Donnerstag, 24. November 2011

Augustinus über die Demut - Briefe

Wir wollen heute unsere Augustinus-Reihe mit seinen Briefen schließen.

Augustinus an den Bischof Aurelius
"Was soll ich aber von Streitsucht und Überlistung sprechen, da schwere Laster dieser Art in unserem Stande, nicht unter dem Volke vorkommen? Die Mutter dieser Krankheiten ist aber der Stolz und die Begierde nach Menschenlob, die oft auch zur Heuchelei führt. Diesem Laster aber kann man nur dadurch entgegenarbeiten, daß man, wie so häufig die Stellen in den göttlichen Büchern es verlangen, Furcht und Liebe Gottes einflößt. Doch muß auch derjenige, der dies tut, sich selbst als Meister der Geduld und Demut erweisen, indem er weniger für sich in Anspruch nimmt, als ihm entgegengebracht wird; jedoch darf er von denen, die ihn ehren, ebensowenig alles als gar nichts annehmen, sondern was er an Ehre und Lob empfängt, das muß er in Empfang nehmen, nicht wegen seiner selbst, da er ganz vor Gott wandeln und das Menschliche verachten soll, sondern wegen derer, für die er nicht Sorge zu tragen vermag, wenn er allzusehr herabgewürdigt ist. Darauf bezieht sich das Wort: „Niemand verachte deine Jugend“1, das derselbe ausgesprochen hat, der an einer anderen Stelle sagt: „Wenn ich den Menschen gefallen wollte, so wäre ich Christi Diener nicht“
Augustinus an den Bischof Valerius
"Aber vielleicht spricht deine Heiligkeit: „Ich möchte wissen, was dir in bezug auf Belehrung abgeht.“ Dies ist aber so vieles, daß ich leichter aufzählen könnte, was ich besitze, als was ich vermisse. Ich möchte mir die Freiheit nehmen zu sagen: „Mir fehlt Selbsterkenntnis und voller beharrlicher Glaube in bezug auf die Heilswahrheiten.“ Aber wenn ich auch dies besäße, wie muß ich es zum Heile anderer wenden, „nicht suchend, was mir nützlich ist, sondern was vielen zu ihrem Heile dient“? Es gibt vielleicht so manche Anweisungen, nein sicher sind in den heiligen Schriften so manche Ratschläge aufgezeichnet, durch deren Kenntnis und Beobachtung ein Mann Gottes in den Stand gesetzt wird, sich mit halbwegs geordneten kirchlichen Verhältnissen zu befassen, jedenfalls aber in der Mitte der Gottlosen mit reinem Gewissen zu leben oder so zu sterben, dass jenes Leben nicht verloren geht, nach dem allein demütige und sanftmütige Christenherzen Verlangen tragen. Wie kann dies aber geschehen außer, wie der Herr selbst sagt, durch Bitten, Suchen und Klopfen, d. h. durch Beten, Lesen und Weinen? Zu diesem Zwecke wollte ich mir durch Mitbrüder eine kurze Zeit, etwa bis Ostern, von deiner so aufrichtigen und ehrwürdigen Liebe erbitten, und ich erneuere nun diese Bitte."
Augustinus an Consentius
"Wenn man sich also hüten muß, sich Gott ähnlich unserer Gerechtigkeit vorzustellen, weil das erleuchtende Licht ohne Vergleich erhabener ist als das, was erleuchtet wird, so muß man sich noch viel mehr vor dem Gedanken hüten, er sei etwas Geringeres, gleichsam Farbloseres als unsere Gerechtigkeit. Was ist aber die Gerechtigkeit, die in uns ist, oder eine gewisse Tugend, durch die man in rechter Weise und mit Weisheit lebt, anderes als die Schönheit des inneren Menschen? Und gewiß sind wir mehr wegen dieser Schönheit als wegen des Körpers nach Gottes Ebenbilde erschaffen. Deshalb wird uns gesagt: „Werdet nicht gleichförmig dieser Welt, sondern gestaltet euch um in Erneuerung eures Herzens, um zu prüfen, was der Wille Gottes, was gut, gottgefällig und vollkommen sei“. Wenn also nach unserer Behauptung, nach unserer Erkenntnis und nach unseren Wünschen die Seele nicht durch Ausdehnung oder räumliche Gliederung, wie man sie an Körpern sieht oder denkt, sondern durch geistige Vorzüge, zum Beispiel durch die Gerechtigkeit ihre Schönheit erlangt und wir durch diese Schönheit zum Ebenbilde Gottes umgestaltet werden, so darf man die Schönheit Gottes, der uns nach seinem Ebenbilde umgestaltet und gebildet hat, nicht in irgendeiner körperlichen Ausdehnung suchen, sondern man muß vielmehr glauben, daß er, ebenso wie er unvergleichlich gerecht, ebenso auch unvergleichlich schön ist.
Mögen diese Bemerkungen, die in Rücksicht auf die gewöhnliche Briefform vielleicht über Erwarten lang, in Rücksicht auf eine Frage solcher Bedeutung aber kurz ausgefallen sind, deiner Liebe genügen; nicht etwa, als ob sie zu deiner Belehrung ausreichen würden, sondern damit du auch einmal anderes lesest und hörest und dann, wohl unterrichtet, deine weiteren Behauptungen selbst zu widerlegen imstande bist. Dies aber geschieht um so besser, je demütiger und je gläubiger es geschieht."
Quelle: Bibliothek der Kirchenväter, Aurelius Augustinus, Briefe
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2775-7.htm-Demut
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2774-4.htm-demütig
http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2812-20.htm-demütig

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