Montag, 28. November 2011

Mama, warum trägt der Pfarrer pink?

Während meiner ersten Messdienerlehrstunde bekam ich einen Zettel in die Hand gedrückt mit Bildern von verschiedenfarbigen Messgewändern - Kaseln - und daneben stand, was der Priester wann trug. Da stand auch, dass Violett, von jungen, unemanzipierten Mädchen auch Trauerpink genannt, neben der Fastenzeit auch während der Adventszeit getragen wird.
Ja, aber warum eigentlich? habe ich damals nicht gefragt.
Denn Fastenzeit und Adventszeit sind ja zwei verschiedene Paar Schuhe. In der Fastenzeit fastet man - eigentlich - in der Adventszeit schaufelt man hochoffiziell gebackenen wie ungebackenen Keksteig in solchen Mengen in sich hinein, dass man an Weihnachten in die Kirche gerollt werden kann, weswegen man diese Tradition auch Weihnachtsplätzchen nennt. Da käme doch in der Fastenzeit kein Mensch drauf.
Gut, beides sind irgendwie Vorbereitungszeiten. In der Fastenzeit bereitet man sich darauf vor, Karten anzulegen, um die versteckten Ostereier selber wiederfinden zu können, in der Adventszeit stellt man statische Berechnungen an, um den Geschenkberg vor dem Weihnachtsbaum vor dem vorzeitigem Einsturz zu bewahren.
Aber sonst haben die beiden doch lebenspraktisch nichts gemeinsam. Außer eben dass der Pfarrer violett trägt. Aber wieso denn nun? Denn Vioelett ist ja eine Farbe der Zurückhaltung, mitunter der Trauer - so früher am französischen Königshof - das passt doch zu Advent echt nicht.

Ja, denkste.
Vielleicht wissen die Älteren, vom Lande Kommenden - 70 + aus rheinländischen, bayrischen und österreichen Kuhkäffern - unter uns noch, dass man früher in der Adventszeit nicht Kekse und Kuchen gemampft hat bis der Kaplan zur letzten Ölung - aus Stärkungszwecken - kam, sondern das man Weihnachtsplätzchen an Weihnachten gegessen hat und nicht davor.
Und damit kommen wir auf den Punkt dieses Beitrages: Die Adventszeit ist nämlich auch eine Fastenzeit.
Der Priester trägt also Violett nicht aus Jucks und Dollerei - bei manchen der modernen Kaseln kommt man ja auf den Gedanken - sondern um uns darauf hinzuweisen, wie eng Fasten- und Adventszeit zusammenhängen.
Katholische Sprache ist eben auch eine Bildsprache und wenn wir sie wieder lesen lernen, können wir viele Zusammenhänge wieder neu und besser als jetzt verstehen.

Zuletzt wollen wir noch ein bisschen motivieren. Denn in der Adventszeit zu fasten ist, da seien wir ehrlich, eine Tortur. Von überall kriegst du Schokolade, Kekse, Zimt, Zucker und was weiss ich noch alles unter die Nase gehalten. Allein mit den Nikoläusen in den Supermärkten der Rhein-Main-Gegend kann man die Schokoladenjahresnachfrage eines mittleren afrikanischen Landes decken.
Aber mal unter uns: Darin liegt doch gerade die Herausforderung, die Gelegenheit. Jetzt oder nie. In der Fastenzeit ist ja Fasten immer noch irgendwie in. Klar, da fastet man um auf den Hunger in der Welt hinzuweisen oder wegen der Figur - Winterspeck lässt grüssen. Aber in der Adventszeit doch nicht. Da kann man noch mal christliches Leben in Reinkultur praktizieren. Der mittägliche Weihnachtsmannmarzipanschokokuchen mit Karamell-Latte-Macchiatto oder einem weißen Kakao mit Zimtgeschmack wird ersetzt durch ... ach ich weiss auch nicht ... einem Angelusgebet.
So kann man noch viele andere Beispiel finden, aber ich muss jetzt auch noch mal was tun und wünsche euch daher nur viel Spass beim Fasten.

PS: Den Macchiatto - kein Karamell - habe ich heute auch noch getrunken, aber ohne Kuchen und mit Angelus.

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