Dienstag, 20. Dezember 2011

Fasten in der alten Kirche

Ich habe mich gefragt, wie alt die kirchlichen Fastengebote sind. Und wenngleich sie im Laufe der Zeit erst verfeinert wurden, so sind sie doch 1. schon in der Bibel zu finden und 2. schon in den ersten nachbiblischen Quellen zu finden. So legt schon die Didache, die Ende des 1. Jh. entstanden ist, fest:
"Bei eurem Fasten haltet es aber nicht mit den Heuchlern"; diese fasten nämlich am zweiten und fünften Tage nach dem Sabbat (d. h. am Montag und Donnerstag); ihr aber sollt fasten am vierten Tage und am Rüsttage (d. h. am Mittwoch und Freitag)."
Ein großer Fastenfan war auch Tertullian, der hier ebenfalls Erwähnung finden soll:
"Wir werden auf das Weitere noch zurückkommen. Denn jetzt beeilen wir uns, zu den Beweisen aus dem Neuen Bunde überzugehen. An der Schwelle des Evangeliums steht die Prophetin Anna, die Tochter Phanuels, welche den Knaben Jesus erkannte und vieles über ihn weissagte zum Nutzen derer, die das Heil Israels erwarteten. Nach dem herrlichen Lobestitel einer langjährigen Witwenschaft nach einmaliger Ehe wird sie durch das Zeugnis geschmückt, daß sie fastete. Sie zeigt uns, mit welchen Werken man in der Kirche ausharren müsse, und daß niemand leichter Christum erkenne, als die einmal Verheirateten und die öfters Fastenden. Sodann leitete der Herr selbst seine Taufe, und in seiner Taufe die Taufe aller, mit Fasten ein, obwohl er imstande war, zu bewirken, daß Steine Brot würden, ja sogar, daß die Fluten des Jordan eventuell Wein seien, wenn er nämlich wirklich ein Fresser und Säufer gewesen wäre. Im Gegenteil, er ließ den neuen Menschen zur Beschämung des alten auftreten mit der Fähigkeit, Speisen zu verschmähen, um dadurch dem Teufel, der ihn aufs neue durch die Eßlust zu versuchen strebte, zu zeigen, daß er jedem Appetit überlegen sei. Er schrieb sodann für das Fasten als Gesetz vor, daß man es ohne Traurigkeit verrichte. Denn warum sollte ein Heilsmittel etwas Trauriges sein? Auch lehrte er, daß die schlimmsten Dämonen durch Fasten zu bekämpfen seien. Wie sollte es auch auffallend sein, daß der böse Geist durch dasselbe Mittel verjagt wird, durch das der Hl. Geist zur Einkehr bewogen wird?! So lesen wir auch in Betreff des Hauptmannes Cornelius, sein Fasten habe Erhörung gefunden, so daß die Gnade des Hl. Geistes mit der Gabe der Prophetie über ihn zu kommen sich beeilte, bevor er getauft war. Soviel ich weiß, zählt auch der Apostel im zweiten Briefe an die Korinther unter seinen Mühen, Gefahren und Beschwerden neben Hunger und Durst häufiges Fasten auf."
Zum Fasten besonders im Dezember predigte der Hl. Leo der Große:
"Da wir also Geliebteste, auf solche Weise klar und deutlich belehrt worden sind, so nehmen wir auch das Dezemberfasten unter die Kirchengebote auf, das wir euch, andächtige Zuhörer, dem Herkommen gemäß hiermit ankündigen. Eine wohlberechtigte Forderung der Frömmigkeit und Billigkeit ist es, daß man nach Einerntung der irdischen Früchte Gott dafür dankt und ihm zugleich mit dem Opfer der Enthaltsamkeit auch ein Opfer der Nächstenliebe darbringt. Ein jeder möge sich über seine reichen Vorräte freuen und über seine wohlgefüllten Scheunen frohlocken, jedoch in der Weise, daß auch von den Armen diese Freude über seinen Überfluß geteilt wird. Darum nehme sich die Fruchtbarkeit der Seele die Ergiebigkeit der Saaten und den reichen Ertrag der Weinberge und Obstbäume zum Vorbild! Was die Erde uns gab, davon gebe auch unser Herz, damit wir mit dem Propheten ausrufen können: "Unsere Erde brachte ihre Frucht!". Denn Gott, der wahre und höchste Saemann, läßt nicht nur die irdischen, sondern auch die geistigen Früchte gedeihen und versteht es, die Aussaat und die Gehege beider durch seine Pflege zu fördern. Er senkt in die Felder fruchtbringenden Keim und in die Herzen fruchtbringende Tugenden. Wie beides auf die gleiche göttliche Fürsorge zurückgeht, so muß auch beides in uns die gleichen Werke zeitigen. Durch nichts entspricht der nach Gottes Ebenbild geschaffene Mensch mehr dieser Ehrung seiner Natur, als wenn er der Güte seines Schöpfers nacheifert, der zwar ein barmherziger Wohltäter , aber auch auf gerechten Forderungen beharrender Gläubiger ist, indem er verlangt, daß auch wir an seinem Wirken teilnehmen. Freilich können wir nicht etwas erschaffen , aber wir können doch mit den uns durch Gottes Gnade verliehenen Gaben wirtschaften Die Güter dieser Welt wurden uns nicht zur ausschließlichen Befriedigung und Sättigung der Wünsche unseres Leibes zuteil; denn sonst würden wir uns in keiner Weise vom Vieh oder den wilden Tieren unterscheiden, die nichts davon wissen, auf die Bedürfnisse anderer Rücksicht zu nehmen, sondern nur für sich und ihre Jungen sorgen."

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