Dienstag, 22. November 2011

Augustinus über die Demut - De Trinitate

Setzen wir heute unsere Augustinus-Reihe fort mit den Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit:

IV.15. Kapitel. Die Hochmütigen glauben, daß sie aus eigener Kraft zur Anschauung Gottes gelangen können.
"Es gibt Leute, die glauben, sie könnten durch ihre eigene Kraft für die Schau Gottes und das Hangen an Gott entsündigt werden; diese befleckt am meisten ihr Hochmut. Zu keinem Fehler steht nämlich das göttliche Gesetz in stärkerem Widerspruch, und durch keinen Fehler erhält jener ganz von Hochmut erfüllte Geist einen stärkeren Herrschaftsanspruch, der Mittler zur Tiefe, das Hindernis zur Höhe, außer man entgeht seinen Nachstellungen auf einem anderen Wege oder man überwindet ihn, der durch ein abgefallenes Volk wütet — das heißt Amalec — und den Weg in das Land der Verheißung feindlich versperrt, durch das Kreuz des Herrn, welches durch Moses mit den ausgebreiteten Armen vorgebildet war. Einige dieser Leute versprechen sich deshalb Entsündigung durch eigene Kraft, weil manche von ihnen mit Sc"Es gibt Leute, die glauben, sie könnten durch ihre eigene Kraft für die Schau Gottes und das Hangen an Gott entsündigt werden; diese befleckt am meisten ihr Hochmut. Zu keinem Fehler steht nämlich das göttliche Gesetz in stärkerem Widerspruch, und durch keinen Fehler erhält jener ganz von Hochmut erfüllte Geist einen stärkeren Herrschaftsanspruch, der Mittler zur Tiefe, das Hindernis zur Höhe, außer man entgeht seinen Nachstellungen auf einem anderen Wege oder man überwindet ihn, der durch ein abgefallenes Volk wütet — das heißt Amalec — und den Weg in das Land der Verheißung feindlich versperrt, durch das Kreuz des Herrn, welches durch Moses mit den ausgebreiteten Armen vorgebildet war. Einige dieser Leute versprechen sich deshalb Entsündigung durch eigene Kraft, weil manche von ihnen mit Scharfsinn die Wirklichkeit jenseits aller Schöpfung zu erblicken und das Licht der unwandelbaren Wahrheit ein wenig zu berühren vermochten, während viele Christen, wie sie spöttisch feststellen, die einstweilen nur aus dem Glauben leben, das bisher nicht vermochten. Indes was nützt es einem Menschen, der dem Hochmut verfallen ist und sich daher schämt, das Holz zu besteigen, wenn er aus der Ferne die Heimat sieht, die jenseits des Meeres liegt? Und was schadet es einem Demütigen, wenn er die weitentfernte nicht sehen kann, auf jenem Holze aber zu ihr kommt, von dem sich tragen zu lassen jener verschmäht?"harfsinn die Wirklichkeit jenseits aller Schöpfung zu erblicken und das Licht der unwandelbaren Wahrheit ein wenig zu berühren vermochten, während viele Christen, wie sie spöttisch feststellen, die einstweilen nur aus dem Glauben leben, das bisher nicht vermochten. Indes was nützt es einem Menschen, der dem Hochmut verfallen ist und sich daher schämt, das Holz zu besteigen, wenn er aus der Ferne die Heimat sieht, die jenseits des Meeres liegt? Und was schadet es einem Demütigen, wenn er die weitentfernte nicht sehen kann, auf jenem Holze aber zu ihr kommt, von dem sich tragen zu lassen jener verschmäht?"

IV.1. Kapitel. Durch die Erkenntnis unserer Schwachheit gelangen wir zu unserer Vollendung.

"Der Mensch mußte also überzeugt werden von der Größe der Liebe Gottes und von seiner eigenen Beschaffenheit, das erstere, damit wir nicht verzweifeln, das letztere, damit wir uns nicht überheben. Diesen höchst notwendigen Vorgang erklärt der Apostel folgendermaßen: "Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Nachdem wir nun durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir um so sicherer durch ihn vor dem Zorn bewahrt bleiben. Denn wurden wir durch den Tod seines Sohnes mit Gott versöhnt, als wir noch seine Feinde waren, so werden wir um so viel sicherer, nachdem wir versöhnt sind, durch sein Leben errettet werden." Und an einer anderen Stelle: "Was sollen wir dazu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer ist dann wider uns? Wenn er seines eigenen Sohnes nicht geschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht alles andere schenken?" Der gleiche Sachverhalt, der uns hier verkündet wird, wurde den Gerechten der alten Zeit für die Zukunft kundgemacht, damit auch sie in gläubiger Hinnahme sich demütigten und ihre Ohnmacht erkannten und, ihre Schwachheit bekennend, zur Vollendung gelangten."

Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, Aurelius Augustinus: De Trinitate
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2670-15.htm-dem%C3%BCtig
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2670-1.htm-dem%C3%BCtig

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