Donnerstag, 1. Dezember 2011

Ambrosius über die Demut

Heute wollen wir unsere Reihe über die Beiträge der Kirchenväter zur Demut fortsetzen. Da wir letztens den Hl. Augustinus abgeschlossen hatten, habe ich mir überlegt, wen wir jetzt nehmen könnten. Und da ich keinen Wert auf Chronologie lege, habe ich beschlossen, mit Ambrosius weiterzumachen, der an der Bekehrung des Augustinus mitgewirkt hat aber heute in seinem Schatten steht.

Ambrosius von Mailand, geboren 339 in Trier, gestorben 4. April in Mailan, war einer der bedeutendsten Bischöfe der Spätantike und einer der Kirchenväter der römischen Kirche. Aus der römischen Elite stammend ergriff er früh die weltliche Beamtenlaufbahn, bis er (so die Legende) durch den Willen des Volkes aber gegen seinen eignen auf den Mailänder Kathedra gehoben wurde. Seine Bedeutung für die Kirche erlangte er zum einen durch die energische Bekämpfung des Arianismus, zum anderen durch die lateinische Interpretation der Werke griechischer Autoren. Eine gewisse Sonderstellung genießt er auch dadurch, dass die mailänder Kirche nach ihm benannt ist, sogenannte ambrosianische Kirche, die nach wie vor einen eigenen Ritus mit eigenen Gesängen pflegt und die ihre besondere Position gegenüber dem römischen Primat wesentlich auf ihn zurückführt.

Wir wollen unsere Ambrosiusreihe mit seinem Werk Über die Pflichten des Kirchendieners beginnen:

Kapitel I
"Ich glaube nicht anmaßend zu erscheinen, wenn ich im Kreise meiner Söhnedem Herzenswunsch zu lehren stattgeben möchte. Spricht doch ein Lehrer der Demut selbst: „Kommt, Söhne, hört mich! Die Furcht des Herrn will ich euch lehren“Man mag hierin einen Ausdruck seiner ebenso demütigen wie zarten Gottesfurcht erblicken. Denn mit der Wendung ‚Furcht Gottes‘, die offenbar eine gemeinsame Pflicht aller ist, gab er das Losungswort für die Gottesfürchtigkeit aus. Doch da gerade die Furcht „der Anfang der Weisheit“und die Seligmacherin ist — denn „selig, die Gott fürchten“ —, bezeichnete er sich deutlich auch als Lehrer der Weisheit und als Wegweiser zur Seligkeit."
Kapitel V
"17. Aber auch vor jedem sichtbaren Widersacher, der reizt, der stachelt, der den Zunder der Lust oder Sinnlichkeit legt, hat man sich in acht zu nehmen. Wenn uns also einer schmäht, neckt, zu Tätlichkeit reizt, zu Zank herausfordert, dann laßt uns Schweigen üben! Dann laßt uns nicht schämen zu verstummen! Denn ein Sünder ist es, der uns herausfordert, der unrecht tut und uns zu seinesgleichen haben möchte.
18. So spricht er denn gerne, wenn du schweigst, wenn du dir nichts merken läßt: Was schweigst du? Sprich, wenn du dich getraust! Doch du getraust dich nicht, du bist stumm, ich habe dich sprachlos gemacht. Schweigst du, zerschreit er sich noch mehr, hält sich für besiegt, genarrt, verachtet und verspottet. Erwiderst du, fühlt er sich als der Überlegene, weil er seinesgleichen gefunden hat. Schweigst du, so heißt es: er hat diesen beschimpft, dieser ihn mit Verachtung gestraft. Erwiderst du das Geschimpfe, heißt es: beide haben sich in Schmähungen ergangen; jeden straft das Urteil, keinen spricht es frei. Er geht also geflissentlich darauf aus, mich zu reizen, daß ich Ähnliches rede, Ähnliches tue wie er. Am Gerechten aber ist es, sich nichts merken zu lassen, nichts zu erwidern, die Frucht des guten Gewissens zu wahren, mehr dem Urteile der Guten, als der Unverschämtheit eines Lästermaules anheimzustellen und damit zufrieden zu sein, die Würde im Verhalten bewahrt zu haben. Das nämlich heißt „ob des Guten schweigen“; denn wer ein gutes Gewissen hat, darf sich nicht über falsche Anschuldigungen aufregen und nicht glauben, fremder Schimpf wiege schwerer als das Selbstzeugnis.
19. So kommt es, daß er auch die Demut wahrt. Will er hingegen nicht allzu demütig erscheinen, sinnt er also und spricht bei sich selbst: Wie, der will mich verachten und unter meinen Augen solche Reden wider mich führen, als könnte ich nicht den Mund gegen ihn auf tun? Warum sollte nicht auch ich etwas sagen, womit ich ihn ärgern kann? Wie, der will mir Beleidigungen zufügen, als wäre ich kein Mann, als könnte ich mich nicht rächen? Der will mich verunglimpfen, als könnte ich nicht noch Schlimmeres wider ihn vorbringen?
20. Wer so spricht, ist nicht sanft und demütig, ist nicht frei von Versuchung. Der Versucher stachelt ihn auf, er speit ihm solche Gedanken ein. Meist bedient sich der böse Geist eines Menschen hierzu und zieht ihn bei, daß er so zu ihm spreche. Doch du wandle fest auf Felsenpfad! Mag selbst ein Sklave eine Beleidigung sprechen, der Gerechte schweigt; mag ein Schwächling Schimpfworte ausstoßen, der Gerechte schweigt; mag ein Armer in Schmähungen sich ergehen, der Gerechte erwidert nicht. Das sind die Waffen des Gerechten. Durch Nachgeben trägt er den Sieg davon. So pflegen auch geübte Speerwerfer durch Ausweichen zu siegen und im Fliehen dem Verfolger die schwersten Wunden zu schlagen."
Kapitel XLVIII
"Doch sieh, wie er [König David, Anm. d. B.] Demut, Gerechtigkeit und Klugheit wahrte, um der Gnade vom Herrn sich würdig zu machen. Sein erstes Wort lautete: „Deshalb flucht er mir, weil der Herr ihm sagte, er solle fluchen“. Da hast du die Demut; denn Gottes Gebot glaubte er als armseliger Knecht mit Gleichmut tragen zu müssen. Seine zweite Äußerung lautete: „Sieh, mein Sohn, mein leibliches Kind stellt mir nach dem Leben“. Da hast du die Gerechtigkeit; denn wenn wir von den Unsrigen noch Schlimmeres erleiden, warum sollten wir ungehalten sein über das, was uns Fremde zufügen? Seine dritte Rede war: „Laß ihn schmähen, weil der Herr es ihm geheißen, um meine Demut zu sehen; und der Herr wird mein Vergelter sein für diese Schmähung". Und nicht bloß die Lästerung desselben ertrug er, sondern ließ ihn auch, da er Steine nach ihm warf und ihm nachschlich, unbehelligt, ja schenkte ihm sogar nach dem Siege gern Verzeihung, als er darum bat."
 Quellen:
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2721.htm-Demut
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2721-4.htm-Demut
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2721-47.htm-Demut

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