Samstag, 31. Dezember 2011

Alles ist wie immer, nur schlimmer - Ein ernster Jahresrückblick

Meine Lieben,
hinter uns liegt ein erfolgreiches Jahr 2011. Und wir freuen uns auf ein weiteres gutes Jahr. So wollen wir es in bereits guter Tradition nicht verabsäumen, das vergangene Jahr zu rekapitulieren. Leider ist die ganze Redaktion in den Weihnachtsurlaub gefahren. Daher greifen wir wie schon im letzten Jahr auf unsere beliebte Gast-Beitragsautorin Sherona zurück. Bühne frei.
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Was war das für ein Jahr?
Die Frage ist ernst gemeint. Wisst ihr noch, was 2011 alles so passiert ist? Wenn nicht, dann seid ihr genau an der richtigen Stelle. Denn heute gibts den Jahresrückblick 2011.
Zeit-Online titelt zu diesem Thema: Arabischer Frühling, Fukushima, Euro-Krise, Guttenberg-Affäre.

Fangen wir mal mit dem wichtigsten an: der Guttenberg-Affäre.
Was waren das noch für Zeiten, als wir hinter Angela Merkel, vulgo der Eisberg, eine Sonne zaghaft aufgehen sahen, die uns Hoffnung auf bessere Zeiten verhieß: Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg. Der Hoffnungsträger, der Heilsbringer, der Obama Deutschlands. Was konnten wir von ihm nicht alles erhoffen bei seinen zahllosen Qualitäten: Er sah gut aus, er hatte eine Frau, er konnte Reden, er konnte ... ja, jetzt weiss ich auch nicht mehr weiter. Aber das reicht ja auch. Denn was hat er nicht alles bewirkt: Er hat die Bundeswehr reformiert - auf dem Papier. Er hat die Probleme in der Marine rücksichtlos aufgeklärt - indem er den Kapitän rücksichtslos entließ. Und was nicht noch alles, was hier nicht aufgeführt werden muss.
Aber dann kamen dunkle Wolken über die Schlachtfelder von Ilion, als eine bösartige Kamarilla aus Journalisten und Neidern seine Achillessverse entdeckten: Seine Doktorarbeit. Nicht das mit der irgendetwas nicht in Ordnung gewesen wäre. Gut, an einigen wenigen Stellen hatte der Freiherr vergessen, die Fussnoten zu setzen. Aber das kommt ja mal vor. Doch diese Doktorfrage wurde solange von der Kanaille aufgebauscht, bis sich Guttenberg zum Wohle der Soldaten genötigt sah, zurückzutreten. Ein weiterer Hoffnungsträger Deutschlands wurde da vertrieben. Und die Welt verfiel in Dunkelheit, während wir uns mit Merkel und Westerwelle zufrieden geben mussten.

Überhaupt Westerwelle: Mr. FDP. War auch kein schönes Jahr für ihn und seine Partei. Im September 2009 lag die FDP bei 14 %, jetzt, zwei Jahre später, bei 1,4 %. Um dieses Problem zu lösen, sah sich die Partei gezwungen, einen radikalen Schnitt in der Führungsetage zu vollziehen. Deswegen wurde Westerwelle aus allen Partei- und Staatsämtern entfernt, ebenso wie Rainer Brüderle, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Dirk Niebel. Philipp Rösler, der liberale Hoffnungsträger rückte ins Außenresort auf um von dessen Popularität zu profitieren und Daniel Bahr in das Wirtschaftsministerium, während Christian Lindner als General-Sekretär die FDP neu auf bürgerlichen Kurs brachte.
Oh, einen Moment. Ich seh grade, ich übertrage das Wunschdenken eines FDP-Mitgliedes.
In Wahrheit lief das so ab: Westerwelle behielt das Außenamt, weil er dort so gute Arbeit geleistet hat, Rösler wurde Wirtschaftsminister weil Brüderle weinselig Wahrheiten ausplauderte und Bahr bekam das Gesundheitsministerium, was gleichbedeutend ist mit einer Abschussrampe auf den politischen Mond. Mitlerweile ist Lindner zurückgetreten um durch einen Fahrerflüchtigen ersetzt zu werden während Brüderle schon mal die Rolle des Hoffnungsträger übt.

Überhaupt war ja Hoffnung das Thema des Jahres. Überall in der Welt standen die geknechteten Völker auf, um ihre Tyrannen zu stürzen. Ok, in Deutschland nicht, aber dafür wenigstens in der arabischen Welt. In Tunesien, in Ägypten, in Lybien und momentan in Syrien. In Tunesien hat es jetzt sogar freie Wahlen gegeben, was es noch nie gab, seit die Franzosen abgezogen sind - und davor auch nicht, aber das ist ja egal. In Ägypten hat das Volk auf dem Tahir-Platz einen Militär-Diktator gestürzt, um jetzt von einem Militärrat regiert zu werden. Und in Lybien sind sie Gadaffi los geworden. Gut, das hat ein wenig gedauert und die Zivilisten mussten von der Nato beschützt werden, während man meinen könnte, jetzt gibt es in ganz Lybien keinen einzigen Zivilisten mehr bei den ganzen Schieseisen, die jedermann mit sich herum trägt. Aber immerhin ist der gefährliche komische Irre jetzt weg und wir dürfen erwarten, das er bald durch mehrere gefährliche komische Irre ersetzt wird. Nur Syrien ist ein trauriges Kapitel. Da will der momentane Machthaber einfach nicht seinen Sessel räumen und gibt den Kartäschten-Prinz.

Ach ja, Kim-Jong-Il ist tod. Ihr wisst schon, der Große Führer von Nord-Korea. Der Held der Arbeiterklasse. Das Genie unter den Genies. Der alles kann außer mit dem Flugzeug fliegen. Passenderweise ist er in einem Zug gestorben, während er sein Land inspizierte oder wie man es in der Kim-Familie scherzhaft nennt: Lagerrundgang. Mitlerweile ist sein Sohn Kim-Jong-Un auf seinen Posten aufgerückt, wobei man ihn aus Mangel an Jahren wohl erstmal nur den Geliebten Führer nennen wird. Nicht das es ihm zu Kopf steigt, mit Ende 20 ein paar Millionen Menschen zu knechten .... ähhm zu führen.

Doch genug von größenwahnsinnigen Asiaten. Kommen wir zu größenwahnsinnigen Europäern. Europa muss vor den Finanzmärkten gerettet werden. Und niemand ist so geeignet den Dampfer Europa vor dem Absaufen zu beschützen wie unsere Angie "der Eisberg" Merkel. Natürlich zusammen mit Nicolas "die ruhige Hand" Sarcozy. Beiden zusammen ist es endlich gelungen, eines der Kernziele Europas zu verwirklichen: Wir sind die Briten los. Die ollen fish-and-ships-Fresser haben doch eh nur gestört. Jetzt können wir endlich unser Europa verwirklichen. Mit Schuldenbremse, Kontrolle der Finanzinstiute und ohne Euro-Bonds. Wenn ich das noch richtig sehe. Ich muss mal auf den Life-Ticker des Kanzleramts gucken ob das noch stimmt.

Stichwort Life-Ticker. Es war ja auch dieses Jahr Fussballweltmeisterschaft in Deutschland. Also, Frauen-Fussball-Weltmeisterschaft. Darf man das überhaupt noch sagen, also das mit den Frauen? Immerhin spielen sie ja genausogut wie die Männer und haben auch genauso hohe Einschaltquoten und genauso volle Stadien und genauso viel unverdientes Geld. Gut, die Deutsche Mannschaft hat nicht gewonnen. Dafür aber die Japaner. Und denen gönnen wir es nun wirklich.

Denn was hat dieses arme Inselvolk in diesem Jahr nicht alles durchmachen müssen. Von Claudia Roth wurden sie als Beispiel benutzt, wie man es nicht macht. Das hat doch keiner verdient. Nur weil ein einziges Atomkraftwerk fast in die Luft geflogen wäre. Dabei ist das ja nur die halbe Katastrophe gewesen. Ein gewalter Tsunami hat das Land überschwemmt und das Kraftwerk erst zerstört. Aber redet irgend jemand davon? Nein, denn wen interessiert sich schon für Tsunamis, wenn man in Deutschland Atom-Kraftwerke abschalten und Landesregierungen aus dem Amt jagen muss. Da ist eine gewisse selektive Wahrnehmung eben nötig. Man kann dem Bürger ja nicht alles zumuten. So hält sich nach wie in Stuttgart das Gerücht, es habe einen Volksentscheid zum Thema Bahnhof gegeben. Auf Nachfrage bei den zuständigen Bügern, vulgo Stuttgart-21-Gegner, erhielten wir die Antwort: Das sei nicht bindend und demokratisch schon gar nicht, es wurden ja auch Leute mit anderer Meinung gefragt.

So, gab es in diesem Jahr noch was interessantes? Ach ja, der Papst war da. Anders als viele Bundestagsabgeordnete, die waren auf einmal weg. Als Katholikin finde ich es natürlich gut, das der Hl. Vater schon Kraft seiner schieren Präsenz exorzierend wirkt. Überhaupt wurden ja durch diese Visite die Massen bewegt. Also nicht die paar Protest-Hansels, die Hexen-sit-ins vor der Nuntiatur veranstalteten. Sondern die Massen an Katholiken, die dem Papst entgegenströmten. Immerhin ist der Papst der einzige Mann in weiss, der hunderttausende Menschen zu sich ziehen kann. Außer ihm hat das in weiss nur Kate Middleton geschafft. Und die war dabei auch in der Kirche.

Und heute, heute feiern wir Silvester. Der war auch ein Papst. In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Feststag des Hl. Silvester und ein fröhliches Neujahr oder für uns Katholiken Fest der Mutterschaft Mariens, eure

Sherona
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Die Autorin ist Studentin an der Freien Universität Cureyn-Karstein und hat der Redaktion Plätzchen mitgebracht.

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