Sonntag, 20. November 2011

Der Beichtstuhl - mehr als eine Couch

Sie gehört zu den modernen Problemen des heutigen Katholiken: die Beichte.
Dabei meine ich nicht, dass man dabei, mal neumodisch gesprochen, einen Seelenstriptease machen muss.
Das eigentliche Problem ist ja die Verharmlosungsmentalität durch diejenigen, die einem die Beichte abnehmen. Obwohl es ja teilweise schon schwer genug ist, überhaupt einen Priester aufzutreiben, der diesen Teil seiner Berufung noch wahrnimmt. Wobei ich mich da nicht beschweren will, da ich in der privilegierten Lage bin, relativ nahe Ordenshäuser zu haben, die diese Aufgabe übernehmen. Da ich bei Frankfurt wohne, bietet es sich an, zu den Kapuzinern zu gehen, die in extrem guter Lage an der Zeil beheimatet sind und auch zweimal täglich für längere Zeiten die Beichte abnehmen. Also eigentlich paradiesische Zustände.

Doch es gibt dabei ein Problem. Denn wenngleich die Partes hoch zu achten sind und einen reichen Erfahrungsschatz aufweisen, kann man sich mitunter des Eindruckes nicht erwehren, dass sie ziemlich lasch sind, wenn es darum geht, die Beichte abzunehmen. Und das in zweierlei Hinsicht:
1. Kann man mitunter meinen, dass sie nach der Beichte des Beichtenden eine Art leicht variierbares Standartsprüchlein aufsagen.
2. Höre ich von ihnen hin und wieder sowas wie: "Ja, das ist doch keine Sünde" oder "Ja, das ist doch nicht so schlimm, machen sie sich da mal keinen Kopf." Nicht das ich mich beschweren will, dass sie mir keine 15 Rosenkränze als Sühne aufbrummen, aber ich denke eigentlich schon, dass, wenn man etwas als Sünde oder belastend empfindet, das auch eine Sünde oder belastend ist. Deshalb gehe ich ja in den Beichtstuhl, um diese Sünde vor Gott zu tragen.
Um mal im Bild zu sprechen: Es geht doch darum, die Latte wieder auszurichten und nicht darum, sie tiefer zu hängen. Wenn ich von der Beichte komme, soll doch gerade in mir der Wunsch entstehen, mich, im Anschluss an die Reinigung, wieder mit mehr Eifer in das Glaubensleben zu stürzen und meine Bemühungen zu verdoppeln, Christus ähnlicher zu werden. Mit "ist doch nicht so schlimm" weiss ich nicht, ob das so klappt.

Dessen ungeachtet bin ich den Kapuzinern sehr dankbar. Denn ich denke das Wichtigste an ihnen ist ihre Verfügbarkeit. Wenn man ein Problem hat, das man dringend beichten will, dann muss man nicht erst Tage oder Wochen warten, bis der Heimatpfarrer einen in seinen Terminplan quetscht oder eine reguläre Beichtsitzung anbietet. Sondern man kann, an jedem Tag der Woche, morgens oder nachmittags, hin gehen. Zwar sind ihre Antworten oft nicht gerade psychologisch besonders erhellend, aber das ist ja grundsätzlich auch gar nicht nötig. Denn der Priester muss ja weder ein Genie noch besonders engagiert sein, sondern einfach nur geweiht. Hauptsache, er kann die Lossprechung erteilen. Und wenn er das macht, dann hat er mir schon einen sehr großen Dienst erwiesen.

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