Montag, 19. Dezember 2011

Im Gespräch mit ...

Im Gespräch mit Frau Prof. Dr. Wilhelmine Küsselbecker, Professorin für Pastoraltheologie, Gemeinde- und Verwaltungsratsvorsitzende in ihrer Heimatgemeinde Klein-Kleckersdorf-Ost, daneben Lektorin und Kommunionhelferin.

Frau Prof. Küsselbecker, wofür braucht ihre Gemeinde eigentlich einen Pfarrer. Das könnten sie doch eigentlich auch alles machen?

Schön das sie das genauso sehen wie ich. Es stimmt, ich habe die Kompetenz zu Lehren, Lesen kann ich auch, die Kommunion teile ich ohnehin aus, alles kein Thema. Aus meiner Sicht besteht daher kein Grund, warum ich nicht auch noch ein paar Segensworte über Brot und Wein spreche und gut ist.

Aber warum hält man dann noch daran fest, dass die Gottesdienste von einem Pfarrer abgehalten werden sollen, der ohnhin aus einder anderen Pfarrei kommt.

Sehen sie, das hängt mit einem konservativ-rückständigem Block im Pfarrgemeinderat zusammen. Diese Leute sind der Meinung, das man für eine Mahlfeier einen Priester braucht. Und dem Volk sei es eben nicht vermittelbar, wieso nach den Fürbitten Schluss sei. Eine Haltung, wie gesagt, die derart rückständig ist, dass ich sie nicht nachvollziehen kann.

Frau Professor, wäre nicht allen geholfen, wenn sie sich zur Priesterin weihen lassen würden, um auch diesen Block zu integrieren?

Ach, gehören sie etwa auch zu dieser Richtung, die immer noch der Meinung ist, Priester_innen müssten geweiht werden? Das ist aber nicht so, wie Jesus es damals praktiziert hat. Priester_innen weiht man nicht. Das führt nur zu hierarchischer Tyrannei. Priester_innen werden gewählt und aus dieser Wahl der Gemeinde erhalten sie ihr besonderes Charisma. Daran habe ich in der Tat schon gedacht. Aber wie gesagt, diese ecclesiophilen Spalter bestehen darauf, das eine Bischöfin dabei ist. Und mich auf solche Weise einem Diktat zu unterwerfen, dazu bin ich nicht bereit.

Frau Professor, ich sehe, sie haben in ihrer Gemeinde einen schweren Stand. Aber dennoch schreiben sie in ihrem neuen Buch "Gemeinschaft, wie Jesus sie gelebt hat" von zahlreichen neuen Projekten, die sie dort durchsetzen wollen, um die Gemeinschaft der Jesusanhänger zu retten. Woher nehmen sie die Kraft dazu? Aus dem vermehrten Gebet etwa?

Es ist schön und gerechtfertigt, dass sie mein neues hervorragendes Buch "Gemeinschaft, wie Jesus sie gelebt hat" ansprechen, das man übrigens zusammen mit meinem früheren Bestseller "Die weibliche Seite von Jesus entdecken" verbilligt für nur 99,99 Euro kaufen kann. Und wirklich sind meine zahlreichen Projekte nicht nur dazu geeignet die Gemeinschaft zu retten, sondern sie würden es auch tun, wenn man mich nur endlich machen ließe. So habe ich z.B. das Konzept eines offenen Hauses entwickelt. Jeder soll im Haus Gottes die Möglichkeit haben, sich einzubringen, zu engagieren und sich wohlzufühlen. Solange er unsere Kernüberzeugung teilt, dass Gott will, was wir wollen. Dabei ist es egal, ob sie der Meinung sind, Gott sei dreifaltig, einfältig, ein Elefant mit 100 Armen und einem Ochsenschwanz oder ein Phantom und Produkt der menschlichen Einbildung. Weil Jesus wollte ja für alle ein Beispiel geben, als er von Palästina nach Indien gewandert ist. Deswegen sollte nebenbei auch das Kreuz aus der Kirche gehängt werden. Das ist ja nur ein störender Mythos.

Danke für diese ausführliche und interessante Darstellung. Aber kommen wir noch einmal zum Gebet ...

Ich mag das Wort Gebet nicht besonders. Es ist so zeremoniös und unmodern. Außerdem stört es das Verhältnis mit Gott. Es geht ja nicht darum, mit einer Art Nebelgeschöpf direkten Kontakt aufzunehmen. Das kann mir doch keiner erzählen. Unser Reden mit Gott ist unser Umgang mit der Welt. Denn in dieser Welt erkennen wir ihn ja. Wenn ich z.B. meinen Wein trinke, andächtig, also den Wein in seinem Geschmack würdigend und die Freude, die er mir bereitet, dann trete ich ja in eine Kommunikation mit Gott.

Frau Professor, eine letzte Frage noch: Wie bewerten sie die Entwicklungen der letzten Zeit, dass die Kirche an der Basis immer reformfreudiger wird?

Gut das sie das ansprechen. Also grundsätzlich freue ich mich natürlich, dass zahlreiche, besonders junge Leute aufstehen und sich gegen die römische Tyrannei wenden um wieder zur wirklichen Gemeinschaft, wie sie Jesus einst mit seinen Jünger_innen gelebt hat, zurückzufinden. Natürlich muss man auch sagen, dass viele dieser Bewegungen immer noch sehr rückständig sind und viele alte Zöpfe nicht abschneiden wollen. Ich habe ihnen ja von den Konservativen bei mir erzählt. Auch große Gemeinschaften wie Wir-sind-Kirche stehen nicht mehr für eine echte Reform, sondern nur für Reförmchen, die niemandem helfen. Auch dieser Herr Schüller ist ja nun wirklich noch vom klerikalen Geist erfüllt. Eine echte Reform, der großer Wurf nach vorn, der fehlt uns noch. Aber ich setze da sehr große Hoffnungen in Leute wie mich.

Frau Professor Küsselbecker, danke für das Gespräch.

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Zur Richtigstellung: Auf Nachfrage sei hiermit mitgeteilt, dass es sich um eine Satire handelt. Frau Professor Küsselbecker ist keine reale Person und auch keiner realen Person bewusst nachgebildet. Sie dient der Veranschaulichung gewisser selbstverliebter, selbstherrlicher reformerischer Kräfte. Sollte sich jemand durch das Interview beleidigt fühlen entschuldigen wir uns dafür. Der verantw. Redakteur

Kommentare :

  1. Ich bitte um die Aufklärung, ob dieses Interview einen schlechten Weihnachtswitz darstellt, oder bitterer Ernst ist.

    Wenn Letzteres stimmt, müsste über sie ein Interdikt verhängt werden,wenn das noch nicht abgeschafft ist, damit sie nicht kommunizieren kann, bis sie in einer Prüfung bewiesen hat, dass sie die religiösen Kenntnisse eines Kindes erarbeitet hat, dessen Kenntnisse für die Zulassung zur Erstkommunion ausreicht.

    Wenn das unsere Katecheten sind, dann wissen wir jetzt, was Europa erwartet.

    Hermann

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  2. Lieber Hermann,

    danke für deinen Beitrag. Ich verweise auf die nachträglich eingefügte Richtigstellung.

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  3. Nachdem ich den Kommentar abgeschickt hatte, kamen mir Zweifel, ob der Begriff Interdikt hier passend ist.
    Wikipedia lieferte mir u. a. folgenden Satz: "Das Interdikt war als Sühne- und Besserungsmittel gedacht. Das kanonische Recht unterscheidet dabei mehrere Formen eines Interdikts, im Wesentlichen das Personal– und das Lokalinterdikt. Das Personalinterdikt entspricht der excommunicatio minor."

    Also kann ich davon ausgehen, dass entweder Wikipedia auch irrt, oder auch ich irrte in der Wortwahl nicht.

    Zitat: Das Interdikt wird laut dem CIC von 1983 wirksam, wenn
    a.) ein Gläubiger tätlich gegenüber einem Bischof wird (can. 1370 §2 CIC),......
    b.) jemand, der nicht die Priesterweihe empfangen hat, die Eucharistie feiert (can. 1378 §2 °1), .........
    als Beugestrafe in weiteren, nicht näher bestimmten Fällen.
    Es gibt also ein Interdikt auch gegen eine Person.

    Liebe Grüße
    Hermann
    lG Hermann

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  4. Richtigstellung zur Kenntnis genommen.

    LG Hermann

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  5. Wie immer, aus der spitzen Feder unseres geschätzten MC, außerordentlich gelungen!

    Dass es sich um Satire handelt, erkannte ich an der Ortsangabe Klein-Kleckersdorf-Ost und an dem nicht niedrigen Buchpreis.

    Ansonsten ist es leider tatsächlich so, dass dieses Interview mit mehreren meiner Bekannten hätte geführt sein können ...

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