Mittwoch, 30. November 2011

Soll ich fasten? Was sagt die Bibel?

Die Frage steht ja bei mir schon seit längerer Zeit im Raum. Und ich habe sie bisher immer schön mit ja beantwortet und viele gute Gründe dafür genannt. Aber gestern Abend viel mir auf, dass ich bisher noch gar nicht geschrieben habe, was die Bibel dazu sagt.

Nun gibt es manche Personen, die gerne und immer Schokolade essen, die der Meinung sind, das Fasten sei eine jüdische Tradition, die Jesus aufgehoben habe, als er seinen Jüngern erlaubte, auch zu jenen Zeiten zu essen, wo z.B. die Pharisäer fasteten (vgl. z.B. Mk 2,18)

Hingegen wird uns das Fasten an mehreren Stellen der Bibel sehr ans Herz gelegt:
Lk 2,37: Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
Apg 13,2f: Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie mir berufen habe. Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.
Apg 14,23: In jeder Gemeinde bestellten sie durch Handauflegung Älteste und empfahlen sie mit Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.

Fasten wird hier oft mit dem Gottesdienst verbunden oder mit einem besonderen Ereignis. Ihm wird also eine bestärkende Wirkung zugesprochen. Noch deutlicher wird dieser Umstand an einer anderen Stelle, wo Jesus eine Handlung mit und eine Handlung ohne fasten vergleicht.
Mk 9,29: Als Jesus nach Hause kam und sie allein waren, fragten ihn seine Jünger: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben? Er antwortete ihnen: Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden.*

Jesus erklärt den Aposteln hier also, dass er den Dämon nicht deshalb austreiben konnte, weil er als Sohn Gottes über ein größeres Machtpotential verfügt, sondern weil er anders als sie gefastet hatte. Das Fasten hat hier also eindeutig eine das Gebet verstärkende Wirkung, das unter bestimmten Umständen notwendig ist. Liest man die bereits angeführten Stellen noch einmal in diesem Licht, so gewinnt der Grund für das Fasten der Gemeinde in kritischen oder wichtigen Situationen eine noch klarere Kontur und man versteht besser, warum auch im neuen Testament an vielen Stellen immer wieder von Fasten als einem Mittel der Glaubenspraxis die Rede ist.

Wir können daher sagen, dass die alte Kirche in bedeutenden Situationen gefastet hat. Von daher verstehen wir auch, warum sowohl Ostern als auch Weihnachten eine Zeit des Fastens vorgeschaltet wurde. Denn bei beiden Festen handelt es sich um die beiden bedeutendsten des Kirchenjahres. Gerade Weihnachten ist für den heutigen Menschen immer noch ein ganz besonderes Ereignis, auf das er in der Adventszeit regelrecht hinlebt. Zwar tut er das heute vor allem in Form des Kaufens von Geschenken und dem Aussuchen von Weihnachtsbäumen etc., aber der Kern besteht noch.

Ist es für uns da eigentlich nicht ein Leichtes, die Vorbereitung, ja die Zurüstung auf das bedeutende Ereignis Weihnachten nicht nur durch das Kaufen von Geschenken, sondern auch durch Fasten zu begehen?
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* In den meisten modernen Bibelübersetzungen  inklusive der Standartausage des griechischen Neuen Testamentes (Nestle-Aland: United Bible Societey) ist das Fasten aus dem Text gestrichen worden., da es sich um einen späteren Zusatz handeln würde. Nach neueren papyrologischen Studien war das Fasten jedoch in diesem Text von Anfang an enthalten, vgl. Thiede, Carsten Peter: Der Petrus Report. Der Felsen der Kirche in neuem Licht, Augsburg 2002, S. 72f.

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