13aa2cd4c2e0f/

    Also leider nix mit "Überlieferung", was ja wohl das ausschlaggebende Argument daran ist.

    Wir hatten so einen Vergleich schon mal mit den Zeugen Jehovas, das nutzt unserer Erfahrung gar nichts, denn sie meinen, sie hätten die einzig richtige Bibel-Übersetzung und davon wollen sie nicht abgehen.

    Uns tröstet dann immer, dass selbst der liebe Gott niemanden zwingen will, mit seiner Gnade mitzuwirken, der Wille des Menschen ist eben frei, auch wenn die eigenen Argument noch so schlagkräftig sind. Es ist leider eine Frage des guten Willens, das stellen wir immer wieder fest.
    Es ist interessant, dass es bei den Protestanten heißt (den Sinn haben wir schon nicht begriffen, als wir selbst noch welche waren): "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen". Dabei heisst es ja richtig: Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind!

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  2. Danke Konstantin für deinen Kommentar.
    Leider hast du recht, wenn du sagst, dass Luther die Bibel (zugespitzt) zurechtgebogen hat und es 2. sehr schwierig ist, dass jemandem, der ihm anhängt, klar zu machen. Aber ich hoffe weiter, dass mit dem Beistand des Hl. Geistes hier oder da ein Samen auf fruchtbaren Boden fallen möge.

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  3. Es sei mir gestattet, als Protestant, einige Anmerkungen zu machen:

    (1) da wir die Einheit der Kirche nicht so gut bewahren konnten - wie die Katholiken ;-), nutzen wir in der Tat sehr viele Übersetzungen neben der Lutherbibel. Einige sehr beliebte Übersetzungen (wie Elberfelder oder Schlachter) übersetzen doch das griechische Wort 'paradosis' mit „Überlieferung“. Ich glaube nicht, dass man sagen kann, wie Konstantin, dass Luther die Bibel verändert hat. Eine heutige Lutherübersetzung ist inzwischen völlig überarbeitet worden (anhand textkritischer Apparate in der Originalsprache)

    (2) Wir bestreiten nicht, dass diese Überlieferungen damals einen beachtlichen Wert hatten. Wir sagen nur, dass wir heute nicht mit Sicherheit sagen können, was diese Traditionen waren und ob sie erhalten geblieben sind. Die Autoren des NT haben sich deshalb viel Mühe gegeben, die Dinge zu schreiben, die ihnen wichtig erschienen. Zum Beispiel der Evangelist Lukas, der am Anfang seines Evangeliums schreibt:
    "Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind, wie uns das überliefert haben, die es von Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts gewesen sind. So habe auch ich's für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben, damit du den sicheren Grund der Lehre erfährst, in der du unterrichtet bist."

    (3) Unsere beiden Kirchen sind sich einig über die materiale Genügsamkeit der Heiligen Schrift, d.h. dass die Schrift vollkommen genügt, um jemand selig zu machen. Siehe zum Beispiel 2 Timotheus 3,16-17 wo Paulus lehrt:
    "Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt."

    (4) Was uns trennt ist die Frage der formalen Genügsamkeit. Die römische Kirche lehrt, dass das Lehramt der Kirche unentbehrlich ist, die Schrift richtig zu interpretieren.
    Rom bezieht sich z.B. auf eine Stelle aus 2 Petrus 3,15-16
    „... die Geduld unseres Herrn erachtet für eure Rettung, wie auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. Davon redet er in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis."

    Wir glauben jedoch, dass die Schrift klar genug ist, so dass ein normaler Christ sie richtig verstehen kann.
    Wir sind auch der Ansicht, dass uns gewisse Ämter (Hirten und Lehrer) gegeben sind, um die schwierigen Stellen zu deuten. Nur diese Lehrer sind nicht unfehlbar und ihre Auslegung soll auf der Grundlage der Schrift stattfinden.
    Die Juden hatten auch eine umfangreiche mündliche Tradition und dennoch nahm die Schrift für sie einen höheren Wert. Wir lesen z.B. wie die Juden aus Beröa, als sie die Predigt von Paulus hörten ... nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte. (Apg 17,11)
    Selbst die Apostel nutzten das AT in ihrer Argumentation. Zum Beispiel Paulus:
    "Wie nun Paulus gewohnt war, ging er zu ihnen hinein und redete mit ihnen an drei Sabbaten von der Schrift, tat sie ihnen auf und legte ihnen dar, dass Christus leiden musste und von den Toten auferstehen und dass dieser Jesus, den ich - so sprach er - euch verkündige, der Christus ist (Apg 17,2-3)

    Gruß,
    JL

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