Freitag, 25. November 2011

Religion als Bewertungsmaßstab - Zwischen portugiesischer Mission und Aufklärung

I.  Einleitung
„Und wie sie [ = die Schwarzen] vorher in Verdammnis der Seelen und des Körpers lebten, empfangen sie jetzt das Gegenteil; die Seele war, als sie Heiden waren, ohne Licht und ohne Feuer des Heiligen Glaubens, und mit ihrem Körper lebten sie wie wilde Tiere ohne Ordnung der vernünftigen Menschen, weil sie nicht wussten, was Brot und Wein und Kleidung oder Häuser waren. Und noch schlimmer: Weil sie in dieser großen Ignoranz lebten, hatten sie kein Bewusstsein des Guten, denn sie lebten im Müßiggang der wilden Tiere.“[1] So schrieb der portugiesische Chronist Gomes Eannes de Azurara in seiner Cronica dos Feitos über die schwarzen Paganen, welche die Portugiesen in West- und Südafrika entdeckt hatten. Aus diesen Sätzen spricht eine fundamentale Verbindung von Religion und Zivilisation. Für die Christen, die im mittleren und ausgehenden 15. Jh. begannen, auf dem Weg nach Indien die Küsten West- und Südafrikas, Guinea genannt, zu befahren und dort vormals unbekannte Völker und Landschaften zu entdecken, bestand nicht nur ein kultureller und körperlicher Unterschied zwischen ihnen und den Eingeborenen. Auch die Tatsache, dass diese Menschen scheinbar bisher nichts von der christlichen Botschaft gehört hatten oder doch zumindest ganz anders ihre Religion praktizierten, wenn sie überhaupt, war für die damaligen Entdecker von wesentlicher Bedeutung.
Wir wollen uns in dieser kurzen Schrift folgende Fragen stellen: 1. wieweit Religion der Bewertungsmaßstab von Kulturen und Menschen zu verschiedenen Zeiten war und 2. welche Folgen das für die Meinung der Betrachter dieser Kulturen hatte?
Zu diesem Zweck wollen wir zum einen den Standpunkt aus der Zeit Azuraras vertiefen, zum anderen wollen wir unseeren Blick auf Quellen der großen Epochenscheide des europäischen Geistes, der Aufklärung, lenken. 
Zur Betrachtung des Themas haben wir uns entschieden als Quellen Reisebeschreibungen und ähnliche Werke von Europäern zwischen dem 15. und dem 18. Jh. zu verwenden. Aus Zeitgründen wollen wir auf einen umfangreichen quellenkritischen Kommentar verzichten und gleich mit der inhaltlichen Behandlung beginnen. 

II.  Portugiesische Reisebeschreibungen

Um die Position der Portugiesen darzustellen wollen wir vor allem den Bericht über die Relation des Königreichs Kongo[1] benutzen. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Reisebericht. Der Text berichtet in Form eines Geschichtswerkes von der ersten Mission im Königreich Kongo und dem schnellen Erfolg, der in der Konversion des Königs, weiter Teile seiner Familie und der Elite gipfelt. Er zeigt aber auch bereits die Schwierigkeiten auf, die durch die Konversion entstehen.
Hierbei fallen einige wesentliche Punkte auf: 1. Die Einwohner werden zwar als Heiden herabgesetzt, die als solche primitiv sind, sie werden aber auch als freundlich, offen und aufnahmewillig beschrieben.[2] 2. bringen die Portugiesen den Gouverneuren und dem König des Kongo ungeachtet seines Heidentums, durchaus aber in Rückschau im Bewusstsein seiner Konversion, alle Ehren gegenüber, die einem König zustehen. Das lässt sich besonders gut auf dem zweiten Bild erkennen, dass dem Bericht illustrierend beiliegt und in dem der schwarze König mit allen Attributen eines europäischen Herrschers ausgestattet von dem Portugiesen mit dem Kniefall begrüßt und geehrt wird.[3]  
Bei diesen beiden Punkten wollen wir untersuchen, ob und welche Bedeutung die Religion hatte. Beginnen wir mit dem 1. Punkt:
Der Text beginnt zu einem Zeitpunkt, als im Kongo bereist die Christianisierung begonnen hat und das Stadtbild der Hauptstadt bereist von der christlichen Kirche im portugiesischen Stil und den sonstigen Bauten der Portugiesen geprägt wird. Dagegen werden die baulichen Leistungen der Einheimischen wenig gewürdigt, es gibt aber auch keine Negativbeschreibungen.[4] Dennoch wird hier bereits der Unterschied deutlich, denn obwohl die Einheimischen nicht explizit herabgesetzt werden, wird doch trotz ihres Christentums ihre geringere kulturelle Stufe deutlich gemacht. Die Primitivität der Bewohner und die Notwendigkeit auch zur materiellen Konversion zur portugiesischen Zivilisation hin werden also nicht in Abrede gestellt. Mehr noch wird sie offenbar von den Portugiesen aktiv betrieben, da man die einheimische Kultur unabhängig von der Christianisierung nach wie vor als zurückgeblieben, primitiv ansieht, wie das Beispiel der Kirche zeigt.[5] Das wird auch auf der dritten Illustration deutlich, die bereits eine gewisse Angleichung der kongolesischen Kleidung an die portugiesische erkennen lässt, was durch den Beitext noch bestätigt wird.[6] Auch alles andere, was die Portugiesen besonders für den Kultus wichtig halten, wird von ihnen eingeführt.[7] Bezeichnend ist auch der Geiselaustausch nach dem ersten Kontakt. Die Geiseln werden am Hof zu Portugal nicht nur ihrem Stande nach geehrt, sondern sie werden auch in den portugiesisch-christlichen Bräuchen unterwiesen. Eine Taktik, die z.B. von König Afonso befördert, fortgesetzt und ausgebaut wird.[8]
Das zentrale Kriterium der Bewertung der Portugiesen gegenüber den Einheimischen scheint in diesem Kontext zu sein, wie bereitwillig sie sich ihren Missions- und Kulturationsbemühungen fügen. Denn die Portugiesen sehen in den Einheimischen nicht einfach nur Wilde. Für die Portugiesen, die sich mit einem missionarischen Auftrag ausgestattet verstanden[9], waren die Einheimischen erstmal potentielle Christen.[10] Denn sie registrieren durchaus, dass bei den Kongolesen positive Ansätze bestanden, jedoch nicht im Bereich der Religion, sondern des Charakters und des Handels.[11] All diese Aspekte müssen jedoch zusammen mit der Religion in eine christliche Form überführt werden, wie bereits der Titel des 2. Kapitels zeigt: „Von dem Ursprung und Anfang des christlichen Glaubens im Königreich Kongo und wie die Portugiesen das Gewerb und den Kaufhandel diesen Landen an sich brachten“[12] Denn nach wie vor hängen die Kongolesen trotz ihrer positiven Anlagen einem Glauben an, der für die Portugiesen nichts positives hat, der im Gegenteil nur vom Teufel stammen kann und durch den sie in ihrem primitiven Stadium festgehalten werden.[13]
Kommen wir nun zum zweiten Punkt:
Hier lässt sich auf den ersten Blick keine Verbindung zur Religion herstellen. Denn zu dem Zeitpunkt, als die Portugiesen den König auf die genannte Weise ehren, ist er ja noch nicht Christ. Das muss er aber auch gar nicht sein. Es genügt, dass die Möglichkeit besteht, dass er Christ werden könnte und dass er es später wurde. Hier zeigt sich erneut die relativ große Offenheit gegenüber anderen Kulturen, wenn in diesen das Potential zur Angleichung gesehen wird. Das lässt sich gut an einem Gegenbeispiel aus einer späteren Zeit illustrieren. Die meisten protestantischen Mächte, die zu einer späteren Zeit als die Portugiesen in Afrika ankamen, hatten nämlich gegenüber den Einheimischen eine andere religiöse Einstellung. Für sie sind die heidnischen Afrikaner so durch die Natur beeinflusst worden, dass sie durch sie prädestiniert sind und es nicht mehr möglich ist, sie religiös und damit auch nicht kulturell zu retten. Ein Fortschritt und damit eine mögliche Kommunikation auf Augenhöhe blieb den Afrikanern damit verwehrt, da sie Wilde waren und Wilde bleiben würden.[14] Diese Einstellung, wenngleich sie nicht konsequent angewendet wurde, findet doch ihren sichtbaren Ausdruck im Umgang und den Ansichten der Expedition von der Gröbens mit den afrikanischen Häuptlingen.[15] Während die Portugiesen grundsätzlich den meisten Stammesfürsten den Rang von europäischen Fürsten zuerkannten und sich entsprechend, wenn auch durch das Heidentum eingeschränkt, verhielten, treffen wir bei von der Gröben auf keinerlei solche Anerkennung mehr.[16] Für ihn gibt es keine wirklichen staatlichen oder ordentlichen Strukturen in diesem Teil Afrikas und damit auch keine Notwendigkeit, sich gegenüber den Häuptlingen entsprechend zu verhalten. Ein Erklärungsmodell dafür ist, dass er nicht davon ausging, dass sich diese Stammesfürsten einmal verbessern könnten, sondern Wilde waren und bleiben würden und er nicht mehr in ihnen sehen wollte. In diesem sehr prädestinativen Denken finden wir bereits Anklänge zum Gedanken des edlen Wilden, der uns noch einmal begegnen wird. 
Wie ganz anders begegneten da die Portugiesen mit missionarischem Eifer den Kongolesen und ihrem Herrscher. Freilich waren sie in ihren Ansichten ihrer Überlegenheit nicht wesentlich anders als von der Gröben. Auch nicht in ihren Absichten. Denn hier wie bereits bei den Muslimen verband sich ja Mission mit Akkulturation, also auch mit dem Erschließen neuer Absatzmärkte und auch der Kolonisation. Nicht umsonst wird bereits zu Beginn des Textes von der portugiesischen Gemeinde in der Hauptstadt gesprochen. Diese Gruppe und weitere, besonders am Ozean und auf den benachbarten Inseln gelegen sollten im weiteren erheblichen Einfluss auf die Kongolesen auszuüben suchen.[17] Aus dieser Tendenz entwickelten sich dann auch immer mehr Probleme, die bereits am Ende der Quelle aufscheinen. Denn obwohl sich die wenigen portugiesischen Missionare der ersten Stunde bemühten, das Christentum nicht nur durch Taufe, sondern auch durch Unterweisungen der Lehre zu verbreiten, hielten viele Kongolesen an ihrem alten Glauben oder doch zumindest an ihren Praktiken fest. Stellte ein solches Verhalten für die Afrikaner keinen Widerspruch zu ihrer Taufe dar, so bedeutete es für die Portugiesen ein Rückfall in heidnische Sitten.[18] Es entstanden daher schon bald zwei Fraktionen am Königshof und im Volk: Die eine, die das Christentum aufgrund der rigoristischen Tendenz der Missionare ablehnten und wieder ganz zu den alten Sitten zurückkehren wollten, die andere die den beschrittenen Pfad weitergehen und das Christentum im Kongo verinnerlichen und die alten Kulte abschaffen wollte.[19] Die daraufhin entbrennenden Kampfhandlungen gingen zwar zugunsten der christlichen Fraktion unter dem späteren König Afonso aus, dies änderte jedoch nichts am Grundproblem.[20] Dieses wuchs sich im Laufe der Zeit immer mehr zu einem Problem aus, desto mehr sich zeigte, dass die Hoffnungen der Euphorie des Anfangs sich nicht bestätigen würden und desto unverhohlener die Portugiesen begannen, Kolonialpolitik im Kongo zu betreiben. So klagte der Kapuziner-Missionar Antonio Zucchelli 1715: „Viele aber, die dieses lesen/ werden sich darüber wundern, dass wir so gar hart wider diese Leute verfahren, und werden viel eher meynenm dass es besser gewesen, wenn wir sie mit Holdseligkeit und Liebe tractieret, weil man damit mehr bey ihnen ausrichten, und ihre Laster noch eher verbessern könnte. Allein alle diejenigem/ die so dencken, haben keine rechte Wissenschaft und Nachricht von denen Schwarzen.“ [21] Ernüchterung hatte sich unter den Missionaren verbreitet. Und mit den hoffnungsvollen Anfängen der Mission schwand auch die vergleichsweise hohe Meinung, die die Europäischen Christen von den Afrikanern und ihren Herrschern hatten.
All das zeigt uns, dass die Portugiesen grundsätzlich die Einwohner nicht wegen, sondern trotz ihrem Heidentum die Chance einräumten, ein zivilisiertes Leben zu führen, weil sie in einem Urzustand lebten, aus dem sie noch befreit werden konnten. Wenn sie dies aber taten, indem sie das Christentum und damit verbunden europäische Sitten einnahmen, befanden sie sich auf dem Weg, wohlgemerkt erst auf dem Weg zu einem wahrhaft menschenwürdigen Dasein, da die Religion ihr Fundament ist. So schrieb Alexanders Ross 1665: „Das Wesen und Leben einer Republick besteht in der Liebe/ Einigkeit und Einträchtigkeit; diese aber werden durch die Religion erlangt, dan es ist kein Band so eng und so dauerhafttig/ als das von der Religion, wodurch alle die lebendigen Steine des grossen Gebäws der Königreiche und Stände aneinander gemauret…“[22] Folgerichtig, wenngleich von Ross nicht explizit formuliert[23], bedeutet das auch, desto wahrer die Religion, umso besser ist das Fundament der Gesellschaft und das Christentum als die wahre Religion ist demnach das beste und einzig wirkliche Fundament für den guten Staat und den tugendhaften Menschen. In dieser Meinung zeigen die portugiesischen Autoren eine relativ hohe Übereinstimmung mit den Muslimischen. Für beide war Religion das Fundament eines Zivilisierungsprozesses, der weit über das Heil der Seelen in Kulturelle und wirtschaftliche Bereiche hineinreichte, indem sie die Menschen von ihren schlechten Eigenschaften befreite und sie der Gemeinschaft der Überlegenen integrierte und anglich.

III. Beschreibungen zur Zeit der Aufklärung
Abschließend wollen wir noch versuchen, eine andere Perspektive auf die Völker Afrikas zu aus dem europäischen Kontext zu gewinnen. Hierfür werden wir die Geschichte beider Indien von Guillaume Raynal und Denis Diderot darauf untersuchen[24], ob sich auch in der Epoche der Aufklärung der Grundsatz gehalten hat, dass die Religion das Fundament der Zivilisierung der wilden Afrikaner ist oder ob das Konzept der Prädestination durch die Natur, welches wir am Ende unserer Betrachtungen in Ansätzen entdeckt haben, weiterentwickelt wurde und damit den Gedanken des Afrikaners als potentiellen Christen verdrängt hat.
Breits zu Beginn seiner Ausführungen machen die Autoren am Beispiel der Erklärungsmodelle für die schwarze Hautfarbe der Afrikaner klar, dass sie von jeder religiösen Interpretation oder Bewertung nicht nur Abstand nehmen wollen, sondern diese explizit und polemisch ablehnen.[25] Nach dieser Erklärung geht Raynal auch nicht weiter auf die Religion als Bewertungsmaßstab für die Afrikaner ein. Dies ist umso erstaunlicher, als es sich bei ihm zum einen um einen Priester handelt, zum anderen als es sich an zahlreichen Stellen angeboten hätte, religiöse Fragen zu thematisieren. Denn tatsächlich handelt es sich bei der Geschichte beider Indien weniger um eine Reisebeschreibung oder ein Geschichtswerk über diesen Raum. Denn im Grunde ist das Werk eine Schrift gegen die Sklaverei, deren Schwerpunkt der Autor zwischen der afrikanischen Westküste und Amerika sieht. Gerade im Kontext des Sklavenhandels und der Sklavenhaltung hätte es zahlreiche Möglichkeiten gegeben, auch religiös zu argumentieren. So stellt er die Frage, ob die Europäer das recht hätten, in Amerika neue Kolonien zu gründen. Er beschäftigt sich mit dieser Frage aus einem rein weltlich-machtpolitischen Kontext, ohne auf die Frage der Religion, die ja den damaligen Kolonisten selbst zumindest Vorwand war, einzugehen.[26] Allerdings gelingt es Raynal nicht, seine Ausführungen vollständig frei von religiösen Bewertungen zu halten. Konträr jedoch zu den Muslimen und Portugiesen sieht er Religion jedoch nicht als einen positiven, sondern als einen negativen Aspekt an, wenn er z.B. schreibt: „Die Religion, die Verachtung auf die Arbeiten eines Wesens im Puppenstande wirft und die heimlich die Fortschritte der Vernunft fürchtet, wird ihre Müßiggänger vermehren und den arbeitsamen Menschen durch die Furcht und den Zweifel zurückhalten.[27] Eine ähnlicher Verkehrung der Bewertungen findet man bei Raynal in jenem Punkt, den er an Stelle der Religion als fundamentalen Bewertungsmaßstab einsetzt, den der Rasse ein bzw. der natürlichen Prädestination der schwarzen Afrikaner zu einer bestimmten Lebensform. Hier begegnet uns die Idee des „edlen Wilden“ in einer frühen Form, denn anders als die Portugiesen und die Muslime ist die Wildheit und Unzivilisiertheit der Afrikaner für ihn kein negativer, sondern ein positiver Punkt.[28]
Wir können daher zusammenfassen, dass sich bei den Aufklärern, zumindest aber bei Raynal, die Idee der natürlichen Prädestination der Schwarzen, die bereits bei früheren Autoren angeklungen ist, gegen die Idee der Religion als fundamentalen Bewertungsmaßstab durchgesetzt hat und sogar nunmehr als Negativum betrachtet, während die Natur nunmehr positiv ist.

IV. Resümee
Kehren wir zu unseren Fragen vom Beginn der Arbeit zurück, so können wir sie nun auf folgende Weise beantworten:
Zur ersten Frage konnten wir feststellen, dass Religion der erste und fundamentale Bewertungsmaßstab für die Afrikaner war. Sie war allerdings nicht der einzige. Zivilisatorische und moralische Aspekte waren ebenfalls für sie alle von hoher Bedeutung. Sie traten jedoch hinter die Religion zurück, insoweit, als diese erst den Afrikanern die Teilnahme an den Segnungen der Zivilisation ermöglichen würde und sie damit aus ihrem tierischen Stand zu wahren (Christen-)Menschen mit allen Vorteilen der Kultur machen würde.
Doch tritt im Laufe der Zeit ein Umschwung der Meinung bei den Europäern ein. Mit ausbleibendem Erfolg verbreitet und verhärtete sich der Standpunkt der Europäer, die Afrikaner seien und blieben Wilde qua Natur. In der Aufklärung droht er das religiöse Argument fast gänzlich zu verdrängen und wird zu einer, nunmehr mitunter positiv gedeuteten, natürlichen Prädestination der Schwarzafrikaner zum natürlich-wilden Dasein. 
Davon, dass sich hierdurch die Stellung der Afrikaner in der europäischen Wahrnehmung zum besseren Entwickelt hätte, kann jedoch keine Rede sein. Denn hatte man dan Afrikaner vorher die Möglichkeit zur Weiterentwicklung grundsätzlich zugebilligt, so wurden sie jetzt zu per se Wilden abgestempelt. Mochte dieses Wilde zwar noch als Positiv angesehen werden, so kam damit dennoch der Gedanke der biologischen Prädestination auf, der als Grundsatz der Bewertung des Menschen nach seiner Rasse unheilvolle Wirkungen entfaltete. Eine Überlegenheit im Sinne einer gesteigerten Unvoreingenommenheit des aufgeklärten Beobachters gegenüber einem religiösen kann von daher nach den Quellen nicht festgestellt werden.



[1] Vgl. Cassiodorus, Augustinus: Wahrhafte und eigentliche Beschreibung des Köngreiches Kongo in Afrika, Frankfurt am Main 1617, darin: Die Relation des Königreichs Kongo, S. 35-43.
[2] Vgl. ebenda, S. 36ff.
[3] Vgl. ebenda, Bild 2.
[4] Vgl. ebenda, S. 35f.
[5] Vgl. ebenda, S. 37.
[6] Vgl. ebenda, Bild 3, besonders des Beitextes Z. 14: „Heutigen Tags aber gebrauchen sie sich der portugiesischen Tracht …“
[7] Vgl. ebenda,  S. 38f. Der König bittet darum, dass die Portugiesen für ihn eine Kirche bauen und auch das sonstige notwendige Gerät einführen, einem Wünsch, dem sie bereitwillig entsprechen.
[8] Vgl. ebenda, S. 38. Dazu Santos Lopes: Afrika., S. 61, 72 und Baur, John: Christus kommt nach Afrika : 2000 Jahre Christentum auf dem Schwarzen Kontinent, S. 61-65
[9] Vgl. Azurara, Gomes Eannes de: The Chronicle oft he Discovery and Conquest of Guinea, New York 1963, S. 52-54. Der Infant Heinrich erhält hier vom Papst die Billigung seiner Entdeckungsfahrten und den Auftrag zur Heidenmission.
[10] Vgl. Santos Lopes, Marilia dos: Afrika. Eine neue Welt in deutschen Schriften des 16- und 17. Jh., Stuttgart 1992, S. 54.
[11] Vgl. ebenda, S. 57. Eine weitere Quelle hierzu ist z.B. Bry, Theodor de: Ander Theil der Orientalischen Indien, Frankfurt am Main 1598.
[12] Zitiert nach Cassiodorus: Die Relation des Königreichs Kongo, S. 38, Z. 1-4.
[13] Vgl. ebenda, S. 38f.
[14] Vgl. Lopes, S. 170.
[15] Vgl. Groeben, Otto Friedrich von der: Guineische Reisebeschreibung, Leipzig 1915.
[16] Vgl. ebenda, S. 63. Anstatt von Königen spricht man hier von „Capiscirs“. Diese lassen sich zwar nicht mit dem König des Kongo vergleichen, doch macht die Behandlung durch von der Gröben doch deutlich, dass es sich hier in keiner Perspektive um Gleiche oder Ähnliche handelt. So schreibt er S. 65, Z. 1-4: „Da sind sie mir entgegen gekommen und haben mich in eine alte aufgeworfene Hütte gebeten, allwo ich ihnen mein Vornehmen zu verstehen gegeben und sie mit wenigen Worten zu meinem Willen gebracht habe.“ Die Häuptlinge werden oft als Kapitäne bezeichnet, S. 57, und damit einen ähnlichen Rang wie von der Gröben und sein Kapitän, ein anderes mal als Oberhaupt, S 58. Doch ist in diesem Kontext stets von den Ehrerbietungen die Rede, die den Europäern von den Schwarzen erbracht werden, nie von gegenseitigen Handlungen gleichen Charakters, vgl. S. 67f.
[18] Vgl. Sweet, James H.: Recreating Africa. Culture, Kinship, and Religion in the African-Portuguese World, 1441-1770, Chapel Hill-London 2003, S. 112-117. Für das unterschiedliche Verständnis von Religion zwischen Afrikanern und Europäern vgl. ebenda S. 103-117.
[19] Vgl. Cassiodorus: Die Relation des Königreichs Kongo, 41ff.
[20] Vgl. Baur: Christus kommt nach Afrika, S. 59-67.
[21] Vgl. Zucchelli, Antonio: Merckwürdige Missions und Reisebeschreibung nach Congo in Ethiopien, Frankfurt 1715, S. 241. Entnommen aus Santos Lopes: Afrika, S. 77, Z. 17-22.
[22] Zitiert nach: Ross, Alexander: Der Welt unterschiedliche Gottes Dienst/ oder Beschreibung aller Religionen und Ketzereyen in Asia, Afrika, America und Europa, von Anbeginn der Welt biß auff gegenwertige Zeit, Heidelberg 1665 , S. 951. Entnommen aus Santos Lopes: Afrika, S. 181, 33-37.
[23] Vgl. Santos Lopes: Afrika, S. 180ff.
[24] Vgl. Raynal, Guillaume, Diderot, Denis: Die Geschichte beider Indien, Nördlingen 1988.
[25] Zitiert nach ebenda, S. 196f, Z.41-18: „Die Gottgelehrtheit, die sich des menschlichen Geistes durch Einbildung bemächtigt, welche die Schrecken der Kindheit dazu angewendet, um die Vernunft mit unaufhörlichen Schrecknissen zu plagen […] Großer Gott! welchen abscheulichen Unsinn schreiben dir Wesen nicht zu …“
[26] Vgl. ebenda, S. 161-164.
[27] Zitiert aus ebenda, S. 201, Z. 27-31.
[27] Vgl. ebenda, S. 202f, S. 201, Z. 27-31.
[28] Vgl. ebenda, S. 202f, 230-236. Vgl. weiterführend: Braun, Jana: Das Bild des „Afrikaners“ im Spiegel deutscher Zeitschriften der Aufklärung, Leipzig 2005. Zwar diskutiert die Autorin das Thema nicht in unserem Aspekt, sie arbeitet jedoch deutlich heraus, dass der „Afrikaner“ in der Zeit der Aufklärung deutlich als der andere gesehen wurden und man nie bis selten Gemeinsamkeiten, sondern fast nur unterschiede herausgearbeitet hat, wodurch der Paradigmenwechsel von der Mission des potentiellen Christen zur Beherrschung des fremden Afrikaners in den folgenden Jahrhunderten vollzogen wurde. Bzgl. des Hauptthemas von Raynal, dem Sklavenhandel vgl. besonders ebenda, S. 38-50.

Kommentare :

  1. Ein hervorragender Artikel, weiter so! Ich werde ihn bei Gelegenheit auf meinem Blog "die katholischen Missionen" verlinken.

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